4. Jenaer Speerwurf-Festival: 40 Athleten aus 17 Nationen trainieren mit Olympiasieger Röhler

Jena  Zum 4. Jenaer Speerwurf-Festival am Freitag und Samstag hat sich nicht nur die Weltelite viel vorgenommen.

Ali Soultoini aus Mayotte übt in der Jenaer Laufhalle den Anlauf mit dem Speer. Er ist einer von mehr als 40 Teilnehmer des „JenJavelin-Camps“, in dem sich die Sportlerinnen und Sportler auf das Speerwurf-Festival vorbereiten.

Ali Soultoini aus Mayotte übt in der Jenaer Laufhalle den Anlauf mit dem Speer. Er ist einer von mehr als 40 Teilnehmer des „JenJavelin-Camps“, in dem sich die Sportlerinnen und Sportler auf das Speerwurf-Festival vorbereiten.

Foto: Christoph Worsch

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Die Hand von Harro Schwuchow wackelt leicht. In ihr hält er die von Ali Soultoini fest umschlossen. Der 39-Jährige kommt aus Mayotte, einer Insel am nördlichen Rand der Straße von Mosambik im Indischen Ozean. Sie ist Teil des Archipels der Komoren und ein Übersee-Departement von Frankreich.

Einbeinig steht Soultoini auf der Slacklinie, trainiert mit Hilfe des Olympiasieger-Trainers seinen Gleichgewichtssinn. Auch den braucht ein guter Speerwerfer, weiß der Insulaner spätestens seit dieser Woche.

Er ist einer von über 40 Athleten, die sich aus 17 Nationen auf den Weg gemacht haben, um Olympiasieger Thomas Röhler seit Montag über die Schulter zu schauen. „Sie machen die Übungen, die ich auch mache“, sagt Röhler. Mit dem gemeinsamen Trainingslager bereiten sich die Sportlerinnen und Sportler auf das 4. Jenaer Speerwurf-Festival vor, dass am Freitag und Samstag auf der Anlage in der Oberaue stattfindet.

Während die Leichtathletik-Fans natürlich vor allem auf die Top-Werfer um Röhler schauen, soll die Veranstaltung, die mehr und mehr auch Familienfest-Charakter annimmt, aber allen Speerwerfern dienen, die Marke „JenJavelin“ in der ganzen Welt bekannt machen.

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Dass dies schon bestens funktioniert, beweist Ali Soultoini. Er ist Speerwurf-Begeisterter und einer von drei Werfern, die auf seiner Insel schon die 60-Meter-Marke knacken konnten. Über das französische Team ist der Kontakt nach Jena zum amtierenden Europameister zustande gekommen. Und Soultoini hat sich für diese Saison etwas ganz Besonderes vorgenommen: „Unseren Insel-Rekord. Der liegt bei 72 Meter.“

Die persönliche Bestweite des am kommenden Mittwoch 40 Jahre alt Werdenden beträgt 71,42 Meter. „Den Rekord sollte ich diese Saison schaffen“, glaubt der Mayottiner, der vom Training in der Halle des LC Jena beeindruckt ist. „Ich kann hier viel lernen.“

Ob er die 72 Meter aber schon am Freitagabend schafft, bleibt abzuwarten. Immerhin müssen die „Röhler-Übungen“ ja auch über einen längeren Zeitraum trainiert werden, ehe sie Wirkung zeigen können.

Freitag jedenfalls startet Soultoini bei den Vorwettkämpfen. Für eine Teilnahme im Elite-Feld am Samstag, wenn auch die anderen Hauptwettkämpfe des Festivals stattfinden, reicht seine persönliche Bestleistung noch nicht. Mit dem Speerwurf-Virus ist er aber auf jeden Fall – das ist schließlich das Ziel des Trainingslagers – infiziert.

„Im nächsten Jahr komme ich wieder und werden noch ein paar mehr Leute mitbringen“, verspricht er. In seiner Heimat wäre die Sportart gegenwärtig an Schulen sehr beliebt. „Mehr als 700 Nachwuchsathleten gibt es bei uns.“

Und vielleicht wird Ali Soultoini für die Talente jenes Vorbild, was Thomas Röhler heute für ihn ist. Dazu bedarf es natürlich noch einer Medaille bei den Inselspielen, an denen zum Beispiel auch die Sportler aus Madagaskar und den Seychellen teilnehmen. „Insgesamt sind es sieben Inseln“, erklärt Soultoini. „Die Wettbewerbe werden auf Mauritius ausgetragen. Ich sollte gute Chancen auf eine Medaille haben. Von allen Teilnehmern konnte ich in diesem Jahr am weitesten werfen.“

Der Rekord der Inselspiele liegt übrigens bei 76 Metern. Eine Marke, die sich der Mayottiner in der nahen Zukunft auch zutraut. Zumindest, wenn er regelmäßig zum Trainingslager an die Saale kommt.

Zeitplan

  • Freitag, 16.30 Uhr: Vorwettkämpfe
  • Samstag, 9.15 Uhr: Nachwuchs-Wettkämpfe sowie Frauen und Männer B; 12 bis 15 Uhr: Offener Ballwurf-Cup für Kinder bis zur U 16, 14.30 Uhr: U 20 m, 16 Uhr: Frauen A, 17.15 Uhr: Männer A
  • Mehr Informationen: www.jenjavelin.com
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