Verschwörungstheorien und Antisemitismus bei Corona-Demo

Zeulenroda-Triebes.  Die Veranstaltung verläuft friedlich. Am Rednerpult spricht Frank Haußner über dunkle Mächte und verborgene Strippenzieher.

Mit Fackeln zogen die Teilnehmer vor der Kundgebung durch die Stadt.

Mit Fackeln zogen die Teilnehmer vor der Kundgebung durch die Stadt.

Foto: Norman Börner

In der Spitze bis zu 240 Personen beteiligten sich laut Landespolizeiinspektion Gera am Montagabend an einer Versammlung auf dem Zeulenrodaer Marktplatz, die sich gegen die aktuellen Maßnahmen von Bund und Ländern zur Eindämmung des Coronavirus, die Einschränkungen von Grundrechten aufgrund der Pandemie und die Neufassung des Infektionsschutzgesetz richtete. Zum Auftakt der Veranstaltung zogen die Teilnehmer mit Fackeln und Musikbegleitung durch die Stadt und zurück zum Markt. Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten seitens der Teilnehmer wurden laut Polizei nicht festgestellt.

Ende der Corona-Einschränkungen gefordert

Anmelder und einziger Redner der Kundgebung war Frank Haußner. Der Dachdecker aus Zeulenroda-Triebes kritisierte in seiner Rede die Einschränkungen, die aufgrund der Corona-Pandemie derzeit gelten, sowie die umstrittene Neufassung des Infektionsschutzgesetzes, die am Mittwoch im Bundestag verabschiedet werden soll. Haußer zählte die Liste der Maßnahmen auf und forderte die Bundesregierung auf, die „Corona-Diktatur“ zu beenden. Es würden dunkle Gestalten dahinterstecken, die aufgehalten werden müssten. Das Publikum applaudierte. Aus der Menge brüllte jemand „Verjagt die Verbrecher!“. Immer wieder rief das Publikum: „Freiheit, Freiheit Freiheit!“ (Anmerkung: In einer früheren Variante dieses Artikels wurde falsch behauptet, der Zwischenruf aus dem Publikum lautete „Vergast die Verbrecher!“. Diese stellte sich nach Sichtung von Videomaterial als Fehler heraus, den wir bitten zu entschuldigen)

Verschwörungstheorien und Antisemitismus

Hinter all diesen Maßnahmen stecke laut Haußner auch gar nicht das Coronavirus, das er als größte Lüge der Neuzeit bezeichnete. Vielmehr würden „satanische Eliten-Cliquen“ die Einführung einer neuen Weltordnung vorbereiten. Unsere Politiker seien nur „Marionetten dunkler Mächte“, die im Hintergrund die Strippen ziehen. Die sogenannte Neue Weltordnung oder auch NWO ist laut verschiedener Verschwörungstheorien, das angebliche Ziel von Eliten oder Geheimgesellschaften, eine autoritäre und überstaatliche Weltregierung zu etablieren. Eine Theorie, die auch in rechten Kreisen verbreitetet ist und dabei oft antisemitische Züge trägt, da meist von einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung ausgegangen wird.

Überraschend oder neu sind die Aussagen Haußners nicht. So tritt er regelmäßig auf Veranstaltungen der Partei Alternative für Deutschland (AfD) auf. Auf der Videoplattform Youtube ist der Mitschnitt einer Rede auf einer AfD-Kundgebung am 17. Oktober in Gera zu sehen. Auch hier spricht er von angeblichen satanischen Parallelstrukturen, die die Menschheit versklaven wollen würden und sich wie ein Krebsgeschwür über den gesamten Globus ausgebreitet hätten.

Teilnahme an rechten Aufmärschen in Chemnitz

Haußner soll laut antifaschistischen Recherchen auch am Trauermarsch für den verstorbenen Neonazi und Hooligan Thomas Haller am 18. März 2019 in Chemnitz für die „Patrioten Ostthüringen“ teilgenommen haben. Auch bei einem Aufmarsch von „Pro Chemnitz“ soll er dabei gewesen sein. Eine rechtsextreme Bewegung, die maßgeblich in die Organisation der Proteste eingebunden war, die im Sommer 2018 in der sächsischen Stadt stattfanden. Bei den Aufmärschen kam es zu Ausschreitungen und Hetzjagden durch Neonazis. Haußner organisierte zudem im Jahr 2014 in Zeulenroda-Triebes die Proteste gegen ein mögliches Asyl­bewerberheim in der Stadt. Der Dachdecker sitzt derzeit auch als „sachkundiger Bürger“ im technischen Ausschuss der Stadt Zeulenroda-Triebes.

Zum Abschluss der Veranstaltung kündigte Haußner an, auch am kommenden Montag wieder zu einer Protestveranstaltung in Zeulenroda-Triebes aufzurufen.