FC Carl Zeiss Jena: Warum die erste Kündigung Heiko Nowak trifft

Jena.  Wie der FC Carl Zeiss Jena auf die Vorwürfe reagiert: Der Leiter des Nachwuchsleistungszentrum stolpert über ein unabgesprochenes Schreiben an die Eltern.

Heiko Nowak auf einer Mitgliederversammlung des FC Carl Zeiss Jena in der Mensa an der Carl-Zeiss-Promenade.

Heiko Nowak auf einer Mitgliederversammlung des FC Carl Zeiss Jena in der Mensa an der Carl-Zeiss-Promenade.

Foto: Tino Zippel

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Die ersten Konsequenzen nach den schweren Vorwürfen gegen den Cheftrainer des FC Carl Zeiss Jena, Kenny Verhoene, überraschen. Doch auf den zweiten Blick erschließt sich schnell, warum der Fußball-Drittligist als erstes die fristlose Kündigung eines anderen Mitarbeiters publik macht.

Vorwürfe trotz intern geplanter Aussprache herausgegeben

Was war passiert? Zwei Eltern werfen dem Trainerduo Kenny Verhoene und Jens Förster verschiedene Verfehlungen vor. Genannt sind die Übernachtung ihrer Kinder in einem Raum ohne Fenster im Rahmen eines Trainingslagers, seltsame Ernähungsempfehlungen und die Anforderung von Bauch-Fotos durch den Co-Trainer, um damit die körperliche Entwicklung zu dokumentieren. Gespräche zu den ersten Vorwürfen gab es Ende Februar, dabei wird vereinbart, diese am 3. März detailliert zu erörtern.

Doch zwischenzeitlich geht ohne Wissen des Präsidiums ein Schreiben auf Vereinspapier raus, das alle Vorwürfe unreflektiert weiterträgt. Unterschrieben haben der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, Heiko Nowak, und Stefan Treitl, Leiter Individualisierung und Spielerentwicklung, der zugleich im Aufsichtsrat des Vereins sitzt.

Verein spricht von Vertrauensbruch

Aus diesem Grund kündigte der FC Carl Zeiss Jena den Vertrag mit Nowak fristlos. Er habe gemeinsam mit Treitl die Vorwürfe ohne Einbeziehung der Gremien und vor deren hinreichender Klärung im Namen des Vereins an die Elternschaft der U19 öffentlich gemacht. Das sei ein nicht zu tolerierender Vertrauensbruch, „der dem gesamten FC Carl Zeiss Jena und dessen Nachwuchsleistungszentrum, in dem eine Vielzahl engagierter und hoch qualifizierter Kolleginnen und Kollegen sehr gute und wertvolle Arbeit leisten, massiv geschadet“ habe, heißt es in einer Erklärung des Drittligisten. Wegen der fristlosen Kündigung war Eile geboten.

Nowak hatte seinen Drei-Jahres-Vertrag im März 2018 unterschrieben und Hans-Jürgen Backhaus abgelöst, der in Ruhestand ging. Zuvor stand der Fußballlehrer als Nachwuchsleiter beim Chemnitzer FC unter Vertrag und hatte über mehrere Jahre die U19-Junioren des FC Rot-Weiß Erfurt trainiert. Den Schwerpunkt seiner künftigen Tätigkeit hatte der gebürtige Hoyerswerdaer auf die Entwicklung junger Fußballer zu starken Persönlichkeiten gelegt – doch nun muss er vorzeitig gehen. Es ist zu erwarten, dass er sich gerichtlich gegen die Kündigung wehrt. Am Montag hatte Nowak auf Anfrage unserer Zeitung geschwiegen.

Treitl: Minijob und Mandat ruhen

Treitl hatte bereits am Wochenende erklärt, seine Aufgaben im Nachwuchsleistungszentrum ruhen zu lassen. Diese übt der Lehrer des Sportgymnasiums auf Basis eines Minijobs beim Verein aus. Zudem lässt er sein Mandat im Aufsichtsrat ruhen.

Die Vorwürfe gegen das Trainerteam der A-Junioren-Mannschaft sind mit den personellen Konsequenzen nicht vom Tisch. Der Klub teilte mit, dass er diese sehr ernst nehme. Eine „gründliche und vorurteilsfreie“ Aufarbeitung habe begonnen, in die auch externe Fachleute einbezogen werden. Noch in dieser Woche sollen die Eltern und Spieler zu Wort kommen, um anschließend über Konsequenzen zu befinden.

Zeitpunkt der Vorwürfe überrascht

Bei einer ersten Aussprache hat sich ein Teil der Vorwürfe relativiert dargestellt. Erstaunlich ist der Zeitpunkt, als diese hochkamen: Just in dem Moment, als Kenny Verhoenes Aufstieg zum Cheftrainer der ersten Mannschaft anstand, um an der Seite von Teamchef René Klingbeil die Saison zu beenden. Das kritisierte Trainingslager hatte aber bereits im Sommer 2019 stattgefunden.

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