Corona-Virus sorgt für Absageflut im Fußball

| Lesedauer: 4 Minuten
Über 500 Zuschauer verfolgten das Hinspiel zwischen dem FSV Schleiz und dem SV Moßbach und auch das für Sonntag geplante Rückspiel hätte wohl zahlreiche Besucher angelockt. Bis zur tatsächlichen Austragung werden sich die Fans aber wohl noch länger gedulden müssen.

Über 500 Zuschauer verfolgten das Hinspiel zwischen dem FSV Schleiz und dem SV Moßbach und auch das für Sonntag geplante Rückspiel hätte wohl zahlreiche Besucher angelockt. Bis zur tatsächlichen Austragung werden sich die Fans aber wohl noch länger gedulden müssen.

Foto: Mario Streit

Schleiz.  Die erste Corona-Erkrankung im Saale-Orla-Kreis sorgt für etliche Ausfälle im Amateurfußball – pünktlich zum regulären Beginn der Rückrunde.

Dass das Corona-Virus in dieser Woche Thüringen, konkret den Saale-Orla-Kreis, auch ganz offiziell erreicht hat, lässt auch den Sport nicht unberührt. Großveranstaltungen werden aktuell reihenweise abgesagt und was beispielsweise für die Leipziger Buchmesse gilt, gilt ebenso für nahezu alle öffentlichen Ereignisse im Saale-Orla-Kreis. Das Landratsamt veröffentlichte am Dienstagvormittag eine Anordnung, wonach bis auf Weiteres alle öffentlichen Veranstaltungen mit über 50 Personen im Landkreis abgesagt sind.

„Das normale tägliche Leben muss stattfinden, aber wir sollten auf Veranstaltungen mit Vergnügungscharakter verzichten“, appellierte Landrat Thomas Fügmann, der selbst von einer unpopulären Maßnahme sprach, sie aber angesichts des Ernsts der Lage verteidigte. „Wir hoffen schnelle Ergebnisse vom Prüfungsinstitut zu bekommen, um dann die Lage neu einzuschätzen“, so Fügmann weiter.

Veranstaltungen bergen großes Verbreitungspotenzial

Sein 1. Beigeordner Jürgen Hauck ergänzt: „Wir halten es für geboten, weil wir in solchen Veranstaltungen ein hohes Risiko mit einem erheblichen Multiplikationsfaktor sehen.“ Bis mindestens Sonntag solle die Verordnung vorerst gelten, was unter anderem für die Fußballer der Region einen großen Einschnitt bedeutet.

Nachdem bereits erste Nachholer stattfanden sollte der Spielbetrieb am anstehenden Wochenende mit dem regulären Rückrundenstart Fahrt auf nehmen, doch daraus wird nun – jedenfalls im Saale-Orla-Kreis – nichts. Wie einige Telefonate am späten Dienstagvormittag offenbarten, traf die Verordnung Vereine wie Funktionäre völlig überraschend und unvorbereitet. Doch offenbar glühten die Drähte danach umso heißer, so dass seitens des KFA Jena-Saale-Orla bereits um 16 Uhr eine Information an die hiesigen Vereine versandt wurde.

Im Saale-Holzland und Jena wird vorerst weitergespielt

„Wir haben uns darauf verständigt, alle Fußballspiele im Saale-Orla-Kreis sowie mit Beteiligung aus dem Saale-Orla-Kreis abzusagen und die Situation abzuwarten“, informiert KFA-Chef Olaf Wünsch. Spiele im Saale-Holzland-Kreis sowie in Jena können bis auf Weiteres stattfinden, allerdings nur ohne Beteiligung aus dem Süden des Fußballkreises – egal ob Mannschaften oder Schiedsrichter.

„Falls sich die Situation in den nächsten Tagen auf den Saale-Holzland-Kreis und Jena ausbreitet, sind ähnliche Entscheidungen für weitere Spiele denkbar“, so Olaf Wünsch, der mit den Worten schließt: „Diese Einschränkungen hat keiner von uns gewollt, die Problematik der Nachholespiele ist uns bewusst, aber hier handelt es sich um höhere Gewalt.“

Beschluss gilt auch für Spiele auf Landesebene

Auch eine Ebene höher, beim Thüringer Fußball-Verband (TFV) wurde sich mit der neuen Sachlage befasst. „Wir folgen im Präsidium dem Beschluss und werden somit alle Spiele auf Landesebene mit Beteiligung aus dem Saale-Orla-Kreis absetzen“, erklärt TFV-Geschäftsführer Thomas Münzberg auf Nachfrage. Offen sei lediglich der Zeitpunkt, der endgültigen Verkündung. Persönlich lehne er aber eine Verzögerung ab, um den Vereinen Planungssicherheit zu geben.

Damit dürften auch die beiden prestigeträchtigen und zuschauerwirksamen Landesklasse-Derbys zwischen dem VfR Bad Lobenstein und Blau-Weiß Neustadt sowie dem SV Moßbach und dem FSV Schleiz ausfallen. Mit bis zu 300 Fans rechnete man bis Dienstagmittag noch in Bad Lobenstein, ehe die Information aus dem Landratsamt die Runde machte und auf Verständnis stieß. „Es ist vernünftig, erst einmal herunterzufahren und dann neu zu überlegen“, meint der sportliche Leiter des VfR, Bernd Schneider.

Meinungen zwischen Einsicht und übertriebener Hysterie

Seitens des zweiten Derbygastgebers, des SV Moßbach, nimmt man die Anordnung eher ungern hin. Der Trainer und sportliche Leiter, Jens Herzog, macht kein Geheimnis daraus, dass er – etwa mit Blick auf (noch) volle Bundesligastadien – eine übertriebene Hysterie sieht. „Grundsätzlich hätten wir gern gespielt, schließlich haben wir die ganze Vorbereitung darauf hingearbeitet“, so Herzog, der bekräftigt, dass man die Entscheidung akzeptieren werde.

Auf Spielpraxis werden die Fußballer aus dem Saale-Orla-Kreis vorerst gänzlich verzichten müssen. Wie der KFA-Vorsitzende Olaf Wünsch unterstreicht, werden den Mannschaften konsequenterweise auch keine Testspiele gestattet. „Wir werden uns als KFA nicht hinter der fiktiven Zahl 50 verstecken können und sagen, dass weniger Zuschauer kommen“, so Wünsch.