Fünfter Sieg in Folge für SV Hermsdorf

Hermsdorf.  29:23 (16:12) siegt der SV Hermsdorf über die HSG Werratal 05 in der Thüringenliga. Stefan Riedel erleidet Rippenbruch.

Wieder mit an Bord: Cedric Schreiber (Mitte).

Wieder mit an Bord: Cedric Schreiber (Mitte).

Foto: Marcus Schulze / OTZ

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Entspannt saß Mario Kühne auf der Bank. Die Beine hatte er ausgestreckt, neben ihm stand ein fast leerer Becher mit Bier. Tiefenentspannt schaute der Trainer des SV Hermsdorf geradezu gedankenverloren den Kindern zu, die sich nach der Partie gegen die HSG Werratal am Sonnabend noch ein wenig in der Werner-Seelenbinder-Halle austobten, sich dem kleinen Leder widmeten. Er sei gerade im Begriff sich herunterzufahren, sagte der SVH-Coach, der den gar süßen Moment des Erfolges ganz für sich allein nun genießen und auch reflektieren wollte, schließlich hatte sein Team gut 20 Minuten zuvor die Gäste aus Breitungen fulminant mit 29:23 geschlagen. Es war der nunmehr fünfte Sieg in Folge für seine Kreuzritter.

Ja, Kühne wirkte glücklich und erschöpft zugleich, harrte noch für ein paar Momente auf der klebrigen Bank vor dem Eingang zur Kabine des SV Hermsdorf aus und gönnte sich noch den letzten Schluck Bier, der da in seinem Becher auf sein absehbares Ende wartete. In diesen Augenblicken nun, in denen die ganz große Euphorie, die sich unmittelbar nach dem Triumph in der Halle ausgebreitet hatte, schon längst wieder Geschichte war, mutierte Kühne zum quasi Gegenentwurf seines Trainer-Pendants aus Breitungen. Denn auch Dejan Leskovsek saß nach der Partie auf der Bank – jedoch auf jener, die zu den Kabinen der Gäste führte und auch ein paar Minuten vor Mario Kühne. Und Dejan Leskovsek war Lichtjahre von jenem angenehmen Gemütszustand entfernt, welchen der SVH-Coach ein paar Minuten später sein Eigen nennen durfte. Leskovsek saß sichtbar angespannt und aufrecht auf dem Möbelstück der Marke Turnhalle. Er haderte mit den Verhältnissen, sinnierte über die Niederlage.

Dabei lag sein Team bis zur 18. Spielminute – wenn auch oftmals nur hauchdünn – immer wieder in Führung. Doch mit der Egalisierung von Hannes Rudolph zum temporären 9:9 sowie den folgenden Treffern von Jan Heilwagen, Felix Reis und erneut Hannes Rudolph hatten die Hausherren erstmals die Führung (12:9/23.) inne, welche die SVH-Protagonisten bis zur Pause nicht mehr aus der Hand gaben. Nach dem Wiederanpfiff beim Stand von 16:12 gelang es den Hausherren, den Vorsprung in besagter Größenordnung zu konservieren, der dank Toren von Felix Reis, Jan Heilwagen oder Martin Ehm stets zwischen vier oder fünf Toren schwankte. Zweimal konnte die Mannschaft von Trainer Dejan Leskovsek den Rückstand auf drei Treffer reduzieren (17:20/39. bzw. 19:22/51.), doch die Kreuzritter ließen sich von dergleichen nicht beirren. Als schließlich Hannes Rudolph in der 58. Minute nach einem langen Ball aus der eigenen Hälfte von Jan Heilwagen zum 28:23 traf, erhoben sich die SVH-Fans und skandierten: „Hier regiert der SVH!“. Der letzte Treffer der Begegnung gebührte jedoch Martin Ehm, der, flankiert von Heilwagen und Rudolph, auf das gegnerische Gehäuse samt HSG-Schlussmann rannte – und letztlich verwandelte. Danach kredenzte die Frohnatur noch einen putzigen Freudensprung, der aufgrund seiner gänzlich unerwarteten Leichtigkeit irgendwo zwischen Kasatschok und Ballett verortet werden kann.

„Die ersten 20 Minuten waren sehr intensiv. Beide Mannschaften haben versucht, ihr Revier zu markieren. Es gab Nicklichkeiten sowie eine gewisse Grundhärte“, resümierte Mario Kühne. Letztlich sei es die richtige Entscheidung gewesen, Stefan Riedel in den Untiefen des ersten Aktes in das Geschehen eingreifen zu lassen. Mit dieser Personalie ging auch eine Umstellung in Sachen Deckung einher, agierte die Hausherren von da an im 5-1-Modus. Mit dieser Variante habe man der HSG ein wenig das Zepter aus der Hand genommen, habe dadurch auch jene leichten Tore durch eben Heilwagen, Rudolph und Reis erzielen können, führte Kühne weiter aus. Im Laufe der Partie hätten sich seine Mannen zudem in der Abwehr sukzessiv stabilisiert, hätten außerdem im Angriff eine Idee variabler und auch konsequenter als ihr Gegenüber gespielt , so der Coach. „Außerdem habe ich gespürt, dass meine Spieler siegen wollten. Gerade in jenen Phasen der zweiten Halbzeit, in denen es noch einmal eng wurde“, sagte Kühne, der nach diesen durch und durch lobenden Worten seinen inneren Chill-Knopf betätigte und mit der Bank eine entspannte Symbiose einging.

Apropos Stefan Riedel. Der vormals verlorene Sohn agierte dann auch reichlich beherzt auf dem Feld. Ja, er schonte sich nicht, blieb aber nach einem Sturz, in den auch sein Gegenspieler involviert war, am Boden liegen und musste ausgewechselte werden. Nach der Pause saß der Routinier dann auch nicht mehr auf der Bank. Mit Verdacht auf Rippenbruch wurde er in das Eisenberger Krankenhaus noch vor Ende der Begegnung eingeliefert, wie Mario Kühne berichtete. Letztlich bestätigte Stefan Riedel am Sonnabend den Verdacht. Laut eigenen Angaben hat er sich die achte Rippe gebrochen.

Bei dem Heimspiel des SV Hermsdorf in der Thüringenliga griff nach drei Monaten Zwangspause erstmals auch wieder Cedric Schreiber in das Geschehen ein. Schreiber spielte über weite Strecken, machte eine starke Partie und erzielte zudem zwei Tore. „Ich bin so froh darüber, dass er wieder da ist“, sagte Felix Reis über seinen Teamkollegen, der am vergangenen Spieltag in Eisenach noch auf der Bank ausharren musste.

Nach dem Abpfiff übernahm Martin Ehm das Kommando. Wer sonst. Mit einer Weihnachtsmannmütze auf dem Haupt und einer Trommel in der Hand kredenzte er eine bis dahin nie gesehene Melange aus Knecht Ruprecht, Lars Ulrich, Handball-Fanatiker, Kirmes-Beauftragter und Jürgen Drews. Kurzum: Alles war wie immer, lediglich eine stimmige Brise Weihnachten hatte sich an diesem Abend dazugesellt.

Tore: Rudolph 6, Schreck 1, Fe. Reis 8, Götze 1, Schreiber 2, Riedel, Fr. Reis, Nedved, Heilwagen 7, Ehm 2, Zehmisch, Petrov 2, Remde

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