Trainer des FC Carl Zeiss Jena: „Das ist für uns blöd gelaufen“

Jena.  Nach dem Frühstart der Winterpause haben wir mit FCC-Cheftrainer Dirk Kunert über die Kurzarbeit, die Aussichten in der Liga und mögliche Playoffs gesprochen.

Dirk Kunert auf dem Trainingsplatz.

Dirk Kunert auf dem Trainingsplatz.

Foto: Tino Zippel

Nach der Entscheidung vom Freitagabend steht fest, dass der FC Carl Zeiss Jena in diesem Jahr kein Spiel mehr absolviert. Der Klub führt die Drei-Tage-Woche ein. Wir haben mit Cheftrainer Dirk Kunert gesprochen, was er die nächsten Wochen plant und wie über den weiteren Fortgang der Regionalliga-Saison denkt.

Wie schätzen Sie die Entscheidung des Nordostdeutschen Fußball­verbandes ein, jetzt in die Winterpause zu gehen?

Das war keine große Überraschung. Es ist eine normale Entscheidung angesichts der Corona-Pandemie und der steigenden Zahl von Toten. Klar sind wir Sportler, wollen immer spielen. Wir müssen aber auch bedenken, dass wir in der Regionalliga nicht regelmäßig getestet werden. Bei einem Spiel kommen mehr 30 Haushalte verschiedener Regionen zusammen. Das wäre schon ein Risiko bei den aktuell sehr hohen Fallzahlen.

Anteil von Kurzarbeit wird erhöht

Der FC Carl Zeiss Jena erhöht den Anteil der Kurzarbeit im Dezember auf 50 Prozent. Wie gestalten Sie den Trainingsbetrieb?

Wir trainieren von Dienstag bis Donnerstag fünf Einheiten im Mannschaftstraining. Dann schicken wir die Spieler nach Hause. In Eigenregie absolvieren sie am Sonntag noch einen Lauf. Diese Lösung haben wir mit dem Mannschaftsrat besprochen, damit wir nicht via Videokonferenz trainieren müssen und wenigstens ein bisschen Alltag mit Mannschafts­training haben.

Bis wann planen Sie dieses Programm?

Bis Weihnachten wollen wir so vorgehen mit insgesamt sechs Einheiten pro Woche.

Reicht das Programm aus, um die Form zu halten?

Wir werden im Januar möglicherweise keine große Vorbereitung haben. Gerade in der Corona-Zeit haben wir uns körperlich einiges angeeignet. Ich hoffe, die Fitness wird über den Dezember nicht so stark abfallen.

Wie halten Sie die Motivation im Training hoch?

Das ist nicht so leicht. Zumindest haben wir nun Gewissheit, dass es in diesem Jahr kein Spiel mehr gibt. Alle sehen ein, dass es ganz schnell wieder losgehen kann, und deshalb ein Grundprogramm notwendig ist. Letztlich trainiert jeder auch für seine persönliche Form. Aber ohne Frage ist es schwierig, sich auf etwas Ungewisses vorzubereiten. Wir wissen ja noch nicht einmal, wer unser nächster Gegner sein wird.

„Das ist für uns blöd gelaufen“

Schwirren die beiden verlorenen Spiele vor dem Lockdown noch immer in den Köpfen herum?

Das ist für uns blöd gelaufen. Wir hatten über einen längeren Zeitraum alle Spiele gewonnen und uns dann binnen vier Tagen zwei Niederlagen eingehandelt. Einmal haben wir gegen einen guten Gegner verloren, einmal eine Halbzeit verpennt. Wir hätten am liebsten gleich wieder gespielt, um das vergessen zu machen. Zumal Spiele gegen Teams aus dem unteren Drittel angestanden hätten.

Ist die Saison nach dem Start im Januar noch zu schaffen?

Aus meiner Sicht ist nicht einmal sicher, ob wir im Januar starten. Zum einen muss die Witterung passen, dass die Plätze bespielbar sind, zum anderen können auch während der Serie noch Teams wegen Corona-Fällen pausieren müssen. Auf uns warten inklusive Pokal noch 30 Spiele – das wird ein hartes Programm mit mindestens acht englischen Wochen.

„Nicht gewohnt wie Nationalspieler des FC Bayern München“

Wie ist das zu stemmen?

Unser Vorteil ist, dass wir eine gute Breite im Kader haben und im Gegensatz zu anderen Mannschaft auch alle Fußballer als Profis beschäftigen. Aber trotzdem sind unsere Spieler den ständigen Rhythmus mit englischen Wochen nicht gewohnt wie Nationalspieler des FC Bayern München. Selbst bei denen sieht man inzwischen, dass sie wegen der hohen Belastung auf der Felge laufen.

Sehen Sie noch eine Chance, sich in der Tabelle nach vorn zu arbeiten?

Aus meiner Sicht wird mit dem Neustart neu gewürfelt. Wir hatten uns viele gute Sachen erarbeitet, ungeachtet der beiden Niederlagen. Es ist alles möglich: Spitzenteams können schwach starten, andere Aufwind bekommen. Hinzu kommt das nötige Glück, von Verletzungen verschont zu bleiben und so stets in optimaler Aufstellung agieren zu können.

„Das muss man ehrlich in Betracht ziehen“

Der NOFV gründet einen Arbeitskreis, der alternative Lösungen für eine Saisonwertung erarbeiten soll. Wären Playoffs eine Variante?

Das muss man ehrlich in Betracht ziehen. Viktoria Berlin kann nicht nach elf Spielen als Aufsteiger benannt werden, wenn noch 27 Partien ausstehen. Wenn man die Saison nicht durchziehen kann, muss man eine Lösung finden. Bei Playoffs werden auch die bislang erreichten Resultate berücksichtigt. Der Erste hat mit dem Achten einen leichteren Auftaktgegner in einer möglichen K.o.-Runde. Der NOFV ist gut beraten, schon jetzt über Alternativen nachzudenken.