Unternehmen aus der Region kämpfen um jeden Azubi

Zeulenroda-Triebes.  Zusatzleistungen, Infrastruktur, Aufstiegschancen: Auszubildende sind im Landkreis gefragt und stellen heute mehr Ansprüche als früher.

Elke Köber von der Ervema Agrar Gesellschaft erläutert einem Schüler die Ausbildungsberufe im Unternehmen. Die Azubis Maximilian Heidenreich (links) und Kevin Heinze unterstützen sie.

Elke Köber von der Ervema Agrar Gesellschaft erläutert einem Schüler die Ausbildungsberufe im Unternehmen. Die Azubis Maximilian Heidenreich (links) und Kevin Heinze unterstützen sie.

Foto: Norman Börner

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Lukas Wenzel ist erst 13 Jahre alt, aber er hat schon eine Vorstellung davon, was er später beruflich machen will. „“Ein Bürojob ist nichts für mich. Ich will an der frische Luft arbeiten“, sagt er. Elke Köber Ausbilderin im Landwirtschaftsbetrieb Ervema aus Wöhlsdorf wird hellhörig. Sie kennt Lukas bereits, weil das Unternehmen mit seiner Schule in Triebes kooperiert. Seine Name landet auf einer Liste für potenzielle Praktikanten. „Es ist wichtig, so früh wie möglich, in Kontakt zu kommen“, sagt Elke Köber. Im Idealfall folgt auf den Besuch am Messestand ein Praktikum und der Ausbildungsvertrag. In der Realität läuft dieser Prozess heute meist über Jahre ab.

Selten können alle Ausbildungsstellen besetzt werden

Drei Ausbildungsstellen in den Berufen Landwirt, Tierwirt und Mechatroniker für Land- und Baumaschinen sucht das Unternehmen jedes Jahr. „Wir sind froh, dass wir bisher immer wenigstens eine Stelle besetzen konnten“, sagt sie. Die Unternehmen der Region müssen um jeden Ausbildungsvertrag kämpfen. Deswegen beschlossen Wirtschaftsvertreter aus der Region vor zehn Jahren, eine eigene Ausbildungsmesse auf die Beine zu stellen. „Der Impuls kam aus der Wirtschaft“, sagt Steffen Kühn von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostthüringen, die als Kooperationspartner dabei ist.

Der Zuspruch steigt. Aus den anfänglich 28 Ausstellern sind 45 geworden. „Der Bedarf ist groß. Wir mussten leider einigen Firmen absagen“, sagt Bernd Damme vom Gewerbeverband Zeulenroda- Triebes, der die Börse mit veranstaltet. Denn auch wenn der Azubi-Mangel schon vor zehn Jahren ein bekanntes Problem war, bleiben die Zahlen ernüchternd. „Unsere Bemühungen lassen sich leider in Zahlen schwer ablesen“, sagt Steffen Kühn von der IHK.

Weiche Faktoren gewinnen an Bedeutung

Der letzte Bericht der Agentur für Arbeit Altenburg-Gera aus dem September 2019 lässt allerdings einen Aufwärtstrend erkennen. So waren zum Stichtag 30. September von 2464 Berufsausbildungsstellen 151 unbesetzt. Das sind halb so viele wie im Vorjahr, als 353 Stellen unbesetzt waren. „Um die jungen Leute in der Region zu halten, braucht es auch weiche Faktoren“, sagt Stefan Scholz, Geschäftsführer der regionalen Arbeitsagentur. Damit meint er einerseits die Lebensumgebung. Möglichkeiten der Kinderbetreuung, Nahverkehrsanbindung oder kulturelle Angebote. Dinge, die einen Ort lebenswert machen. „Deswegen ist es wichtig, dass Wirtschaft und Kommunen an einem Strang ziehen“, sagt Bernd Damme.

Weiche Faktoren könnten aber auch Zusatzleistungen der Arbeitgeber sein. „Die Arbeitszeit und der Verdienst stehen für die meisten Interessenten an erster Stelle“, sagt Kirsten Wieduwilt vom Bio-Seehotel in Zeulenroda-Triebes. Dennoch bemüht sich das Unternehmen, mit Bonusleistungen zusätzlich zum Gehalt zu punkten. Teamausflüge, Gutscheinkarten und kostenfreie Tests von Hotelangeboten zählen dazu.

Aber das alleine wird nicht reichen, um die Azubi-Flaute zu lösen. „Das Bildungsniveau der Bewerber ist gesunken. Ausbilder müssen in Zukunft noch mehr die Rolle eines Coaches einnehmen, um die Azubis schnell auf das erforderliche Niveau zu heben“, sagt Steffen Kühn von der IHK.

Praktikum ist besser als jede Broschüre

Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Region und die Unternehmen die Bewerber überzeugt. Dann wird auch Lukas Wenzel vor der Entscheidung stehen, wo er seine Berufslaufbahn beginnen will. Die Chancen für das Landwirtschaftsunternehmen aus Wöhlsdorf stehen nicht schleicht.

Der Triebeser will in der Region bleiben. Die Landwirtschaft interessiert ihn. „Aber, ob der Job für ihn das Richtige ist, kann nur ein Praktikum zeigen“, sagt Ausbilderin Elke Köber. Das sei besser als jede Broschüre und die beste Werbung für einen Beruf.

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