Thüringenderby gegen Rot-Weiß Erfurt: Jena scheitert an Chancenverwertung

Erfurt  Ein schwacher FC Rot-Weiß Erfurt gewinnt das Thüringenderby dank eines Kopfballs von Christopher Bieber gegen den FC Carl Zeiss Jena.

Kampf mit harten Bandagen: Die Erfurter Luka Odak und André Laurito verteidigen gegen Timmy Thiele, dessen Ellenbogen Laurito trifft.

Kampf mit harten Bandagen: Die Erfurter Luka Odak und André Laurito verteidigen gegen Timmy Thiele, dessen Ellenbogen Laurito trifft.

Foto: Tino Zippel

Jenas Torhüter Raphael Koczor war nach 80 Derby­minuten richtig in Fahrt, so dass sogar Erste Hilfe von der Bank eilen musste, um ihm ein neues Trikot zu reichen. Schnell streifte er dieses über sein kaputtes Jersey. „Ich wollte es nicht zerreißen, war nur so wütend über die dritte vergebene hundertprozentige Chance“, sagt der Zeiss-Keeper, der bis zum Abpfiff nicht über ein Tor jubeln durfte.

Deshalb blieb es bei der 0:1-Niederlage gegen den FC Rot-Weiß Erfurt. Der eingewechselte, 1,96 Meter große Christopher Bieber hatte nach einem Eckball einen unhaltbaren Kopfball ins Toreck gesetzt. Verteidiger Justin Gerlach ließ dem Stürmer einen Meter zu viel Raum (69. Minute). Mit nahezu der einzigen Offensivaktion schafften es die erschreckend schwachen Erfurter, den Rivalen aus Jena zu besiegen. Erfurt-Coach Stefan Krämer haderte mit dem Fehlpassfestival in der ersten Halbzeit. „Wäre das im Training passiert, hätte ich die Einheit nach 20 Minuten abgebrochen und die Jungs laufen geschickt. Wir haben das schwächste unserer Spiele der vergangenen vier Wochen gewonnen.“

Knallhart analysierte Mark Zimmermann die Derby-Niederlage. „Das Spiel war nichts für Ästheten“, sagte der Jenaer Trainer. Ungewohnt hob er drei Spieler heraus, die einzig ihr Leistungspotenzial abgerufen haben: die Defensivspieler Guillaume Cros und Jan Löhmannsröben sowie der neue Stürmer Julian Günther-Schmidt.

Thüringen-Derby: Erfurt- und Jena-Fans treffen in Landeshauptstadt einBlieb es in der ersten Halbzeit bei einer missglückten Flanke von Timmy Thiele, die knapp am Pfosten vorbei flog, versiebten die Jenaer nach dem Gegentor beste Chancen zum Ausgleich. Günther-Schmidt traf Pfosten und Latte. Manfred Starke köpfte aus Nahdistanz am leeren Tor vorbei. Dominik Bock und Dennis Slamar scheiterten an Erfurts Torwart Philipp Klewin. „Wenn wir irgendwann einen über die Linie drücken, platzt der Knoten“, sagt Starke, meint aber mit „wir“ wahrscheinlich am meisten sich selbst. Nach seiner langen Verletzungspause kommt er noch nicht in Tritt.

In den letzten 20 Minuten gelang es den Jenaern endlich, sich mit Kombinationen vors Tor zu spielen. In Hälfte eins hatten sie es zu oft nach dem Muster langer Diagonalball nach vorn versucht. Meist flogen die Pässe zu weit, so dass die Stürmer keine Chance hatten, sie zu erlaufen. Ungefährlich spielten die Jenaer ihre Eckbälle hinein – der Unterschied an diesem Spieltag, den Erfurt mit einem Standard entschieden hat. Selbst vier Minuten Nachspielzeit des sehr guten Schiedsrichters Bastian Dankert (Rostock) halfen nicht.

Mit „ein bisschen sauer, ein bisschen traurig“, umschrieb Jenas Kapitän René Eckardt seine Gemütslage nach der Partie. Er zollte wie Trainer Zimmermann den 1700 Fans Respekt für die Unterstützung. Mit hängenden Köpfen schlichen die Jenaer nach Abpfiff in die Kurve. Zumindest haben sie dank der Auslosung von Ex-Eisschnellläuferin Gunda Niemann-Stirne­mann im Thüringenpokal bereits am 7. oder 8. Oktober die Möglichkeit zur Revanche.

Wichtiger sind indes die vier Punktspiele in der dritten Liga davor. Es gilt, die Abschlussschwäche abzustellen. „Wenn sich die Chancenverwertung nicht ändert, werden wir Probleme bekommen“, sagte Zimmermann, der schon während des Spiels mehrfach sein Gesicht in seinen Händen vergrub – nein, das war keine angemessene Leistung, um als Derbysieger vom Platz zu gehen.

Spielernoten Jena:

  • Raphael Koczor3,5
  • Matthias Kühne4,0
  • Dennis Slamar3,5
  • Justin Gerlach4,0
  • Guillaume Cros 3,0
  • Jan Löhmannsröben2,5
  • René Eckardt3,5
  • Florian Brügmann4,0
  • Firat Sucsuz4,5
  • Timmy Thiele4,0
  • Julian Günther-Schmidt3,0
  • Dominik Bock4,5
  • Manfred Starke4,5
  • Florian Dietz –

Spielernoten Erfurt:

  • Philipp Klewin2,5
  • Luka Odak4,0
  • André Laurito3,0
  • Christoph Menz2,5
  • Daniel Brückner4,5
  • Berkay Dabanli3,5
  • Alexander Ludwig4,0
  • Waseem Razeek3,0
  • Merveille Biankadi3,5
  • Samir Benamar5,0
  • Carsten Kammlott3,5
  • Elias Huth3,5
  • Christopher Bieber –
  • Florian Neuhold –

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