Fußball-Lehrer Daniel Kraus im Interview: „Den Standort in Jena erhalten!“

Essen  Der Fußball-Lehrer Daniel Kraus über seinen Wechsel nach Freiburg und die Situation beim FF USV Jena.

Noch mitten in Essen: Der Jenaer Daniel Kraus trainiert derzeit noch die SGS Essen, wechselt im kommenden Sommer dann zum SC Freiburg.

Noch mitten in Essen: Der Jenaer Daniel Kraus trainiert derzeit noch die SGS Essen, wechselt im kommenden Sommer dann zum SC Freiburg.

Foto: Michael Ulbrich

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Vor zweieinhalb Jahren verließ Daniel Kraus (34) den FF USV Jena, ging zur SGS Essen. Dort endet sein Vertrag im Sommer – wir sprachen mit ihm über seine Zukunftspläne und die schwierige Situation in Jena.

Herr Kraus, wie wird bei Ihnen Weihnachten gefeiert?

Natürlich im Kreise der Familie.

Also klassisch mit Kartoffelsalat?

Das weiß ich gar nicht. Ich mache das immer so, dass ich mich überall einlade und mich dann überraschen lasse. (Lacht.)

Überraschung ist ein gutes Stichwort. Ist der aktuelle dritte Platz der SGS Essen eine solche?

Es ist extrem schön, auf die Tabelle zu schauen. Wenn man die vielen Verletzten und Probleme einbezieht, kommt das schon überraschend. Das 0:0 in Wolfsburg zuletzt war für uns schon noch das Sahnehäubchen obendrauf.

Ganz vorn stehen Wolfsburg und Bayern München – die investieren jedes Jahr Millionen. Darf man sich in Essen als der Herbstmeister vom Rest feiern?

Den Titel gibt es nicht. Entweder man steht ganz oben oder nicht. Über das Jahr hinweg kann man sich mit den beiden nur schwer vergleichen. Wir werden auch nicht automatisch Dritter bleiben, weil wir jetzt da stehen. Es ist nicht mehr und nicht weniger als eine schöne Bestätigung unserer Arbeit in der Hinrunde und das genießen wir jetzt. Danach ist der Ansporn umso größer, eine gute Vorbereitung zu machen, um das zu verteidigen.

Für Sie bricht das letzte halbe Jahr im Ruhrpott an – danach geht es nach Freiburg. Warum?

Die Zeit in Essen war und ist toll. Wir haben eine klasse Mannschaft, ein prima Funktionsteam. Das macht mir den Abschied dann schon schwer. Auf der anderen Seite war es mein Wunsch, eine neue Herausforderung anzunehmen. In Freiburg steht ein Lizenzverein dahinter – allein das ist für mich neu. In den ersten Gesprächen hat sich schon jetzt gezeigt, dass wir ähnlich ticken. Ich gehe mit einem guten Gefühl dahin.

Ist die Zeit der reinen Frauenfußballvereine bald vorbei?

Wenn man sich die Bundesliga anschaut, dann geht die Entwicklung schon dahin, dass man einen Lizenzverein im Rücken braucht. Es gibt noch Essen, Sand, Potsdam – und eben noch Frankfurt, die, so sagen die Gerüchte, womöglich auch bald bei einem Lizenzverein angegliedert werden. Die reinen Frauenfußballvereine haben es schwer, weil sie die gesamte Infrastruktur selber vorhalten müssen und die Erfordernisse weiter steigen.

Der FF USV ist in Insolvenzgefahr. Was wäre ein Ausweg?

Wichtig ist in erster Linie, den Standort zu erhalten. Der hat einen sehr guten Namen in Deutschland, viele haben mich angesprochen und wollten wissen, was los ist. Jena hat tolle Talente, wir haben drei davon nach Essen geholt. Vielleicht sollte man den Weg über das Sportgymnasium gehen. Dort sollte man sich bewusst werden, wie gut der Nachwuchs ist. Und auch dann, wenn man kein großer Fan des Frauenfußballs ist – diesen Eindruck machen mir dort einige Verantwortliche – sollte man sich bewusst werden, welchen Stellenwert der Mädchenfußball hinsichtlich für die ‚Eliteschule‘ hat. Man hat eine Verantwortung dafür, dass weiterhin junge, talentierte Spielerinnen dort ausgebildet werden.

Wäre der logische Schritt nicht der zum FC Carl Zeiss?

Diese Idee ist ja nicht neu. Ich saß selbst im Vorstand des FC und wäre bei dem Thema wohl gegen verschlossene Türen gerannt, wenn es diese Türen überhaupt gegeben hätte. Die Diskussion entwickelt sich nun offensiver. Eins darf man aber nicht vergessen: Aus zwei Kranken wird nicht ein Gesunder. Es sollte alle Emotionen ausgeschaltet, Befindlichkeiten vergessen werden. Das spielt keine Rolle, denn es geht um die Zukunft. Vielleicht kann hier das Sportgymnasium vorangehen, als Klammer zwischen den Vereinen fungieren. Die Nachwuchsausbildung ist schließlich Aufgabe des Sportgymnasiums.

Als Sie vor zweieinhalb Jahren Jena verließen, ist Mark Zimmermann gerade Trainer geworden. Wie haben Sie seine Beurlaubung aufgenommen?

Aus der Ferne ist das nicht zu beurteilen. Als Trainer sollte man immer offen für Neues, nicht zu festgefahren sein. So habe ich Zimme kennengelernt. Er ist einer, der den FCC im Herzen trägt. Der Trainer ist das schwächste Glied. In Heidenheim hat man vergangene Saison lange unten gestanden, am Trainer konsequent festgehalten und damit Erfolg gehabt. Aber im Fußball verbieten sich solche Quervergleiche.

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