Praxis schlägt Broschüre

Zeulenroda-Triebes.  Während die Unternehmen um den Nachwuchs kämpfen müssen, haben Azubis oft die Qual der Wahl.

Tim Biernot (links) lässt sich von Azubi-Betreuer Robert Kellner die Arbeit im Unternehmen erklären.

Tim Biernot (links) lässt sich von Azubi-Betreuer Robert Kellner die Arbeit im Unternehmen erklären.

Foto: Norman Börner

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Aus einem Metallstück soll ein Flaschenöffner entstehen. Wie praktisch. Denn Praxis wird heute groß geschrieben. Tim Biernot ist Zehntklässler aus Weida. Im Unternehmen Zeulenroda Präzision Maschinenbau will er erfahren, was ein Zerspanungsmechaniker überhaupt täglich so macht. Mit einer Feile bereitet er das Werkstück vor. An einer Maschine wird es geschliffen. Im letzten Schritt verarbeitet es eine CNC-Fräse, anhand eines am Computer erstellten Bauplanes zu einem Flaschenöffner.

Ausbildungsvertrag ist Fernziel

Tim Biernot interessiert sich vor allem für diesen letzten Vorgang. Der angehende Abiturient will einmal in die Richtung Maschinenbau studieren. „Ich will aber heute einfach mal, den Rohstoff und die Produktionsarbeit in dem Bereich kennen lernen“, sagt er. Das er wirklich mal im Unternehmen in Zeulenroda-Triebes eine Ausbildung beginnt, ist unwahrscheinlich. Trotzdem freut sich Ausbildungsleiter Frank Piehler über das Interesse. „Es geht ja auch um so etwas wie Rufwerbung. Es ist auch nicht so angedacht, dass aus solchen Schnuppertagen direkt ein Ausbildungsvertrag resultiert“, sagt er.

Berufliche Orientierung steht an erster Stelle

Der Schnuppertag, den Tim Biernot absolviert, ist Teil des IHK-Schülercolleges. Eine Möglichkeit, Ausbildungsberufe direkt in Ostthüringer Unternehmen auszuprobieren und so einen Einblick in die Berufspraxis zu bekommen. „An so einem Projekttag kann aber selbstverständlich auch herauskommen, dass der Beruf nichts für den Schüler ist. Aber auch dann haben wir, für die berufliche Orientierung der Schüler etwas getan“, sagt Steffen Knoll, Referent bei der IHK Ostthüringen.

Für das Unternehmen sind solche Veranstaltungen wie das Schülercollege nur eine Säule, um auf dem umkämpften Ausbildungsmarkt zu bestehen. Fünf Ausbildungsstellen habe man durchschnittlich im Jahr zu besetzen, sagt Kerstin Dicke aus der Personalabteilung. „Im letzten Jahr hat das gerade so geklappt. Für den aktuellen Ausbildungsbeginn haben wir aber noch keine Bewerbung vorliegen“, sagt sie. Also versuche man mit Hilfe von Berufsbörsen, Arbeitsagentur, Ferienarbeit und Praktika, den Nachwuchs zu überzeugen. „Am wichtigsten sind die praktischen Einblicke in die Arbeit. Die schlagen jede Broschüre“, sagt Ausbildungsleiter Frank Piehler.

Komfortabele Situation für Azubis

Die Azubi-Suche sei weiterhin mühselig und schwierig. Hätte es vor 20 Jahren noch 30 bis 50 Bewerbungen pro Ausbildungsjahr gegeben, sei man heute froh, überhaupt genug Bewerber zu finden. Was für das Unternehmen ein Problem ist und Kompromisse erfordert, kann für die Ausbildungssuchenden eine gute Situation sein.

Jonas Mömkes ist heute extra aus Jena zum Schülercollege angereist. „Aufgrund der Lage auf dem Ausbildungsmarkt, kann ich mir eigentlich frei aussuchen, was ich später mal machen will“, sagt der Realschüler. Sein Plan ist es, erst eine Ausbildung zu absolvieren und danach vielleicht das Abitur nachzuholen und noch zu studieren. Mit 16 in einem Unternehmen anzufangen und dort bis zur Rente zu arbeiten, sei nun mal nicht mehr das aktuelle Modell.

Das spüren die Unternehmen, die um jeden Azubi kämpfen müssen. Aber es ist auch ein Vorteil für die Schulabgänger, die in der beruflichen Laufbahn freier sind und die Richtung noch mal ändern können.

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