Langenwolschendorf fühlt sich wegen Rewe-Markt übergangen

Langenwolschendorf.  Der Umzug des Lebensmittelhandels aus der kleinen Gemeinde nach Zeulenroda sorgt weiter für Unmut.

Am 2. Dezember soll der neue Markt in Zeulenroda-Triebes öffnen. Der bestehende Markt in Langenwolschendorf hat noch bis zum 20. November geöffnet.

Am 2. Dezember soll der neue Markt in Zeulenroda-Triebes öffnen. Der bestehende Markt in Langenwolschendorf hat noch bis zum 20. November geöffnet.

Foto: Norman Börner

Dass der Rewe-Markt in Langenwolschendorf bald schließen wird, ist längst beschlossene Sache. Bis einschließlich 20. November können die Langenwolschendorfer noch vor der eigenen Haustür einkaufen. Am 2. Dezember soll dann der neue Markt in Zeulenroda-Triebes öffnen, voraussichtlich zur Mittagszeit.

Aber der Umzug des einzigen Lebensmittelhandels im Ort in die größere Nachbarstadt sorgt im kleinen Langenwolschendorf noch immer für Unmut. „Wir hatten früh im Verfahren Bedenken geäußert, dass der Neubau in Zeulenroda das Aus für unseren Markt bedeuten könnte. Aber unsere Einwände wurden nicht beachtet“, sagt Langenwolschendorfs Bürgermeister Gisbert Voigt (CDU).

Widersprüchliche Aussagen während Planungsphase

Unserer Zeitung liegen Ausschnitte aus einem Abwägungsbeschluss vor, die dies bestätigen. So wies die Gemeinde bereits während des Planungsverfahrens im November 2017 darauf hin, dass mit der Eröffnung des neuen Marktes der bisherige Standort in Langenwolschendorf in Frage gestellt werden könnte.

Das zuständige Planungsbüro konnte jene Sorgen sogar nachvollziehen und schrieb: „Dabei sind Auswirkungen auf den vorhandenen Rewe-Markt in Langenwolschendorf nicht ausgeschlossen, zumal dieser im Wesentlichen aus dem Kaufkraftabfluss aus Zeulenroda profitiert.“ Es stellte jedoch auch fest, dass die Anregungen im weiteren Verfahren nicht berücksichtigt werden und am Bebauungsplan festgehalten wird.

März 2018 hieß es, Schließung sei nicht beabsichtigt

Im März 2018 erneuerte die Gemeinde Langenwolschendorf die Befürchtungen. Bei einer Schließung des Lebensmittelmarktes wäre die Nahversorgung des Dorfes nicht mehr gegeben. In der Stellungnahme des Planungsbüros hieß es nun allerdings, dass der Betreiber des Rewe-Marktes erläutert hätte, dass eine Schließung des vorhandenen Marktes in Langenwolschendorf nicht beabsichtigt sei.

Was sagt Rewe dazu? „Bei potenziellen wie auch bestehenden Standorten prüfen wir regelmäßig, beispielsweise entsprechend baulicher Zyklen, anhand verschiedener Komponenten die mittelfristige und langfristige Zukunftsfähigkeit. Aus Langenwolschendorf ziehen wir uns aus baulichen und wirtschaftlichen Gründen zurück.“

Für Gisbert Voigt eine Ausrede. Laut ihm wurde die damalige Aussage nur getroffen, um die Gemeinde zu beruhigen. Nun arbeite man aber daran, dass sich ein neuer Lebensmittelhändler in Langenwolschendorf ansiedelt.

Standort passt nicht ins Landesentwicklungsprogramm

Das könnte allerdings schwierig werden. Aus zwei Gründen: Bereits während der Planungsphase des Marktes in Zeulenroda-Triebes wurde deutlich, dass der Standort in Langenwolschendorf mehreren Anforderungen des Landesentwicklungsprogramms Thüringen 2025 – eine Art Masterplan für die künftige Raumordnung im Freistaat – nicht gerecht wird. Laut Vorwort ist das Programm ein Instrument, dass dem demografischen Wandel, der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und der Energiewende gerecht werden soll.

Demnach ist die Ansiedelung von Einzelhandelsgroßprojekten nur noch in zentralen Orten höherer Stufe zulässig. Demnach soll mit der Unterstützung der Innenstädte und der zentralen Orte eine weitere Zersiedelung verhindert werden, welche nicht nur unwirtschaftlich, sondern auch nachteilig für die Umwelt sei.

Will heißen: Die Ansiedlung von Einzelhändlern in Gewerbegebieten fernab der größeren Stadtzentren ist nicht gewünscht. Die unmittelbare Nähe zum großen Nachbarn dürfte der Gemeinde, die sich im Gegensatz zu umliegenden Orten die Eigenständigkeit bewahrt hat, dabei nicht entgegen kommen.

Auf der Suche nach einem Nachmieter

Hinzu kommt, dass der Mietvertrag von Rewe in Langenwolschendorf auch nach der Schließung noch weiter läuft. Laut Bürgermeister Gisbert Voigt wohl bis ins Jahr 2023. Rewe verweist darauf, sich bei Fragen zur Zukunft des Objekts, an den Eigentümer zu wenden. Mit dem befände sich die Gemeinde in Gesprächen bezüglich potenzieller Nachmieter, so Voigt.

„Wir hoffen, dass sich etwas ergibt. Aber es wäre zu früh, eine Äußerung zu tätigen“, sagt er. Leicht wird es angesichts der gegebenen Umstände wohl nicht.