Über die Hälfte der Lebensmittelkontrollen fällt aus

Zeulenroda-Triebes.  Personalmangel und Kompetenz-Wirrwarr sorgen für Lücken in der Kontrolle, sagt der Thüringer Verbraucherschutz.

Ein Lebensmittelkontrolleur prüft die Temperatur von Lachsfilets.

Ein Lebensmittelkontrolleur prüft die Temperatur von Lachsfilets.

Foto: Oliver Berg / dpa

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Im Landkreis Greiz wurden im vergangenen Jahr von 1890 vorgehsehnen Plankontrollen nur 756 Überprüfungen nach Plan durchgeführt. wird. Als Gründe führt das zuständige Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt Ausfälle von Mitarbeitern durch Krankheit, Arbeitszeitverkürzung, Mutterschutz und Elternzeit und eine Priorisierung anderer Aufgaben an.

Kontrollen richten sich nach Art des Betriebes

Plankontrollen in Lebensmittelbetriebe finden meist unangekündigt statt. Dabei wird ein Betrieb von Kopf- bis Fuß unter die Lupe genommen. Küche, Kühlräume und Dokumentation werden überprüft. Die vorgesehene Häufigkeit der Kontrollen richtet sich nach der sogenannten Risikobewertung. Ein hohes Risiko haben zum Beispiel jene Betriebe in denen frische Lebensmittel wie Fleisch oder Milch verarbeitet werden. Auch Betriebe, die in der Vergangenheit bei Kontrolle auffällig geworden sind, erhalten eine höhere Risikobewertung. Je nach Einschätzung soll die Plankontrolle im Bereich von vierteljährlich bis alle drei Jahre durchgeführt werden. Wenn sie denn überhaupt stattfinden. Denn die Zahlen zeigen, dass weniger als die Hälfte der vorgesehenen Kontrollen durch die Personalsituation durchgeführt werden kann.

Personalsituation in der Behörde angespannt

„Die Personalsituation ist gerade besonders angespannt, da eine Elternzeitvertretung nach kurzer Zeit wieder aufgehört hat“, sagt Amtsleiterin Heidrun Grimm. Trotz der dünnen Personaldecke zieht sie die Lebensmittelsicherheit nicht gefährdet. „Unsere primären Aufgaben bestehen darin, auf Warnmeldungen und Bürgerbeschwerden zu reagieren. Dann gehen wir in den Betrieb entnehmen Proben und führen gezielte Kontrollen durch. Die Planprobe rutscht in dieser Prioritätenliste dann ans Ende“, sagt Grimm.

Derzeit seien in ihrer Behörde sie selbst als Amtstierärztin, sowie 3,56 Stellen für Lebensmittelkontrolleure und eine Verwaltungsfachangestellte eingesetzt. Die zweite Stelle als Amtstierärztin ist wegen der Elternzeitvertretung unbesetzt. Insgesamt waren vergangenes Jahr 1499 Betriebe registriert, davon 55 andere als Lebensmittelbetriebe. „Darunter fallen auch viele Kleinsterzeuger wie Jäger und Imker, die wir auch kontrollieren müssen“, sagt Grimm.

Verbraucherzentrale: Mehr Geld, Bündelung und Transparenz

Die Verbraucherzentrale Thüringen kritisiert die mangelnden Lebensmittelüberwachung. „Das ganze System der Lebensmittelkontrolle muss auf den Prüfstand. Die Kompetenzen erstrecken sich in Thüringen auf drei Verwaltungsebenen. Die Zuständigkeit muss gebündelt werden und der Fachbereich finanziell und personell gestärkt werden“, sagt Luise Hoffmann von der Verbraucherzentrale. Außerdem mache sie sich für ein Transparenzsystem stark, durch das der Kunde erfahren soll, wie ein Betrieb bei der letzten Lebensmittelkontrolle abgeschnitten hat.

Lebensmittelüberwachungsamt: Weniger Kontrollen bei gut geführten Betrieben

Auch Heike Grimm erkennt die Lücken im System an. Um die Vorgaben zu erfüllen, wären mehr Leute nötig. „Das hat aber auch damit zu tun, dass in unserem Bereich heute viel mehr weibliche Fachkräfte arbeiten“, sagt sie. Durch Mutterschaftsurlaub und Elternzeit würden sich hier mehr Ausfälle ergeben. Grundsätzlich sehe sie aber den besseren Ansatz in der Entbürokratisierung und Überarbeitungen des bestehenden Systems. „Den Kontrollrhythmus bei gut geführten Betriebe, die bei einer Tiefenkontrolle gut abgeschnitten haben, könnte man beispielsweise weitaus niedriger ansetzen. Da wird sich im nächsten Vierteljahr nichts ändern, sondern es reicht vielleicht ein jährliche Kontrolle“, sagt sie. Weniger Plankontrollen würden so mehr Zeit für gezielte Überprüfungen in den Verdachtsfällen ergeben.

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