Unternehmen in Ostthüringen: Familiäre Pflege auf dem Land

Langenwetzendorf.  Viele kleinste, kleine oder mittlere Firmen leisten Erstaunliches für. Die OTZ stellt wöchentlich Betriebe und Dienstleister aus Ostthüringen vor. Heute: Pflegedienst Munzert aus Langenwetzendorf

Der Pflegedienst Munzert in Langenwetzendorf biete Betreutes Wohnen und ambulante Pflege im ländlichen Raum an. Geschäftsführerin Antje Munzert (Mitte) und Katja Schulz, Stellvertretende Pflegedienstleiterin, messen bei Bewohnerin Magdalene Geiler den Blutdruck. 

Der Pflegedienst Munzert in Langenwetzendorf biete Betreutes Wohnen und ambulante Pflege im ländlichen Raum an. Geschäftsführerin Antje Munzert (Mitte) und Katja Schulz, Stellvertretende Pflegedienstleiterin, messen bei Bewohnerin Magdalene Geiler den Blutdruck. 

Foto: Norman Börner

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Als sich Antje Munzert vor knapp 23 Jahren zum Schritt in die Selbstständigkeit entschließt, ist die Situation in der Pflege eine völlig andere als heute. „Ich bin Klinken putzen gegangen, um Pflegebedürftige zu finden“, sagt sie. Ärzte und Angehörige seien den privaten Pflegedienstleistern gegenüber anfangs noch skeptisch gewesen. In der Gegenwart ist das anders: Als eine der wenigen Pflegeeinrichtungen im ländlichen Greiz könne sie sich sich vor Anfragen kaum retten. „Aber unsere Touren und unsere Betten sind voll. Wir könnten expandieren, aber wir wollen den familiären Charakter unseres Hauses erhalten“, sagt sie.

Ländlicher Raum als Nischeund Wohlfühlort

Das Haus entsteht fast auf den Tag genau vor 13 Jahren. Als zusätzliches Angebot zur mobilen Pflege soll ein Angebot für das betreute Wohnen geschaffen werden. Auf dem Dorf. „Die Entscheidung, aufs Land zu gehen, haben wir bewusst getroffen. Wir wollten dahin, wo es schwer ist, gute Pflege zu finden und unseren Bewohnern eine schöne Umgebung für den Lebensabend bieten“, sagt sie.

Mit acht Mitarbeitern und Tochter Katja, die heute ihre Stellvertreterin ist, geht es damals los. Heute gibt es in dem Flachbauch in der Genossenschaftsstraße 13 Wohnungen und drei Urlaubszimmer, für Pflegebedürftige, deren Angehörige Urlaub machen wollen. Auch zwei Wohnungen für Ehepaare sind dabei. Der ambulante Dienst rückt Umkreis von 15 Kilometern aus.

Die Pflegekräfte im betreuten Wohnen sind von morgens bis abends für die Bewohner da. Nur in der Nacht gibt es keine Betreuung. „Deswegen können wir auch keine Bewohner aufnehmen, bei denen beispielsweise eine schwere Demenz vorliegt“, sagt Munzert. Die meisten Senioren könnten in Langenwetzendorf allerdings bis zum höchsten Pflegegrad betreut und gepflegt werden.

Zu den Veranstaltungen sind alleInteressierte eingeladen

„Wir haben viele überregionale Anfragen, doch festgelegt, dass wir unseren Einzugskreis klein halten“, sagt Antje Munzert. Viele Bewohner stammen aus Langenwetzendorf, haben aber eine Zeit lang woanders gewohnt. „Ich habe den Eindruck, dass Menschen im Alter gerne zu ihren Wurzlen zurückkehren“, sagt Katja Schulz. Dazu passt, dass das betreute Wohnen fest in die gesellschaftlichen Strukturen des Dorfes eingebunden ist. Zweimal die Woche gibt es Veranstaltungen, zu denen alle Bürger von Langenwetzendorf eingeladen sind. Bastelstunden. Das Programm wechselt von Sport über Rätsel bis zum gemütlichen Geburtstagskaffee. „Da ist Teil unserer Philosophie, wonach Pflege mehr sein muss als Waschen und Blutdruck messen“, sagt Antje Munzert. Doch auch bei ihnen spüre man den Druck, der auf der Pflegebranche lastet. „Der bürokratische Aufwand ist enorm hoch. Wir planen meist bis zu vier Mann allein für das Büro und den Papierkram ein“, sagt Katja Schulz. Obwohl man ausreichend Personal habe, fresse dies unglaublich viel Zeit, die für die Betreuung der Senioren fehle. Und obwohl sich gesetzlich viel getan habe, falle es vielen Angehörigen immer noch schwer, einen Pflegeplatz zu finden.

Gerade auf dem Land könne das Alter, die Menschen sozial isolieren. Fehlende Einkaufsmöglichkeiten und die schlechte Versorgung mit Fachärzten komme erschwerend hinzu. Zudem falle es älteren Menschen auf dem Land, die ihr ganzes Leben für Haus und Hof gesorgt haben, schwer, den Schritt in eine Pflegeeinrichtung zu gehen.

„Wir haben eine Frau, die anfangs sehr skeptisch war“, sagt Antje Munzert. Doch zu Hause habe sie abgeschieden gelebt und auch den Haushalt nicht mehr alleine bewältigen können. Nach ein paar Wochen habe sich diese Skepsis allerdings völlig gelegt. Die abgetrennten Wohnungen erlauben Privatsphäre und Selbstbestimmtheit. „Im Grunde war es für die Frau ein Schritt zu mehr Selbstständigkeit im Alltag“, sagt Katja Schulz. Eine Erweiterung der Räumlichkeiten plane man derzeit nicht. Auch um die Qualität aufrechtzuerhalten. „Aber ich habe noch immer den Traum, eine Senioren-WG zu gründen, andere Spektren der Pflege auszuprobieren“, sagt Antje Munzert. Konkrete Überlegungen seien dies aber noch nicht.

Für die Zukunft wünsche sie sich, dass die Pflege entbürokratisiert wird und das Augenmerk bei der Qualität nicht mehr nur auf „nackte Zahlen“ gerichtet wird. Der jüngst eingeführte Pflege-Tüv sei ein Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn die menschliche Komponente dabei immer noch unterrepräsentiert sei. Zuhören und Handhalten seien aber genauso wichtig wie die medizinische Betreuung.

Das Unternehmen in Ostthüringen:

  • Name: Pflegedienst Munzert GmbH
  • Standort: Genossenschaftsstr. 22, 07957 Langenwetzendorf
  • Geschäftsführer: Antje Munzert
  • Umsatz: circa 500.000 Euro
  • Beschäftigte: 25 Mitarbeiter
  • Auszubildende: 1 Mitarbeiter
  • Dienstleistungen: Pflege, Betreutes Wohnen, Pflegeberatung, Urlaubsvertretung für pflegende Angehörige, Hauswirtschaft, Hausnotrufdienst
  • www.pflegedienst-munzert.de

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