FC Carl Zeiss Jena: Richtige Schlüsse gezogen

Jena  Ein Interview mit Sportdirektor Tobias Werner vom FC Carl Zeiss Jena zur aktuellen Lage des Regionalligisten.

Der frühere Spieler Tobias Werner (35) arbeitet seit Mai als Sportdirektor für den FC Carl Zeiss Jena.

Der frühere Spieler Tobias Werner (35) arbeitet seit Mai als Sportdirektor für den FC Carl Zeiss Jena.

Foto: Tino Zippel

Im Mai hat Tobias Werner seinen Job als Sportdirektor beim FC Carl Zeiss Jena angetreten. Im Interview spricht er über den Neuaufbau in der Regionalliga, den Fortgang der Saison und Transferpläne.

Haben Sie Ihren Wechsel vom FC Augsburg zum FC Carl Zeiss Jena bereut?

Keinen Tag bin ich traurig darüber, diesen Schritt vollzogen zu haben. Ich gehe täglich mit sehr viel Freude auf Arbeit. Wir haben eine gute Mannschaft und einen Geschäftsführer, mit dem es Spaß macht zusammenzuarbeiten. Sehr dankbar bin ich meiner Familie, dass sie mir diesen Schritt ermöglicht hat und viel Verständnis für den aufwändigen Job mitbringt.

Als Sie nach Jena gekommen sind, stand der FC Carl Zeiss abgeschlagen am Tabellenende der dritten Liga.

Anfangs stand noch die Möglichkeit im Raum, dass die Saison abgebrochen wird. Es war aber schnell klar, dass wir einen neuen Anlauf in der Regionalliga nehmen müssen. Wir sind sportlich sehr verdient abgestiegen. Aber der Verein hat aus meiner Sicht strukturell die richtigen Schlüsse gezogen, unter anderem mit der Schaffung der Stelle eines sportlichen Leiters.

Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Die Mannschaft musste noch lange Spiele in der dritten Liga absolvieren, hatte kaum Vorbereitungszeit und hat es unter diesen Voraussetzungen sehr gut gemacht. Mehr war fast nicht möglich. Gern würde ich wissen, wo wir stehen, wenn wir im Sommer eine vernünftige Vorbereitung gehabt hätten.

Wie groß war der Startvorteil der anderen Mannschaften?

Die meisten haben mit der Vorbereitung begonnen, als wir noch im Spielbetrieb der dritten Liga standen. Wir konnten erst deutlich später beginnen. Leider hat der NOFV keine Chancengleichheit gewahrt. Dennoch müssen wir auch konstatieren, dass wir in den ersten Spielen Punkte verschenkt haben, wenn ich beispielsweise an die Partien gegen den BFC und Babelsberg denke.

Danach hat die Mannschaft sechs Siege in Folge geholt. Wie sehr ärgert Sie die Woche vor dem Lockdown mit den Niederlagen gegen den FC Energie Cottbus und die VSG Altglienicke?

Mir geht es wie Trainer Dirk Kunert: Uns beide ärgern diese Ergebnisse sehr. Mit zwei Siegen mehr auf dem Konto wäre im weiteren Saisonverlauf deutlich mehr drin. Gegen Cottbus haben wir aufgrund einer schwachen ersten Halbzeit verloren. Trotz der Unterzahl war angesichts unserer vielen Chancen in der zweiten Hälfte noch mehr drin. Gegen Altglienicke hatte ich den Eindruck, dass die Spieler abgelenkt waren von dem, was bereits für die folgenden Tage feststand. Wir waren nicht so gierig wie zuvor, hatten einen rabenschwarzen Tag.

Was glauben Sie, wie es weiter geht?

Das weiß im Moment keiner, wann die Liga wieder startet. Eines kann ich versprechen: Wir werden zu diesem Zeitpunkt in einem besseren Zustand als zum Start im Sommer sein und voll angreifen.

Wie lautet Ihre persönliche Prognose, ab wann der Ball in der Regionalliga wieder rollt?

Gerade gibt es Wichtigeres als Regionalliga-Fußball. Die Entscheidung, weiter zu pausieren, war ein richtiges Signal an die Bevölkerung. Trotzdem hoffen wir schnell auf eine Ansage, wann es definitiv weitergeht, damit wir planen können. Aus meiner Sicht spricht vieles dafür, dass die Pandemie im Februar noch nicht unter Kontrolle ist und wir wohl auf März orientieren müssen. Ein Start zum früheren Zeitpunkt wäre aus meiner Sicht nur denkbar, wenn der NOFV eine Regelung findet, dass die Spieler regelmäßig auf eine Corona-Infektion getestet werden.

Der FC Carl Zeiss Jena hat sich fürs Beenden der Hinrunde mit anschließenden Playoffs ausgesprochen. Warum?

Wir halten einen Abbruch der Saison mit der Quotientenregel, wie im vorigen Jahr in der Regionalliga praktiziert, nicht für die fairste Lösung. Jetzt haben wir noch genügend Zeit, einen Modus für ein reguläres Saisonende zu besprechen, falls zu wenig Zeit für alle Punktspiele bleiben sollte. Playoffs gibt es in anderen Sportarten auch, um den Meister zu ermitteln. Aus meiner Sicht wäre das ein sehr spannendes Format auch für die Zuschauer.

Wollen Sie neue Spieler verpflichten?

Wir beschäftigen uns mit Kandidaten für die Innenverteidiger-Position. Ich stehe in einem guten Austausch mit Trainer und Scout. Allerdings machen wir Transfers abhängig von der weiteren Entwicklung. Bei einem schnellen Start oder Playoffs ist eine Verpflichtung wahrscheinlich. Bei Anwendung der Quotientenregel und Start im März bin ich mir nicht sicher, ob wir etwas machen sollten – schon allein mit Blick aufs Portemonnaie. Wir haben zudem gute Nachwuchsspieler, die wir Schritt für Schritt einbauen wollen.

Werden Sie Spieler abgeben?

Nur wenn jemand aktiv auf uns zukommt und sich verändern will. Wir selbst planen das nicht. Mit Felix Müller haben wir einen Spieler an den ZFC Meuselwitz verliehen. Er macht seine Sache dort gut und schöpft seine Leistungsfähigkeit besser aus.

Im Kader stehen einige Spieler, deren Verträge sich bei einer gewissen Anzahl von Spielen verlängern. Bangen Sie, die Leistungsträger zu verlieren, wenn nicht mehr genügend Begegnungen stattfinden?

Auch deshalb hoffe ich, dass es noch möglichst viele Spiele gibt, damit wir die Jungs bei uns behalten können. Weil die nötige Spielanzahl nicht zu hoch ist, gehe ich fest davon aus, dass wir die Spieler auch nächstes Jahr im FCC-Trikot sehen werden.

Eine Möglichkeit wäre, unabhängig von der Option mit ihnen zu verlängern.

Wir werden uns nicht erst im Mai bei den entsprechenden Spielern melden. Wir haben auf dem Schirm, frühzeitig mit ihnen zu sprechen.