Als Thomas Müller auf dem Motorrad siegte

Schleiz.  Geschichten vom Schleizer Dreieck Ein Ausweisfahrer schockt 1986 mit den besten Rundenzeiten die erfahrene Konkurrenz.

1986 fuhr Thomas Müller als Ausweisfahrer im Rennen bis 50 ccm allen um die Ohren. (Archivfoto)

1986 fuhr Thomas Müller als Ausweisfahrer im Rennen bis 50 ccm allen um die Ohren. (Archivfoto)

Foto: Jan Müller

1986 sorgte ein Mann für Schlagzeilen: „Ein Ausweisfahrer schockt die Elite: Thomas Müller erneut Lizenzschreck“ titelte die Illustrierte Motorsport in ihrem Bericht vom 53. Schleizer Dreieck-Rennen. Als Sensation wurde die Siegesfahrt im Rennen bis 50 ccm vom Ausweispiloten Müller geadelt.

Damals nicht unüblich, fuhren die erfahrenen Lizenzfahrer zusammen mit den Nachwuchspiloten der Ausweisklasse. Gefahren wurde gemeinsam, gewertet wurde getrennt.

Bereits im Training nicht zu schlagen

Als ungewöhnlich kristallisierte sich die Begebenheit heraus, dass mit Thomas Müller ein Ausweispilot für die schnellste Trainingszeit im gesamten Feld sorgte. Ein absolutes Novum auf dem Dreieck. Satte neun Sekunden unterschied sich die Bestzeit zum Zweitplatzierten und schnellsten Lizenzfahrer Gunter Häffner.

Für Gerold Meißner, ein erfolgreicher Rennfahrer und ausgesprochener Spezialist für kleinhubrige Rennmaschinen, kam dieses Ergebnis nicht überraschend. „Thomas konnte auf ein exzellent vorbereitetes Motorrad von seinem Vater zurückgreifen. Der hatte sich in der Szene den Ruf als Edeltuner erarbeitet. Auf Basis von Motorrädern der Marke Kreidler verstand es Peter Müller, mit entsprechenden Modifikationen an den Leistungsteilen wie Auspuff, Kolben und Zylinder kleine Wunderwerke zu kreieren. Diese überlegene Maschine gepaart mit dem jugendlichen Draufgängertum ermöglichte ein solches Resultat.“

Müller noch dreimal DDR-Meister

Müllers Überlegenheit setzte sich auch während des Meisterschaftslaufes fort. Obwohl die Ausweispiloten eine Minute nach den Lizenzlern ins Rennen gingen, konnte Thomas Müller das Feld zügig ein- und fast komplett überholen. Lediglich vier Piloten blieb ein Überholvorgang erspart.

Mit neuem Runden- und Streckenrekord absolvierte Müller die 53 Kilometer über sieben Runden als Schnellster des gesamten Starterfeldes und brauchte dabei eine halbe Minute weniger als der Sieger der Lizenzklasse, der Tscheche Zbynek Havrda. Der war ebenfalls auf einer Kreidler unterwegs.

Müllers Modell wurde in der DDR als ein Eigenbau deklariert. „Wir waren chancenlos“, musste nicht nur Gerold Meißner anerkennen. „Da kam einiges zusammen. Das Motorrad war verdammt schnell und Thomas hatte das ideale Kampfgewicht. Wenn er seine Nerven zusammenhielt, war er ein unheimlich schneller Pilot.“

Thomas Müller wurde im weiteren Verlauf seiner Rennfahrerkarriere noch dreimal DDR-Meister.