Jena droht großer Umbruch

Da war der Erste weg: Stürmer Orlando Smeekes (29) verlässt den FC Carl Zeiss zum Saisonende und spielt künftig für Ligakonkurrent SV Wehen Wiesbaden.

Orlando Smeekes (rechts) und Erfurts Dennis Malura starten zum Ball

Orlando Smeekes (rechts) und Erfurts Dennis Malura starten zum Ball

Foto: zgt

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Jena. Bei den Jenaern könnte das der Beginn eines großen personellen Umbruchs sein, da die meisten Spielerverträge zum Saisonende auslaufen.

Laut Sportdirektor Lothar Kurbjuweit sind nach aktuellem Stand für die kommende Saison höchstens ein Dutzend Spieler gebunden – und dabei ist schon berücksichtigt, dass Optionen für einige Anschlusskader gezogen werden müssten. Aus der Startaufstellung des Thüringenderbys bleiben aus heutiger Sicht nur Carsten Nulle, Sebastian Hähnge, Ralf Schmidt und über eine Option wohl Alexander Voigt. Zudem verfügt der eingewechselte Angreifer Martin Ullmann über einen Kontrakt fürs neue Spieljahr.

Im Sommer enden die Verträge von vielen Talenten aus der Jenaer Schule. Marco Riemer, René Eckardt, Felix Holzner oder Tim Wuttke zum Beispiel. Sämtliche Zugänge während der Saison, also Aykut Öztürk, Nils Pichinot, Felicio Brown-Forbes und Eugen Bopp stehen ebenfalls nur bis zum Saisonende unter Vertrag.

Die Zeit drängt, da viele Profis nach schlechten Erfahrungen in den vergangenen Jahren Sicherheit bevorzugen. Kurbjuweit spricht zwar schon mit den Spielern, kann aber finanziell noch nicht konkret werden. Zwei Millionen Euro soll der Personaletat betragen, aber das wird nach ersten Hochrechnungen knapp, da sich die Verträge der Großverdiener Sebastian Hähnge und Carsten Nulle verlängert haben.

In diesem Jahr gab der Verein für seine Spieler in der ersten Mannschaft noch über 2,5 Millionen Euro aus – 500 000 Euro mehr als im Ansatz für die nächste Spielzeit. "Wir sind uns dessen bewusst", sagt Geschäftsführer Roy Stapelfeld. Die zwei Millionen Euro seien eine angenommene Größe aus dem Konsolidierungsfahrplan. "Um mehr ausgeben zu können, müssten wir mehr Geld einwerben", sagt der Geschäftsführer.

Überhaupt gestaltet sich die personelle Planung schwierig. Sportdirektor Kurbjuweit wüsste gern, ob Wolfgang Frank Trainer bleibt, um ein Team nach dessen Vorstellungen zu basteln. Doch der Aufsichtsrat verzögert die vom Präsidium auf den Weg gebrachte Vertragsverlängerung, will erst den Thüringenpokal sicher wissen. Noch steht nicht einmal Jenas Halbfinalgegner fest, so dass noch wertvolle Wochen verstreichen.

"Bislang kenne ich noch kein personelles Konzept", sagt Aufsichtsratschef Dr. Reinhardt Töpel. Nächsten Montag bei der Sitzung des Gremiums solle die sportliche Leitung ihre Vorstellungen präsentieren.

Über das Konzept wird intern bereits heftig diskutiert. Die Verantwortlichen sind sich einig, dass sie Mittelfeldmann Jens Truckenbrod halten wollen, was angesichts der gezeigten Leistungen aber teuer wird. Dagegen scheiden sich die Geister bei Ronny Nikol, der – als Notnagel verpflichtet – trotz seiner 36 Jahre eine ordentliche Saison spielt. Oder bei Timo Nagy, der seit fast einem Jahr wegen eines Kreuzbandrisses pausiert. Vorher zählte er zu den Leistungsträgern, doch wie schnell wird er daran anknüpfen können? Fraglich ist auch die Zukunft von Ex-Kapitän Torsten Ziegner. Einigkeit besteht in Sachen Moses Sichone. Der Innenverteidiger enttäuschte auf ganzer Linie, wird keinen neuen Vertrag bekommen.

Durch die Entscheidung von Smeekes, zwei Jahre bei Wehen Wiesbaden zu unterschreiben, wird Trainer und Sportdirektor eine unliebsame Entscheidung abgenommen. Überzeugt waren beide nicht vom pfeilschnellen Publikumsliebling, den nach Angaben seines Beraters Christopher Adedeji auch der Zweitligist FSV Frankfurt umworben hatte. Letztlich gab der väterliche Freund in Diensten der Wiesbadener, Quido Lanzaat, den Ausschlag für den Niederländer.

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