Coronapause gefährdet den Vereinssport im Saale-Orla-Kreis

Pößneck/Moßbach/Neustadt/Schleiz/Bad Lobenstein.  Saale-Orlas-Fußballtrainer sehen neuerlichen Lockdown für den Amateursport skeptisch. Am Wochenende nochmals Spieltag

Bezeichnend hockt Moßbachs Jens Herzog beinahe flehend auf seinem Trainerstuhl. Am Sonntag stünde das Heimspiel gegen Blau-Weiß Neustadt an.

Bezeichnend hockt Moßbachs Jens Herzog beinahe flehend auf seinem Trainerstuhl. Am Sonntag stünde das Heimspiel gegen Blau-Weiß Neustadt an.

Foto: Jens Henning

Die Revanche in der Thüringenliga, das Saale-Orla-Derby zwischen Moßbach und Neustadt, ein weiteres Spitzenspiel in der Landesklasse zwischen Bad Lobenstein und Teichel sowie ein vielversprechendes Duell zwischen Pößneck und der zweiten Vertretung von Schott Jena: Fußballerischen Gesprächsstoff gebe es genug am kommenden Spieltagswochenende.

Doch im Fokus steht einmal mehr eine, für alle gesellschaftlichen Bereiche, unschöne Nachricht. Aufgrund steigender Covid-19-Infektionszahlen, ruht der Amateursport ab Montag und bis mindestens Anfang Dezember.

Wann, wo, wie die Spiele nachgeholt werden, ist derzeit unklar. Bis Redaktionsschluss gingen alle Beteiligten zumindest davon aus, dass der 7. Spieltag in der Landesklasse beziehungsweise der 9. Spieltag in der Verbandsliga gespielt werden können. Wie es anschließend weitergeht, bleibt abzuwarten.

Freude auf Derby getrübt

Dabei hatte sich Moßbachs Trainer Jens Herzog auf das Nachbarschaftsduell gegen den SV Blau-Weiß Neustadt gefreut – wenn auch erneut vor dezimierter Kulisse. „Aktuell steht zumindest die Ansetzung für Sonntag noch, allerdings kann sich dies ja stetig ändern.“

Beide Teams konnten vergangenes Wochenende im Landespokal die nächste Runde klarmachen – aktuell sicherlich ein Muster ohne Wert. Vom Blatt her haben die Neustädter die Favoritenrolle inne. Viele ehemalige Spieler, die ihre Ausbildung in der Nachwuchsabteilung der Blau-Weißen genießen konnten, stehen inzwischen auf beiden Seiten auf dem Feld.

Doch die Stimmung beim Mittwochstraining war nach Verkündung der neuerlichen Schutzmaßnahmen sehr geknickt, sagt der SVM-Trainer: „Wir sind enttäuscht und traurig. Es fehlt erneut ein großes Stück des sozialen und sportlichen Lebens. Selbst junge Spieler zieht das extrem runter.“

Junge Spieler sehr deprimiert

Der Verein nehme die Entscheidung hin, doch die Ungewissheit für die Zukunft sei enorm – sowohl sportlich, als auch finanziell. Und Herzog befürchtet einen weiteren Aspekt: „Durch dieses ständige Erliegen sehe ich das allgemeine Vereinsleben samt Ehrenamt als gefährdet.“

Medizinisch könne Johannes Liebmann die derzeitige Lage nicht einschätzen. „Ich bin allerdings der Meinung, dass der Amateursport die letzten Wochen eher ein großes Stück Normalität und Zuflucht für viele war. Natürlich bedeuten die Nachrichten jetzt wieder negative Signale für die Menschen“, sagt der Trainer des VfB Pößneck, der sich am Samstag mit einem Heimsieg gegen den Tabellenvorletzten Schott Jena II in die Zwangspause verabschieden möchte.

„Rein sportlich betrachtet stecken wir die Pause weg, unsere Jungs sind fit.“

Unverständnis im Nachwuchsbereich

Dass auch im Nachwuchsbereich kein Kleingruppentraining möglich sein soll, könne er überhaupt nicht verstehen. „Die Kinder sitzen zusammen in der Schule, doch am Nachmittag an der frischen Luft dürfen sie ihre Freunde nicht mehr sehen?“ Wie viele seiner Trainerkollegen befürchtet Liebmann, dass sich alles kurz- oder mittelfristig auf den Vereinssport und dessen soziale Strukturen auswirken werde.

Schleiz schielt auf Platz eins

„Einmal noch, dann ist erstmal Schluss“ – so heißt es auf der Homepage des FSV Schleiz hinsichtlich der Spitzenpartie im heimischen Fasanengarten gegen den Verbandsliga-Tabellenführer BSG Wismut Gera.

Bereits vor einer Woche gab es diese Begegnung, im Landespokal. Es gewannen die Gastgeber mit 3:1 vor zirka 50 Zuschauern, die auch diesmal das Maximum an Kulisse darstellen dürften.

SV-Trainer Roger Fritzsch setzt den Fokus auf das kommende Spiel, weniger auf die folgende Pause. „Für uns geht es darum, unsere Leistungsgrenze zu erreichen und über 90 Minuten auf den Rasen zu bringen. Nur wenn das gelingt, werden wir Paroli bieten können.“

Erster gegen Zweiten in der Landesklasse

Der erfahrene Coach rechnet diesmal mit einem Auflaufen von Geras Topangreifer Rico Heuschkel sowie Max Zerrener und Benjamin Keller in der Startformation. Falls die Rennstädter siegen und gleichzeitig Arnstadt bei Schott Jena nicht gewinnt, würden die Schwarz-Gelben den kompletten November die Tabellenspitze einnehmen.

Diesen Platz belegen aktuell die Bad Lobensteiner Fußballer in der Landesklasse. Zum letzten Heimauftritt vor dem Lockdown erwarten die Koseltaler mit der SG Traktor Teichel den direkten Verfolger.

Nicht wenige Verantwortliche im Verein vermuten, dass es das letzte Heimspiel des Jahres sein könnte. Insofern möchte der VfR das Duell der Dauerrivalen von Beginn an zielstrebig gestalten. Dem Gewinner winkt die Tabellenführung – für wie lange, das kann momentan keiner prophezeien.