Ernährung

Menschen mit Behinderung kochen in Zeulenroda gemeinsam

Ernährungsbildung für Menschen mit Behinderung muss besonderen Ansprüchen gerecht werden. Das gemeinsame Kochen in der Tagesbetreuung trägt dazu bei.

Kathleen Kolbe, Toni (links) und Michael von der Tagespflege der Lebenshilfe in Zeulenroda-Triebes freuen sich über die Erntegaben, die die Kirchgemeinden im Pfarrbereich Pöllwitz-Schönbach zur Verfügung gestellt haben. 

Kathleen Kolbe, Toni (links) und Michael von der Tagespflege der Lebenshilfe in Zeulenroda-Triebes freuen sich über die Erntegaben, die die Kirchgemeinden im Pfarrbereich Pöllwitz-Schönbach zur Verfügung gestellt haben. 

Foto: Norman Börner

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Aus der Küche in strömt der Duft von überbackenem Käse. Toni und Michael freuen sich schon sichtlich auf den Zucchini-Auflauf. Sie haben bei der Zubereitung geholfen. Denn in der integrativen Tagesbetreuung der Lebenshilfe Zeulenroda für Menschen mit geistiger, körperlicher oder Mehrfachbehinderung wird täglich zusammen frisch gekocht. „Wir sind totale Gesundheitsfreaks. Bewegung und gesunde Ernährung sind ein wichtiger Teil unseres Konzeptes“, sagt Betreuerin Andrea Thoss. Nicht ohne Grund: Denn Übergewicht liegt vor allem in der Gruppe der geistig behinderten Menschen über dem Niveau der Normalbevölkerung. Essverhalten und der Bewegungsmangel gelten als häufige Ursachen.

Frisch kochen kostet vor allem Zeit

Aktuell ist die Speisekammer des Hauses in der Südstraße prall gefüllt. Die Kirchgemeinden aus dem Pfarrbereich Pöllwitz-Schönbach haben ihre Erntegaben gespendet. Mit einem Mercedes Sprinter klapperten Betreuerinnen und Bewohner Mitte Oktober die Kirchen in Pöllwitz, Dobia, Bernsgrün, Fröbersgrün, Arnsgrün und Schönbach ab. Drei Stiegen Möhren, zehn Kürbisse und fast 100 Kilogramm Kartoffeln lagern jetzt in der Garage. „Dafür sind wir sehr dankbar. Denn frisch kochen kostet – vor allem Zeit“, sagt sie. In der Zubereitung und beim Einkaufen.

Jetzt wo die Grundzutaten im Haus sind, kann man mit den Details experimentieren. „Neben dem sozialen Aspekt des Kochens geht es vor allem darum, bei unserer Klienten ein Gefühl für gesunde Ernährung zu schaffen“, sagt Betreuerin Kathleen Kolbe. Bei Menschen mit Behinderung, die Zuhause betreut werden, sei hier vor allem das Elternhaus sehr prägend. „Wenn es Zuhause nur Tütensuppe gibt, dann hinterfragen das Menschen mit Beeinträchtigung eher nicht“, sagt Kathleen Kolbe. Ähnlich wie bei Kindern und Jugendlichen. Milieugeschädigt heißt das in Sozialarbeitersprache. Körperlich beeinträchtige Menschen haben zudem den Nachteil, dass die Nahrung, die ihnen vorgesetzt wird, für sie meist alternativlos ist. „Bei unseren Klienten wird aber die gesunde Ernährung auch Zuhause vorgelebt“, sagt Thoss.

In Kursen wird das Thema Ernährung anschaulich beigebracht

Das ist aber nicht immer so. Deswegen gibt es auch spezielle Förderangebote, die sich mit Ernährung beschäftigen. In den Vogtlandwerkstätten in Naitschau beispielsweise gibt es zwei bis dreimal im Jahr Ernährungskurse als arbeitsbegleitende Maßnahme oder als Gruppenkurs. „Wir haben gemerkt, dass viele unsere Mitarbeiter sich Fertignahrung bedienen, obwohl sie körperlich zum Kochen in der Lage wären“, sagt Andrea Stelzer von den Vogtlandwerkstätten.

In den Kursen werden einerseits theoretische Grundlagen einer gesunden Ernährung beigebracht. Anschaulich, in leichter Sprache und an die persönlichen Fähigkeiten der Menschen angepasst. Im Mittelpunkt stehen aber die gemeinsamen Kochnachmittage. „Dort werden in der Gruppe Rezepte erstellt und gezeigt, dass Gesundkochen einfach ist und nicht viel Geld kosten muss“, sagt Andrea Stelzer.

Die Bewohner der Tagesbetreuung wissen das. Mit einer Woche Vorlauf wird gemeinsam ein Speiseplan erstellt. „Dabei fließen auch die Wünsche der Bewohner mit ein“, sagt Kathleen Kolbe. Toni und Michael stimmen zu, doch schauen schon sehnsüchtig zum dampfenden Auflauf auf dem Tisch. Guten Appetit!

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren