FC Carl Zeiss Jena auf neutralem Platz: Darum sieht der DFB keinen Wettbewerbsnachteil

Jena.  Wir haben beim Deutschen Fußball-Bund wegen der Fortsetzung der dritten Liga nachgehakt. Hier dokumentieren wir die spannenden Antworten.

In der dritten Liga verschärft sich der Zeitdruck. Wann der FC Carl Zeiss Jena wieder Mannschaftstraining in Jena absolvieren kann, bleibt fraglich. Wenn der Verein in ein anderes Bundesland ausweichen muss, dann komplett auf eigene Kosten, teilt der Deutsche Fußball-Bund mit. Wir hatten einen Fragenkatalog an den Verband geschickt – und dokumentieren hier die interessanten Antworten.

Wie wird jenen Mannschaften die Möglichkeit von Mannschaftstraining gewährt, die aufgrund behördlicher Verfügungslagen kein Training austragen dürfen?

„Jeder Klub ist in der Pflicht, eigenständig Optionen zu prüfen. Der DFB unterstützt hierbei, soweit von den Klubs gewünscht und zugelassen“, antwortet der Deutsche Fußball-Bund.

Bleibt es bei der Maßgabe, dass jede Mannschaft zwei Wochen Mannschaftstraining absolviert haben darf vor dem Neustart?

Der DFB beantwortet die Frage wie folgt: „Hierzu gab es nie und gibt es weiterhin keine feste Regelung von 14 Tagen. Es handelt sich vielmehr um eine möglichst gewünschte Maßgabe. Der genannte Zeitraum hängt aber voraussichtlich von den einzelnen Standorten und auch den Eigeninitiativen der Klubs ab.“

Wer organisiert und zahlt für Ausweichspielstätten?

Wer organisiert und zahlt die Ausweichspielstätten, falls keine Spiele im heimischen Stadion möglich sind?

Die Meldung einer verfügbaren Spielstätte sei Aufgabe des Heimvereins, so der DFB. „Sofern das heimische Stadion nicht zur Verfügung steht, müsste ein Klub auf eigene Kosten ausweichen. Diese Regelung gilt im organisierten Spielbetrieb grundsätzlich – unabhängig von der Corona-Krise.“

Wie schätzt der DFB den Wettbewerbsnachteil durch die Austragung außerhalb der Heimstadien ein?

„Wir hoffen, dass dieser Fall nicht zum Tragen kommt. Grundsätzlich wäre der Heimvorteil aufgrund der Spiele ohne Zuschauer sicherlich nicht mehr ganz so relevant wie im normalen Spielbetrieb“, schreibt ein DFB-Sprecher und verweist auf den KFC Uerdingen, der in der aktuellen und vergangenen Saison ebenfalls ein Ausweichstadion nutzen musste. Zum Thema Heimvorteil und Wettbewerbsnachteil weist der DFB ergänzend auf folgende Fakten hin: Nur 38 Prozent der Spiele in der Hinrunde (73 von 190) endeten mit einem Heimsieg, noch nie war der Wert in der dritten Liga geringer. Höher als je zuvor ist die Quote der Auswärtserfolge (34 Prozent).

Wie will der DFB den Wettbewerbsnachteil kompensieren?

Durch unterschiedliche Verfügungslagen in den unterschiedlichen Bundesländern ist der Trainingsstand der Teams unterschiedlich: Wie will der DFB den Wettbewerbsnachteil jener Mannschaften kompensieren, die nicht gemeinsam trainieren dürfen?

„Dies ist nicht die Situation die wir uns wünschen. Durch die aktuelle Situation der Corona-Pandemie lassen sich allerdings leider die sonst üblichen Grundsätze nicht mehr vollständig aufrecht erhalten“, schreibt der DFB-Sprecher. Zudem seien Gesamt- und Einzelinteressen abzuwägen. „Fakt ist, dass die deutliche Mehrheit aktuell die Weichen für eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs gestellt haben. Da wir uns in einer Profispielklasse bewegen, gehen wir zudem davon aus, dass die sportlichen Leitungen mit jedem einzelnen Spieler in Kontakt stehen und entsprechende individuelle Trainingsprogramme zur Verfügung gestellt haben“, antwortet der DFB. Bei der Abstimmung hatten sich zehn Vereine für eine Saisonfortsetzung ausgesprochen, acht dagegen gestimmt. Zwei Vereine enthielten sich – allerdings fand diese Erhebung schon am 27. April statt.

Wieviel Geld verdient der DFB mit der dritten Liga?

Welche Summe erwirtschaftet der DFB als Verband durch die dritte Liga? Aus welchen Bausteinen setzen sich diese Einnahmen zusammen?

Der DFB erwirtschafte durch die dritte Liga keinerlei Überschüsse, schreibt der Verband. Die erzielten Einnahmen aus der Zentralvermarktung der dritten Liga werden an die 20 Klubs ausgeschüttet, dies sind inklusive der DFB-Zuschüsse unter anderem aus dem Nachwuchsfördertopf rund 1,2 Millionen jährlich pro Verein. „Die dritte Liga wird beim DFB im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb geführt und darf dort keine Verluste verursachen. Insbesondere durch die Spielabgaben und die Zulassungsgebühr erzielt der DFB in diesem Bereich Einnahmen“, schreibt der DFB-Sprecher. „Die Spielabgaben an den DFB sind im Falle von Geisterspielen in dieser Saison ausgesetzt, die eigentlich statuarisch vorgesehene Mindestabgabe für die Vereine an den DFB entfällt.“

Welche Regressforderungen drohen?

Wie hoch ist die Summe der möglichen Regressforderungen seitens der TV-Anbieter und zentral eingeworbenen Sponsoren?

Aktuell gehe es nicht um Regressansprüche, sondern darum, ob die dritte Liga, also DFB und Vereine, ihre Leistungen für die laufende Saison erfüllen könnten. „Wenn dies durch einen Saisonabbruch verhindert wird, ist damit zu rechnen, dass anteilig auch die Leistungen von TV und Sponsoren nicht gezahlt werden“, so der DFB-Sprecher. „Ein darüber hinaus gehendes Regressrisiko würde dann entstehen, wenn die Saison freiwillig, also nicht durch die politische Verfügungslage erzwungen, abgebrochen würde. Denn die grundsätzliche Verpflichtung des DFB ist statuarisch, Spielbetrieb anzubieten – und die Verpflichtung der Vereine ist es, am angebotenen Spielbetrieb teilzunehmen.“ So regle es der Zulassungsvertrag zur dritten Liga. „Die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Saisonabbruchs auf die Folgesaison wären ebenfalls nicht abzusehen“, schreibt der Sprecher.