FSV-Stürmer Gerisch: „Joggen ist nicht so meins“

Schleiz.  Der Schleizer Topangreifer Frank Gerisch bezweifelt, dass 2020 nochmals Fußball gespielt wird.

Die Netze sind hochgeklappt, die Mundwinkel hängen eher nach unten bei Frank Gerisch (links) und Co-Trainer Dirk Ludwig im Schleizer Fasanengarten.

Die Netze sind hochgeklappt, die Mundwinkel hängen eher nach unten bei Frank Gerisch (links) und Co-Trainer Dirk Ludwig im Schleizer Fasanengarten.

Foto: Benjamin Schmutzler

Gut gelaunt erscheinen Frank Gerisch und Co-Trainer Dirk Ludwig zum Gespräch im verwaisten Schleizer Fasanengarten. Doch ist es wohl eher gute Miene zum bösen Spiel – oder besser gesagt: zu gar keinem Spiel. Denn der Ball ruht in Thüringens Fußballligen, die derzeitigen Corona-Einschränkungen lassen im Erwachsenenbereich weder Punktspiele noch Trainingseinheiten zu.

Bitter für alle Teams, auch für den FSV Schleiz. Vom Verzicht von Blau-Weiß Neustadt profitierend, wirbelte der Aufsteiger die ersten Spiele ordentlich mit in der Verbandsliga.

Sechs Siege aus neun Spielen, mit derzeit 19 Punkten auf dem dritten Tabellenplatz und dazu der Einzug in die dritte Runde des Landespokals: Mit so einem Einstand in Thüringens höchster Spielklasse hat Gerisch nicht gerechnet: „Unser Ziel als Neuling ist der Nichtabstieg. Wir sind ein Stück weit erschrocken, dass wir gegen manche Teams so dominieren konnten. Das Niveau der Liga ist bisher nicht so hoch, wie wir befürchtet haben. Aber das kann sich ändern, zumal wir noch einige Topteams zu spielen haben.“

Systemumstellung mit Erfolg

Der 34-jährige Angreifer hat einen großen Anteil am bisherigen Saisonverlauf. 13 Tore und sieben Vorlagen stehen zu Buche, das Zusammenspiel mit Sturmpartner Albert Pohl ist ligaweit einmalig. „In der Landesliga stehen die meisten Teams höher, das spielt unserem System in die Karten. Wir spielen sehr aggressiven Fußball, auf Pressing ausgelegt. Das Konzept mit mehreren Stürmern geht bisher gut auf, auch was mein Spiel betrifft.“

Ganz so rosarot sieht es Roger Fritzsch nicht. Der Schleizer Cheftrainer konnte nicht persönlich an der Runde teilnehmen. Als Erzieher in Plauen muss Fritzsch nach einem Coronafall an der Schule, in der er arbeitet, vorsorglich bis Dienstag in häusliche Quarantäne. Ungewohnt für den Fußballenthusiasten – wenngleich er in Sachen Mannschaftstraining momentan ohnehin nichts ausrichten kann.

Doch er kennt seine Jungs und die Schnelllebigkeit im Fußballgeschäft: „Wir stehen aufgrund der Punktzahl ganz gut da. Dennoch sollten wir viele Dinge kritisch betrachten. Wenn man zu Hause in einem Punktspiel 3:6 verliert, egal gegen wen, dann kann man nicht von einer tollen Saison sprechen.“

Fritzsch spricht von der Ligapleite gegen Wismut Gera, das letzte Pflichtspiel vor dem neuerlichen Stopp im Amateurbereich. Der 48-Jährige sieht sein Team zudem in der Bringschuld: „Wir wollten unbedingt in dieser Liga spielen, wurden von mancher Seite dafür ein bisschen belächelt. Nun müssen wir Woche für Woche nachweisen, dass wir uns das alles verdient haben.“

Dass dieser Nachweis derzeit nicht erbracht werden kann, macht den Trainer sauer: „Alle Vereine haben ihr Bestmögliches getan, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Ich denke, das wurde von den Entscheidungsträgern weder begutachtet noch honoriert. Ansonsten hätten sie den Spielbetrieb nicht eingestellt.“

Bisher keine Corona-Fälle beim FSV

Bereits im Sommer haderte Roger Fritzsch mit der Entscheidung des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV), die Vorsaison zu beenden und über die Quotientenregelung zu werten – auch wenn am Ende der erstmalige Aufstieg des FSV in die Verbandsliga stand.

Frank Gerisch ist der Hygieneschutzbeauftragte bei den Schleizern, hat in den letzten Monaten diverse Konzepte für die Durchführung von Spielen und Trainingseinheiten erstellt.

„Bisher ist die Pandemie zum Glück an uns vorbeigegangen, ohne einen Fall im Verein. Wir tragen die kommunalpolitischen Entscheidungen alle mit – auch die des TFV. Doch ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass nach dem neuerlichen Lockdown hier im Dezember noch Fußball gespielt wird“, sagt der Schleizer. In den Wintermonaten seien Spiele auf dem Rasen im Fasanengarten ohnehin äußerst schwer zu realisieren.

Spiele ohne Zuschauer sind hart

Und dann sind da noch die Fans, die ihre Schwarz-Gelben traditionell lautstark unterstützen, dies aber bisher nur dezimiert durften. Vor allem gegen Wismut Gera wäre unter normalen Bedingungen zweimal ein Fußballfest mit Hunderten Anhängern auf beiden Seiten möglich gewesen. Nicht einfach für fußballbegeisterte Menschen wie Roger Fritzsch oder Frank Gerisch. Letzteren ziehe die momentane Situation besonders runter: „Dieser Wechsel von Saisonabbruch, Vorfreude im Sommer und dann wieder eine Pause auf unvorhersehbare Zeit ist für mich sehr hart. Das Training fehlt, das soziale Miteinander im Team als Ausgleich zur Arbeit.“

Halt gibt dem zweifachen Vater seine Familie, einen speziellen Fitnessplan für die fußballlose Zeit gibt es vom Trainer nicht. Er vertraut auf die Eigenmotivation eines jeden. „Einige der Jungs gehen laufen. Doch joggen ist nicht so meins, da fehlt mir die Geselligkeit“, sagt Frank Gerisch, der nicht weiß, wie lange er seine aktuelle Form konservieren kann.

Nachwuchs darf wieder trainieren

Falls der Punktspielbetrieb die nächsten Wochen nicht fortgeführt werden kann, wäre für Roger Fritzsch eine Teilung der Liga in zwei Staffeln denkbar. „Die ersten Neun spielen die Meisterschaft aus, die anderen gegen den Abstieg. So könnte man Spieltage sparen.“ Die nächste Video-Beratung der Vereine und des TFV ist für den 23. November vorgesehen.

Einen Lichtblick gab es in dieser Woche für den Nachwuchs. Dieser darf auch in Schleiz wieder gegen den Ball treten, was die Kicker der F- bis A-Junioren freut. Wann die Erwachsenen wieder Grund zur Freude haben, können weder Trainer noch Topstürmer orakeln.