Ex-Schwimmer Christian Kubusch: „Peking kam zu früh für mich“

Magdeburg.  Unsere Olympioniken: Der gebürtige Geraer Christian Kubusch hat mit dem Schwimmen weitgehend abgeschlossen.

In Gera geboren, qualifiziert sich der Wahl-Magdeburger Christian Kubusch 2008 für Olympia in Peking.

In Gera geboren, qualifiziert sich der Wahl-Magdeburger Christian Kubusch 2008 für Olympia in Peking.

Foto: Jens Lohse / OTZ

„Ich wollte lange mit dem Wasser nichts mehr zu tun haben. Nach meinem diagnostizierten Burnout war ich froh, weg zu sein.

Wenn ich die Ergebnisse der deutschen Schwimmer bei den Olympischen Spielen 2012 und 2016 verfolgt habe und sah, wie die Sportler zu Spielbällen der Funktionäre wurden, dann war mein Rücktritt die richtige Entscheidung“, blickt Christian Kubusch zurück. Der 32-jährige gebürtige Geraer hatte in seiner Heimatstadt mit dem Schwimmen begonnen.

„Bei Herrn Dietrich habe ich angefangen und bin in der vierten Klasse 1999 nach Erfurt gewechselt. Dort bin ich noch fünf Jahre für Gera geschwommen, ehe es weiter nach Magdeburg ging“, erinnert sich Christian Kubusch.

Nach seinem deutschen Jahrgangsmeistertitel 2004 in Leipzig über 1500 Meter Freistil wurde er vom Verein in der Bördestadt eingeladen. „Ich habe mir alles angeschaut und den Schritt gewagt, weil ich dort die größere Perspektive gesehen habe. Im Gegensatz zu Erfurt war Magdeburg Bundesstützpunkt“, weiß er noch genau.

Bereits als 20-Jähriger auf der großen Bühne

In Magdeburg nahm Christian Kubusch eine rasante Entwicklung. 2008 wurde er Deutscher Meister über 800 und 1500 Meter und qualifizierte sich für die Olympischen Spiele im selben Jahr in Chinas Hauptstadt Peking.

„Für mich kam Olympia ein, zwei Jahre zu früh. Ich war von der Atmosphäre vor Ort wie erschlagen, kam als 20-Jähriger mit dem ganzen Rundherum nicht zurecht. Dadurch konnte ich mich nicht auf meine Wettkämpfe konzentrieren. Ich war nicht abgebrüht genug“, erklärt der heutige Lehrer das vorzeitige Ausscheiden über 400 Meter Freistil (29./3:52,73 min) und mit der viermal 200-Meter-Freistilstaffel gemeinsam mit Paul Biedermann, Benjamin Starke und Stefan Herbst (12./7:13,92 min). Über 1500 Meter Freistil war er wegen eines Magen-Darm-Infekts zum Vorlauf gar nicht erst angetreten.

„Das Abschneiden des deutschen Schwimmverbands wurde damals von den Goldmedaillen von Britta Steffen geschönt. Alle anderen schwammen unter ferner liefen, was auch am Qualifikationsmodus lag. Wir haben uns quasi auf die Vorbereitung vorbereitet, mussten bei den Deutschen Meisterschaften in Bestform sein, um die Olympia-Normen zu schaffen und Staffelplätze auszuschwimmen“, hat Kubusch nicht vergessen.

Ex-Schwimmer übt Kritik am DSV

Die Woche vor Peking war er noch gut drauf, ehe die Form von Tag zu Tag nachließ. „Der DSV ist schon immer in unruhigem Fahrwasser. Die Strukturen sind sehr starr und preußisch. Man bewegt sich sehr langsam“, so der Wahl-Magdeburger, der zwei Jahre später den Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn erlebte.

In Budapest holte er sich bei der Europameisterschaft 2010 über 800 Meter hinter dem Franzosen Sebastien Rouault in 7:49,12 min mit deutschem Rekord die Silbermedaille. „Ich wurde in Erfurt eigentlich als Rückenschwimmer ausgebildet. 1500 Meter Freistil waren mir zu lang. Da lagen mir die 800 Meter Freistil schon mehr. Aber die wurden erst 2016 olympisch. Da hatte ich schon aufgehört“, verrät er.

Lange hielt seine nationale Bestmarke. Erst knapp neun Jahre später im April 2019 war Florian Wellbrock vom SC Magdeburg bei einem Meeting in Stockholm in 7;43,03 min schneller.

2011 konnte Christian Kubusch nicht mehr an seine Leistungen vom Jahr zuvor anknüpfen. Bei der WM in Shanghai verpasste er über 800 und 1500 Meter den Endlauf jeweils deutlich.

„Wir hatten uns mit einem Höhentrainingslager in der Sierra Nevada genauso vorbereitet wie 2010, aber den Zeitunterschied nicht beachtet“, so Christian Kubusch, den außerdem verbandsinterne Querelen beeinflussten.

„Ich bin mit offenen Antennen durch die Gegend gelaufen, habe zu viel auf andere gehört. Heute würde ich vieles anders machen. Damals war ich noch zu naiv“, erklärt er.

Kubusch: „Schwimmer sind Fachidioten“

2012 trennte er sich von Trainer Bernd Henneberg, wechselte nach Potsdam zu Jörg Hoffmann, ehe ihn ein Burnout nach zwei Bandscheibenvorfällen bereits mit 24 Jahren seine leistungssportliche Laufbahn beenden ließ. Mit dem Sport wollte er nichts mehr zu tun haben, studierte Geschichte und Geografie auf Lehramt und arbeitet derzeit als Pädagoge an der Ecole Pierre Trudeau in Barleben.

„Sportlehrer wollte ich nicht werden, denn Schwimmer sind Fachidioten. Die können nur schwimmen“, erklärte er seine Wahl. „Das Studium hat mir gut getan. Ich habe mich selbst besser kennengelernt, hatte gute Dozenten“, sagt Christian Kubusch rückblickend.

Auch privat hat er sein Glück gefunden, ist mittlerweile dreifacher Vater von gerade eingeschulten Zwillingssöhnen und einer zweieinhalbjährigen Tochter.

Kein Sportgymnasium für die Kinder

Den Kontakt nach Gera hält er über Mutter Elke aufrecht. Auch das Schwimmen in seiner Geburtsstadt verfolgt er aus der Ferne, hat aber nach dem Weggang von Günter Wagner und Jana Kiefner vom hiesigen Schwimmverein – zu beiden hält er noch Kontakt – seine Bedenken über die Zukunft. „Dabei hat Gera mit dem 50-Meter-Becken sehr gute Voraussetzungen. Schade, dass man diese nicht besser nutzt“, so Christian Kubusch.

Für seine Kinder hat er schon jetzt beschlossen: „Sie werden niemals an ein Sportgymnasium gehen. Das ist wie ein Haifischbecken. Sie sollen ihre Kindheit – gern auch mit Sport – genießen.“