FC Carl Zeiss Jena: Zwischen Toren und Tumulten

Jena  Das 1:1 gegen Hansa Rostock geriet bei den anschließenden Diskussionen fast in der Hintergrund. Der Ultra-Capo hofft, dass unterschieden wird zwischen den Geschehnissen am Samstag und der Debatte um die Südkurve.

Fans in der Jenaer Südkurve.

Fans in der Jenaer Südkurve.

Foto: Tino Zippel

Mark Zimmermann wedelt mit den Armen. Alle Mann nach vorn! Aber zackig! Nein, nein, mit diesem einen Zähler im Drittligaspiel gegen den FC Hansa Rostock will man sich nicht zufrieden geben. Ein letzter Freistoß segelt in der x-ten Minute der Nachspielzeit in den Rostocker Sechzehner. Ein kurzes Durcheinander später fliegt der Ball aus der Gefahrenzone. Dann ist‘s vorbei – 1:1 in einem Spiel zwischen Toren und Tumulten.

Die erste Überraschung hat Jenas Trainer vor dem Anpfiff parat: Kevin Pannewitz darf von Beginn an ran. Der macht seine Sache ordentlich, wie der Zeiss-Coach hinterher erklärt. Einzig, dass er im ersten Spielabschnitt hier und da zu tief gestanden habe, missfällt dem Fußball-Lehrer.

Pannewitz selbst ist sichtlich froh eingedenk des gelungenen Comebacks nach seiner Suspendierung. „Ich wollte eine Reaktion für meine Mannschaft, die ich im Stich gelassen habe“, sagt er. Es ist ihm gelungen. Fast hätte er seiner Darbietung die Krone aufgesetzt: Drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit kracht ein Pannewitz-Geschoss ans Rostocker Aluminium. Zu diesem Zeitpunkt liegt Jena 0:1 hinten.

„Ich kann meiner Abwehr beim Gegentor keinen Vorwurf machen, weil wir alles richtig gemacht haben“, sagt Zimmermann. Tatsächlich: Beim Zuspiel in die Spitze steht Marcel Hilßner über einen Meter strafbar im Abseits, legt dann rüber auf Jonas Hildebrandt, der kaum Mühe hat, einzunetzen (56.).

Rostocker mit Kindern jubeln auf der Haupttribüne

Was dann passiert, „braucht keiner“, wie es Pavel Dotchev, Rostocks Trainer hernach sagt. Ausgangspunkt ist Block B der Haupttribüne. Dort jubelt eine kleine Gruppe Rostocker – samt Kinder! –, was ihnen zuerst eine Bierdusche, dann eine Konfrontation mit Jenaer Fans einbringt. Der Ordnungsdienst eilt herbei, öffnet so aber die Flanke zum Gästeblock, wo wiederum Rostocker in den Innenraum stürmen.

Die Tumulte erreichen ihren Höhepunkt, als auch Fans in der Südkurve über den Zaun klettern. Eine kurze, aber wilde Schlägerei ist die Folge – was wiederum die Polizei auf den Plan ruft. Die Beamten gehen mit Schlagstock und Pfefferspray dazwischen. Sechs Minuten Spielunterbrechung sind die Folge.

„Wir verurteilen das“, sagt Matthias Kühne, der Rechtsverteidiger. Geschäftsführer Chris Förster nennt es „kontraproduktiv“ ob der gerade anstehenden Diskussionen um den Erhalt der Südkurve als Heimstätte der Jenaer Fans.

Ultra-Capo Toni Schley erklärt, dass die Rostocker der Jenaer Zaunfahne bedrohlich nah gekommen wären und man diese nur verteidigen wollte. „Man muss auch differenzieren zwischen dem, was am Samstag in Jena passierte, und dem emotionalen Einsatz für den Erhalt unserer Kurve“, sagt er. „Unsere Argumente, die belastbar sind, dürfen deswegen nicht unter den Tisch gekehrt werden“, fügt er an.

Rasch ist das Scharmützel auch beendet – nun drängt Jena mit viel Wucht auf den Ausgleich. Der Lohn folgt in der Nachspielzeit: Kühnes Rechtsflanke mit Zeiss-Präzision landet auf dem Kopf des eingewechselten Vincent-Louis Stenzel. „Ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich mein letztes Tor gemacht habe. Und dann auch noch mit dem Kopf“, sagt er und grinst.

Es rettet zumindest den einen, hoch verdienten Punkt gegen Rostocker, die danach sicher die Heimreise antreten. Einen Punkt und einen platten Reifen lassen sie in Jena. Der ist schon in der Halbzeitpause gewechselt worden.

OTZ-Zeugnis

Jo Coppens 3,0 Dennis Slamar 4,0 Marius Grösch 3,0 Justin Gerlach 2,5 Kevin Pannewitz 2,5 René Eckardt 3,0 Matthias Kühne 2,0 Manfred Starke 4,0 Firat Sucsuz 4,0 Felix Brügmann 3,5 Julian Günther-Schmidt 3,0 Vincent Stenzel (ab 77.)- Maximilian Wolfram (ab 77.)- Fabien Tchenkoua (ab 84.)-

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