Carl-Zeiss-Jena-Trainer Sander: "Es läuft kein Fallobst rum"

Im Interview spricht der Trainer des FC Carl Zeiss Jena über seinen Jahresrückblick, die Regionalliga und die Aussichten, RB Leipzig doch noch von der Tabellenspitze zu verdrängen.

Petrik Sander, Trainer des FC Carl Zeiss Jena. Foto: Tino Zippel

Petrik Sander, Trainer des FC Carl Zeiss Jena. Foto: Tino Zippel

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Wie fällt ihr sportlicher Jahresrückblick aus?

Zu einem Resümee gehört das ganze Jahr. Trotz des großen Rückstandes in der dritten Liga haben wir uns an die Nichtabstiegsplätze herangearbeitet. Wenn vieles zusammengekommen wäre, hätten wir den Klassenerhalt noch schaffen können.

Warum haben Sie es nicht geschafft?

Uns haben eine Portion Cleverness und eine Portion Glück gefehlt. Unser größter Konkurrent Rot-Weiß Erfurt scheint sich in dieser Saison in vergleichbarer Lage geschickter anzustellen. Sie gewinnen Spiele in der 90. Minute, während wir kurz vor Schluss entscheidende Spiele hergeschenkt haben. So mussten wir den bitteren Weg in die Regionalliga antreten.

Sind Sie mit der Entwicklung des FCC Jena in der Regionalliga zufrieden?

Was da innerhalb der 15 Spiele entstanden ist, kann sich sehen lassen.

Welcher Spieler hat den größten Entwicklungssprung gemacht?

Ich freue mich über die Entwicklung jedes Spielers, weil jeder einen Schritt nach vorn gemacht hat - der eine einen größeren, der andere einen kleineren. Wir haben gesehen, wie uns erfahrene Spieler zu Beginn gefehlt haben. Wir mussten sie reinwerfen, obwohl sie körperlich noch gar nicht in der Lage dazu waren, nehmen wir etwa Marco Riemer oder Matthias Peßolat. Es hat sich gezeigt, dass unser Spiel besser aussieht, wenn sie richtig fit sind.

Und die jungen Spieler?

An der Seite dieser Leistungsträgern können sich unsere Talente aufrichten, lernen und besser werden. Es ist ganz normal, dass junge Spieler Schwankungen unterliegen und nicht immer das hohe Niveau halten, auf dem sie teils gespielt haben.

Auf welchen Positionen sehen Sie den meisten Bedarf für Verstärkungen?

Wir müssen schauen, was wirtschaftlich machbar ist. Wir sind nicht in der Lage, den Geldbeutel rauszuholen und irgendwo Geld zu verstreuen. Dafür ist die Winterpause sowieso kein guter Zeitpunkt. Also entscheidet die wirtschaftliche Darstellbarkeit in Verbindung mit der sportlichen Effizienz über mögliche Transfers. Ich hole keinen Spieler, der nur bis zum Sommer bleibt, sondern ich würde nur Spieler holen, die in der nächsten Saison, wenn wir angreifen und den Aufstieg anpeilen wollen, weiterhelfen.

Sie wollten jeden Gegner einmal sehen, bevor Sie die Regionalliga einschätzen. Wie fällt nun ihr sportliches Urteil aus?

Es läuft kein Fallobst rum. Es ist nicht so, dass jemand die ganze Woche über strickt und sich am Wochenende trifft, um mal Fußball zu spielen. Es wird sehr professionell gearbeitet, obwohl viele das nur hinter vorgehaltener Hand zugeben. Viele, viele Vereine arbeiten unter Profibedingungen. Deswegen ist es kein Selbstläufer.

Wollen Sie im neuen Jahr vor allem den zweiten Tabellenplatz verteidigen oder machen Sie sich noch Hoffnungen auf die Meisterschaft für den FC Carl Zeiss Jena?

Wir sind gar nicht in der Lage, uns mit RB Leipzig zu vergleichen. Sportlich nicht und wirtschaftlich nicht. Im Fußball kommen aber viele Dinge zusammen. Ich habe schon die tollsten Sachen erlebt. Wir müssen bereit sein, falls ein Gegner schwächelt. Wenn er nicht schwächelt, wird es für alle Teams schwer, die dahinter stehen. Aber tritt der Fall ein, wollen wir dasein. Darauf wollen wir die Mannschaft einstellen.

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