Jena. Die Vereinsführung hat bei der FCC-Mitgliederversammlung den Auftrag erhalten, bei den Fußballverbänden für eine Legalisierung der Pyrotechnik zu kämpfen.

Toni Schley von der Ultragruppierung Horda Azzuro hat auf der Mitgliederversammlung des FC Carl Zeiss Jena den Antrag „Strafen zünden nicht“ gestellt. Vereinsverantwortliche sollen sich für eine Änderung der Strafen- und Sanktionspolitik zur Pyrotechnik im Stadion einsetzen. Die Mehrheit der anwesenden Mitglieder haben den Antrag angenommen.

„Gemeinsam mit anderen haupt- und ehrenamtlich agierenden Vereinsverantwortlichen im NOFV-Gebiet und im expliziten Austausch mit den angeschlossenen Fanszenen der Vereine soll der ungerechtfertigten, realitätsfremden und insbesondere keiltreibenden Politik beispielsweise in der Bewertung und Sanktionierung von Pyrotechnik Einhalt geboten werden“, heißt es in dem Antrag. Schley begründete den Antrag mit der veränderten Sanktionspraxis des Nordostdeutschen Fußballverbandes. Das Sportgericht darf nun Geldstrafen bis 50.000 Euro aussprechen.

Schley: Strafenpolitik treibt Keil zwischen Verantwortungsträger und die aktive Fanszene

Die Führungskraft der Ultragruppierung verwies darauf, dass die Pyrotechnik von vielen Zuschauern mit „leuchtenden Augen“ wahrgenommen und aufgenommen werde. Auf der andere Seite stehe die Diskussion, dass dies den Verein Geld koste. „Die Strafenpolitik der Verbände spaltet die Vereine, treibt einen Keil zwischen offizielle Verantwortungsträger und die aktive Fanszene“, sagte Schley. „Die Wahrheit ist, dass der absolute Großteil der Pyro-Kritik innerhalb der Vereine und Anhängerschaften nicht mit der Wirkung auf Stimmung oder einer vermeintlichen Verletzungsgefahr zusammenhängt, sondern mit der nicht lange auf sich warten lassenden Strafe für den Verein. Dieser falsche Zusammenhang muss endlich gebrochen werden.“

Nach der Niederlage gegen Lok Leipzig muntert Toni Schley die Spieler auf.
Nach der Niederlage gegen Lok Leipzig muntert Toni Schley die Spieler auf. © Tino Zippel

Der FC Carl Zeiss solle sich dafür einsetzen, dass sich Verbände als „Kläger, Richter und Henker“ nicht mit Strafbescheiden „die Taschen auf Kosten der Vereine vollschlagen“. „Noch nie sind Strafen ein taugliches Mittel gewesen, um Teile der Fankultur aus den Stadien zu verbannen. Pyrotechnik schadet den Vereinen nicht. Im Gegenteil, es kann sie attraktiver machen. Was den Vereinen schadet, ist das Strafenregime der Verbände“, sagte Schley. Die Mitgliederversammlung hatte am Sonnabend mit 250 der 5100 Vereinsmitglieder stattgefunden.

FC Carl Zeiss Jena war bereits mit Vorstoß zu Strafen für Pyrotechnik-Einsatz gescheitert

Der FC Carl Zeiss Jena hatte in der Vergangenheit bereits erfolglos bis zum Bundesverfassungsgericht versucht, die Sanktionierungspraxis des Deutschen Fußball-Bundes zu kippen. Die Argumentation setzte auf den Rechtsgrundsatz „Keine Strafe ohne Schuld“, setzte sich aber weder bei den Verbandsgerichten noch bei den ordentlichen Gerichten durch.

Live-Übertragung: FC Carl Zeiss Jena gastiert bei der VSG Altglienicke