DFB morgen die letzte Hürde für den FC Carl Zeiss Jena

Darf man den Meteorologen Glauben schenken, so ist es am Wochenende mit dem ungemütlichen Wetter vorbei. Auf einen Umschwung der "Großwetterlage" hoffen auch die FCC-Verantwortlichen, dass nach stürmischen Tagen ab dem Wochenende der Hebel umgelegt und wieder über Fußball gesprochen wird.

Jürgen Raab  neuer Trainer des FC Carl Zeiss. (Foto: Alexander Volkmann / Thueringer Allgemeine)

Jürgen Raab neuer Trainer des FC Carl Zeiss. (Foto: Alexander Volkmann / Thueringer Allgemeine)

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Jena. Am Mittwoch nahm der Klub die vorletzte Hürde auf dem Weg zur Lizenz. Vor dem Bewilligungsausschuss der Thüringer Aufbaubank trug Präsident Hartmut Beyer das Konzept vor. Einstimmig segnete das Gremium ab, was die Politik vorgegeben hatte. Zur 450 000 Euro-Bürgschaft der Aufbaubank kommt ein Kredit über 100 000 Euro der Sparkasse Jena-Saale-Holzland: 550 000 Euro geliehenes Geld wohlgemerkt – mit der Bedingung, dass künftig alle Geschäfte über 50 000 Euro vom Aufsichtsrat abgesegnet werden. Am Donnerstag wird der FC Carl Zeiss alle Unterlagen von einem Wirtschaftsprüfer fixieren lassen, um diese am Freitag dem DFB vorzulegen. Beim Fußball-Drittligisten geht man davon aus, dass nach der finanziellen Rettungsaktion – nicht überall im Freistaat gut geheißen – dann die letzte Hürde für die Lizenz übersprungen wird.

Der neue Sportdirektor Lothar Kurbjuweit schaut unabhängig vom schmalen Budget nach vorn: "Wir haben zwanzig Spieler im Kader. Es besteht keine Panik: Wir haben auch eine ganz ordentliche Mannschaft für die dritte Liga zusammen", sagte der 66-fache DDR-Nationalspieler.

Der Vertrag von Ralf Schmidt habe ein Signal gesetzt. Im Gespräch mit Carsten Sträßer, einem weiteren Leistungsträger, sei man vorangekommen. Nach gestrigem Stand gehe er von einer Achse Nulle – Lanzaat – Schmidt – Truckenbrod – Hähnge und Smeekes aus.

Allerdings will der niederländische Torjäger gehen. Doch, so Kurbjuweit, habe sich von lockeren Anfragen abgesehen, noch kein echter Interessent gefunden, der die Ablösesumme bezahlen würde. Die beträgt nach OTZ-Informationen 200 000 Euro.

"Wir wären ja dumm, wenn wir einen Spieler wie Smeekes, der 17 Tore erzielt hat, für nichts vom Hof jagen würden, bloß weil er sich hier nicht wohlfühlt", sagte der Sportdirektor. Kapitän Nulle soll wiederum mitgeteilt haben, dass er den FC verlassen will. Trifft das zu, so müsste der Verein die Torhüterfrage wohl ernsthafter angehen.

Bislang ist nur vorgesehen, eine Nummer zwei in Jena zu testen, da mit Dwars und Kraus nicht verlängert wurde. Gestern weilte Kurbjuweit mit Stefan Treitl und Gerd Brunner beim Berliner Pokalfinale zwischen Berlin Ankaraspor Kulübü 07 und BFC Dynamo. Sicherlich nicht nur, um Filius Tobias Kurbjuweit die Daumen zu drücken.

Die Hoffnung, die Gehälter von Spielern herunterzuhandeln, hat Kurbjuweit offenbar aufgegeben. Da müsse man nun durch, sagte er. Und mit einem Seitenhieb: "Zu verantworten haben das andere." Wie Hähnges Vertrag etwa, der den Verein im Monat 26 000 Euro kostet. Der Stürmer hatte einen Abschlag angeboten, aber eine Vertragsverlängerung verlangt.

Ob nach Lukimya und Gardawski weitere Stammspieler den Verein verlassen, sei unklar. Von einer für Benyamina vorliegenden Anfrage aus Hoffenheim sei ihm nichts bekannt, sagte Kurbjuweit. Im Streit mit A-Junioren-Spieler Kolb, der bei Zweitligist Greuther Fürth unterschrieben haben soll, sehen sich die Jenaer im Recht. Die Option zum Verbleib des Spielers war rechtzeitig gezogen.

Für Trainer Jürgen Raab beginnt mit dem Trainingslager ab 14. Juni in Zinnowitz der Ernst. "Wir müssen sehen, welche Spieler da sind. Ich werde mich hüten, jetzt schon etwas über sportliche Ziele bekannt zu geben", sagte der 51-Jährige. Wie schlecht man da beraten ist, hat das Beispiel Erfurt gezeigt. Am Ende hat Rot-Weiß den Aufstieg weit verfehlt.

Auf jeden Fall freut sich Jürgen Raab auf seinen neuen Job, "weil die dritte Liga eine große Resonanz gefunden hat, spannende Spiele zu sehen sind und der Leistungsunterschied, was die Spitze anbelangt, so groß zur zweiten Liga nicht ist". Einer der ersten Gratulanten für den neuen Job war übrigens Hans Meyer.

Raab, dessen Co-Trainer Mark Zimmermann wird, will die Karten nicht unbedingt neu mischen. Mit dem langjährigen Kapitän Ziegner wird er ausführlich sprechen. Jeder habe seine Chance, auch junge Spieler. "Sie müssen allerdings durch Leistung überzeugen und nicht, weil sie jung sind", sagte Raab. Dass er einen Einjahresvertrag mit Option bekam, hatte der Verein angeboten. "Eine Option wird zum Beispiel beim Aufstieg gezogen", sagte Kurbjuweit verschmitzt.

In der Vorbereitung spielt Jena gegen Bayer Leverkusen am 13. Juli, gegen Cottbus am 17. Juli. Eine Woche später ist scharfer Start – ob dann Sonne im Paradies eingezogen ist, wagen selbst Meteorologen nicht zu prognostizieren.

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