Corona-Verordnung: Fußballer des FC Carl Zeiss Jena in Heimarbeit geschickt

Jena.  Regionalligist FC Carl Zeiss Jena hofft auf eine Veränderung der Thüringer Corona-Verordnung, damit die Spieler weiter im Mannschaftsgefüge trainieren dürfen.

Das Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena ist durch die Betreibergesellschaft gesperrt.

Das Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena ist durch die Betreibergesellschaft gesperrt.

Foto: Tino Zippel

Die Stimmung im Ernst-Abbe-Sportfeld erinnert an Aschermittwoch: Nach zwei Niederlagen am Stück verlassen die Spieler am Montag das Stadion. Im Gepäck liegt die Ungewissheit, wie es angesichts des Corona-Lockdowns weitergeht. Formal ist in Thüringen Regionalliga-Mannschaften das Training verboten. Doch noch hoffen die Jenaer darauf, dass die Landesregierung die Regelung anpasst. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

„Wir möchten zumindest den Trainingsbetrieb aufrecht erhalten“, sagt Geschäftsführer Chris Förster. Doch nach der aktuellen Verordnungslage darf die erste Mannschaft, obwohl sie überwiegend aus Profispielern besteht, nicht gemeinsam trainieren. Die in Thüringen gültige Landesverordnung erlaubt nur Ausnahmen für Mannschaften, die in den höchsten drei Ligen spielen. Förster fürchtet wieder einen Flickenteppich, da andere Bundesländer leicht abweichende Verordnungen erlassen haben.

In Berlin und Brandenburg dürfen Regionalligisten trainieren

Demnach dürfen in Berlin beispielsweise Berufssportler weiterhin trainieren, also solche, die ihr Einkommen hauptsächlich aus dem Sport bestreiten. Gleiches gilt in Brandenburg, also beispielsweise für Energie Cottbus. Mit dem Argument, dass vor allem Berufsfußballer auflaufen, darf die Regionalliga West ihren Spielbetrieb im November fortsetzen, während die Regionalliga Nordost mit Verweis auf die Verordnungen aussetzt.

Am Mittwoch kommen die Vereine aus dem Nordosten in einer Videokonferenz zusammen. Hier wollen sie mit dem Verband besprechen, wie es in den nächsten Wochen weitergeht und wie eine Ungleichbehandlung verhindert werden kann. Selbst wenn im Dezember wieder Spielbetrieb möglich ist, müsse genügend Zeit zur Vorbereitung sein, sagt Förster. Mehr als drei Spiele wären 2020 unter dieser Voraussetzung nicht mehr zu schaffen.

So plant Kunert das Training in Heimarbeit

Vorerst haben die Jenaer ihre Fußballer zur Heimarbeit verdonnert. Cheftrainer Dirk Kunert reichte Trainingspläne aus, gab allen einen Fußball mit nach Hause. „Da können sie wenigstens ein bisschen jonglieren und das Gefühl für den Ball behalten“, sagt Kunert. Das Trainerteam lädt die Spieler zu Videokonferenzen, um die Anleitung für Kraftkreise zu geben. Zudem hat jeder sein Laufprogramm vorgegeben. „Alle stehen auf Abruf, dass das Mannschaftstraining im Fall des Falles schnell wieder starten kann“, sagt Kunert, der seine Enttäuschung ob der jüngsten sportlichen Leistungen nicht verbergen mag.

„Sicherlich kann man ein Spiel gegen Altglienicke verlieren. Aber eine Niederlage gegen Energie Cottbus darf nicht passieren“, sagt Kunert und bemängelt, dass seine Mannschaft „zweimal die Anfangsphase verschlafen hat“. Die Ausgangslage, die mit zwölf Punkten enteilte Viktoria Berlin noch abzufangen, hat sich damit deutlich verschlechtert. Zumal nun für längere Zeit keine Möglichkeit besteht, sich ein Erfolgserlebnis zu verschaffen.

Kurzarbeit als Option

Sollte die Thüringer Landesregierung die Verordnung nicht anpassen und der Trainingsbetrieb ruhen, erwägt Geschäftsführer Förster, wie im Frühjahr Kurzarbeit für die Fußballprofis anzumelden. Dies würde die Spielbetriebsgesellschaft finanziell entlasten, zumal gerade keinerlei Zuschauereinnahmen zu verzeichnen sind.

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