200 Kinderhände feuern Jenaer Rollis an

Jena.  Basketball: Jena Caputs erwarten die Teams von Alba Berlin und Cottbus zum Heimturnier

Trainer Lars Christink (2. von links) schwört sein Team beim Training ein. Der Einsatz von Aufbauspieler Marcus Kietzer (2. von rechts) hat ein erfreuliches Fragezeichen: Seine Frau erwartet Nachwuchs.

Trainer Lars Christink (2. von links) schwört sein Team beim Training ein. Der Einsatz von Aufbauspieler Marcus Kietzer (2. von rechts) hat ein erfreuliches Fragezeichen: Seine Frau erwartet Nachwuchs.

Foto: Benjamin Schmutzler

Zu Erstliga-Zeiten der Jena Caputs pilgerten bis zu 500 Zuschauer in die Werner-Seelenbinder-Halle. Inzwischen spielen die Rollstuhlbasketballer mit dem Schnapphans im Logo zwei Spielklassen tiefer in der Regionalliga Ost. „Da ist die Attraktivität für Besucher natürlich etwas geringer. Jetzt kommen im Schnitt 50 Fans pro Heimturnier“, sagt Lars Christink. Er ist Manager, Trainer und Gründungsmitglied in einem. Und er freut sich sehr, dass am kommenden Samstag zu den Heimspielen gegen Alba Berlin und Red Rollers Cottbus wohl viermal so viele Zuschauer sein Team anfeuern werden.

Grund ist ein dreitägiger Workshop Anfang Oktober an der Jenaer Heinrich-Heine-Schule. Samt Rollstühlen besuchten die Spieler alle 16 Klassen, kamen mit den Grundschülern ins Gespräch, trainierten zusammen. „Die Kinder durften alle die Rollstühle ausprobieren. Sie fanden es toll und wollen uns als Dankeschön am Samstag unterstützen“, sagt Christink, der auf zirka 100 Schüler samt Eltern hofft.

Behinderte und nichtbehinderte Sportler spielen zusammen

Es ist nicht das erste integrative Projekt dieser Art für die Caputs. Um für ihre Sportart zu werben, gehen sie raus und zeigen, was Rollstuhlbasketball ausmacht. Der Lohn sind neben klatschenden Kinderhänden auch neue Spieler, die sich dem Verein anschließen. Wie David Hoffmann, der sich ein Jahr nach der Vereinsgründung 2007 erstmals das Trikot überstreifte. „Damals war es ein Projekt mit dem Jugendzen
trum Klex, was mich auf die Caputs aufmerksam machte. Das Zusammenspielen von behinderten mit nichtbehinderten Sportlern macht großen Spaß. Deshalb bin ich hier geblieben“, sagt Hoffmann, Aktivposten im Regionalliga-Team. Dabei könnte er durchaus woanders auf Korbjagd gehen. David zählt zu den Fußgängern im Team, hat keine körperliche Einschränkung, für die er einen Rollstuhl benötigt.

Doch auf dem Parkett sind alle gleich. „Bei Wettkämpfen bekommen die Spieler bestimmte Klassifizierungsnummern, je nach Grad ihrer Behinderung. Damit es insgesamt fair zugeht, dürfen die fünf Akteure auf dem Feld den Wert von 14,5 nicht überschreiten“, erklärt es der 47-jährige Trainer, seit einem Autounfall 1990 an den Rollstuhl gebunden. Die Kunst, eben diesen und den Ball gleichermaßen zu beherrschen, sowie der Mannschaftsgeist machen für ihn den Reiz aus. Selbst war Christink als Aktiver über viele Jahre Kapitän der Deutschen Nationalmannschaft, nahm dreimal an den Paralympics teil, wurde Vizeeuropameister. In Jena hängen die Trauben mittlerweile tiefer, ein Platz unter den ersten drei in der Staffel ist anvisiert. „Alba ist Topfavorit, da werden wir es schwer haben. Aber gegen Cottbus wollen wir gewinnen“, schätzt der Coach die Chancen beim Heimturnier ein. Und die nächsten Workshops mit Schulen in Jena und Umgebung seien ebenfalls schon eingenetzt. Es rollt sich gut, bei den Jena Caputs.

Heimturnier am Samstag in der Werner-Seelenbinder-Halle, Sporthallenkomplex Lobeda-West, mit Spielen gegen Alba Berlin (14 Uhr) und Red Rollers Cottbus (18 Uhr). Infos zu Team, Training, Sponsoring unter www.jena-caputs.de

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