Eine Bronzemedaille und ihre Geschichte

Greiz  Der RSV Rotation Greiz hat die EM-Plakette von Alin Alexuc ersteigert und wird sie dem Rumänen vor dem ersten Kampf zurückgeben

Martin Obst hatte  eine historische Kutsche mit nach Greiz gebracht. Der Mannschaftskapitän der Greizer Ringer sitzt in Berlin auch beruflich auf dem Kutschbock.Fotos (3) : Rainer Marsch

Martin Obst hatte  eine historische Kutsche mit nach Greiz gebracht. Der Mannschaftskapitän der Greizer Ringer sitzt in Berlin auch beruflich auf dem Kutschbock.Fotos (3) : Rainer Marsch

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Tino Hempel schaute auf den Bundesligakader für die neue Saison. Den Greizern war es gelungen, die Mannschaft zusammenzuhalten, vier Ringer als Verstärkung in den Problemgewichtsklassen des Vorjahres zu verpflichten. „Da hab ich mir ein Bierchen aufgemacht, war schon zufrieden und stolz und dachte bei mir: Da können wir den Kampf um Platz drei in unserer Gruppe aufnehmen.“

Vier neue Ringer im Greizer Aufgebot

Doch als er nach dem Ende der Wechselfrist las, was die anderen Bundesligavereine aufgefahren haben, da war dem Trainer klar: „Wir kämpfen nicht nur in der stärksten Vorrundengruppe, da ist kein Verein, der nicht bei Top-Ringern zugeschlagen hat.“

Doch die Greizer wollen sich treu bleiben, sie leisten sich nur, was sie sich leisten können. „Unsere Mannschaft ist kompakt stark“, sagt der Trainer. Es sei gelungen, die Schwachstellen aus dem Vorjahr zu beseitigen. „Wir haben jedes Limit doppelt besetzt, sind so auch nicht so leicht ausrechenbar.“

Rechnen müssen die Ringer dennoch, denn wie in der vergangenen Bundesligasaison wird jeder Ringer mit DRB-Punkten bewertet, je nach dem, woher der Athlet kommt, welche Erfolge er vorzuweisen hat. Zsolt Török aus Ungarn bringt sieben Punkte mit, der Georgier Zurab Matcharashvili und Igor Besleaga aus Moldawien stehen mit jeweils fünf Punkten in der Liste und insgesamt darf die aus zehn Sportlern bestehende Mannschaft auf maximal 28 Punkte kommen.

Um so teurer und begehrter – ob stark oder weniger stark – werden die deutschen Ringer gehandelt – und die eigene Nachwuchsförderung ist nicht mit Geld aufzuwerten. Konstantin Sommer, Ron Watzek oder Sebastian Wendel aus dem eigenen Verein werden mit „Minus zwei Punkten“ bewertet.

Mit nur einer Änderung beginnt die Ringer-Bundesliga am 28. September. Nach wie vor dürfen pro Bundesligakampf maximal vier Ausländer eingesetzt werden, doch es reichen fünf deutsche Ringer. Im Vorjahr waren sechs vorgeschrieben, was dazu führte, dass Pausa beim Vogtlandderby in Greiz den Kampf an der Waage zu Null verlor, weil ein deutscher Sportler mit seinem Kind auf der Toilette war und erst nach Wiegeschluss in der Halle erschien. „Jetzt kann man in der Not auch mal eine Gewichtsklasse unbesetzt lassen, die vier Punkte sind dann natürlich weg“, sagt Tino Hempel.

Gerade in den unteren Gewichtsklassen hatten die Greizer in der vergangenen Saison damit zu kämpfen, einen Sportler ins Protokoll zu bringen. Etwas überraschend taucht in der Greizer Aufstellung auch wieder der Russe German Doev auf, Kadetten-Weltmeister 2017. Der Greco-Spezialist war für das Limit bis 57 kg verpflichtet worden, schaffte aber das Gewicht nicht mehr. Für Doev, der im aktuellen Greizer Aufgebot für die Gewichtsklassen 61 kg und 66 kg geführt wird, kam der Georgier Zurab Matcharavili ins Team. Der 29-jährige Greco-Ringer kennt die Bundesliga, kämpfte im Vorjahr für den CWS Düren-Merken. Mit Sven Cammin (31/Luckenwalde) haben die Greizer einen Rückkehrer, der in der Aufstiegssaison im Team stand.

Ein gefühlter Neuling ist Mateusz Wolny, der die vergangene Saison verletzt ausfiel, nun aber wieder fit ist, Dritter der polnischen Meisterschaften wurde. Einen international erfahrenen Mann haben die Greizer mit Igor Besleaga (Moldawien/KSV Ispringen) verpflichtet. Der 2019 erfolgreichste Greizer Bundesligaringer ist aber Alin Alexuc. Der 130-kg-Athlet aus Rumänien erkämpfte wie 2018 auch in diesem Jahr EM-Bronze und diese Medaille hat eine ganz besondere Geschichte. „Alin hat die Medaille versteigert, weil er einem jungen Mann helfen wollte, der sich einer komplizierten und teuren Operation unterziehen musste“, sagt RSV-Präsident Thomas Fähndrich. „Wir als Verein haben seine EM-Medaille ersteigert, weil auch wir helfen wollten. Und vor dem ersten Bundesligakampf gegen Aue werden wir Alin die Plakette in würdiger Form zurückgeben.“

Ja, der Kampf gegen den FC Erzgebirge am 28. September, der ist schon ein Thema. Die ­Auer haben sich verstärkt, zum Beispiel mit dem Russen Said Gazimagomedov, der im Vorjahr in Pausa begeisterte.

„An Meister Burghausen und Vizemeister Heilbronn reicht wohl keiner heran“, sagt Tino Hempel, der für den RSV Rotation aber durchaus die Chance sieht, nach Platz vier im Vorjahr, auf den Rängen drei bis fünf im Zehnerfeld zu landen. „Wir wollen wieder als Einheit auftreten. Jeder kämpft für den anderen. Wir wollen unseren Anhängern tolle Kämpfe zeigen. Wer einmal in der Halle war, der soll wieder kommen, weil es Ringen vom Feinsten gibt – auch weil die Gegner mit internationalen Top-Ringern anreisen und wir dagegen halten werden.“

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