Trainer von Wismut Gera im großen Interview: „Höhepunkt war der Klassenerhalt“

Interview der Woche: Frank Müller (31), Trainer des Fußball-Oberligisten BSG Wismut Gera, spricht über die Aufholjagd in der Rückrunde, das Pokalfinale gegen den FC Carl Zeiss Jena und über Zu- und Abgänge.

Frank Müller übernahm beim Fußball-Oberligisten BSG Wismut Gera in der Winterpause das Traineramt von Carsten Hänsel (links) und schaffte mit den Orange-Schwarzen den Klassenerhalt.

Frank Müller übernahm beim Fußball-Oberligisten BSG Wismut Gera in der Winterpause das Traineramt von Carsten Hänsel (links) und schaffte mit den Orange-Schwarzen den Klassenerhalt.

Foto: Jens Lohse

Wismut Gera spielt auch in der neuen Saison in der Oberliga. Das war im Winter nicht unbedingt abzusehen. Als erste Trainerstation hätten Sie sich auch etwas Leichteres aussuchen können?

Das stimmt. Aber als ich gefragt wurde, ob ich die Mannschaft als Trainer übernehme, wusste ich von der Qualität im Team. Mir war klar, dass wir in der Lage sein würden, die Klasse zu halten. Leicht war es trotzdem nicht. Zu hundert Prozent sicher kann man sich nie sein.

Sie haben von einem Tag zum anderen die Fußballschuhe ausgezogen. Gab es da keine Entzugserscheinungen?

In dem Sinne nicht. Ich stand ja trotzdem Tag für Tag auf dem Trainingsplatz. Allerdings unterliegt man als Trainer einer anderen Belastung. Da ist man mehr geistig gefragt. In dem einen oder anderen Trainingsspiel war ich auch dabei. Zudem wusste ich, worauf ich mich einlasse.

Der Start in die Rückrunde gegen Inter Leipzig war perfekt. Dann kamen aber die langen Spielpausen wegen der Winterkapriolen.

Die Begegnung gegen Inter Leipzig war unser leichtestes Rückrundenspiel. Keiner hat uns gegen den aufstrebenden Tabellenzweiten eine Chance eingeräumt. Wir konnten ohne Druck aufspielen, haben sensationell mit 4:1 gewonnen. Die Spielpausen anschließend waren zwar ärgerlich, für mich als Trainer aber auch dienlich. So konnten wir uns als Team noch besser finden und hatten die Zeit, taktische Dinge öfter zu trainieren. Es hat viel Spaß gemacht, mit der Mannschaft zu arbeiten.

Der April war vollgepackt mit Spielen – fünf englische Wochen in Folge. Haben Sie überhaupt trainieren können?

Nicht mehr viel. Es ging in erster Linie darum, viele Gespräche zu führen, sich in die Spieler hinein zu fühlen und zu regenerieren. Die Belastungen mussten wir in Grenzen halten. Für den Trainer ist eine solche Phase nicht so einfach. Aber wir hatten viele erfahrene Spieler innerhalb der Mannschaft. Auch alle anderen haben da toll mitgezogen.

Die Quittung kam dann im Meisterschaftsendspurt in den letzten drei Partien. War die Mannschaft körperlich wirklich so am Ende?

Ja. Trotzdem ist der Körper nicht entscheidend. Da geht es eher um den Kopf. Nach dem glücklichen Sieg gegen Kamenz haben alle gemeint, der Klassenerhalt ist schon sicher. Also haben alle nur noch an das Pokalfinale gedacht. . Wir haben es dann nicht mehr geschafft, den Bogen neu zu spannen. Wegen der drei Niederlagen zum Schluss gegen Krieschow, Barleben und Sandersdorf blicke ich auch nicht mit voller Zufriedenheit auf die Rückrunde zurück.

Trotzdem war das Pokalfinale gegen den FC Carl Zeiss Jena der Saisonhöhepunkt. Wie denken Sie im Nachhinein über das Endspiel?

Für mich war es nicht das Highlight. Für den Verein und das Umfeld schon. Mein Höhepunkt war der Klassenerhalt. Dafür haben wir ein Jahr gearbeitet, viel investiert. Daran konnten auch die Schwächen am Ende nichts ändern.

Am Kader für die neue Saison wird fleißig gebastelt. Mit Jegor Jagupov und Christopher Lehmann kommen zwei erfolgreiche Verbandsliga-Stürmer zur Wismut. Treffen die auch eine Klasse höher?

Davon bin ich überzeugt. Mit Jegor Jagupov hatte ich bereits im Winter Kontakt. Mit ihm habe ich mich schon in unserem gemeinsamen halben Jahr in Gera gut verstanden. Auch Christopher Lehmann, den ich noch aus Meuselwitz kenne, war ein Wunschspieler von mir. Wer in der Verbandsliga zusammen fast 50 Tore schießt, der braucht sich auch in der Oberliga nicht zu verstecken. Mit beiden ergeben sich neue Möglichkeiten für unsere Spielweise.

Wer verlässt die Orange-Schwarzen?

Romario geht vermutlich zum ZFC Meuselwitz. Mit seiner Qualität können wir ihn nicht halten. Er würde unser Gehaltsgefüge sprengen. Sebastian Dräger und Maximilian Enkelmann verlassen uns ebenso. Auch bei Andreas Luck sind die Chancen gering. Er wohnt in Leipzig, will nicht mehr so weit fahren. Alexander Just beendet seine Laufbahn. Sabri Vaizov wollte schon im Winter weg, er wechselt jetzt zum Regionalligisten FC Oberlausitz Neugersdorf.

Die Sommerpause ist diesmal besonders wichtig für die Regeneration. Wann rufen Sie zum Trainingsauftakt?

Der ganze Juni ist Pause. Alle Spieler haben einen Trainingsplan mitbekommen, sollen auf die Ernährung achten. Am 29. Juni erfolgt der Trainingsstart. Dann gibt es vier Wochen Vorbereitung mit anspruchsvollen Gegnern und der Stadioneröffnung gegen den Zweitligisten Dynamo Dresden am 30. Juni.

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