FC Carl Zeiss Jena-Trainer Volkan Uluc: Es hat sich eine Liebe entwickelt

Fußball Vor einem Jahr hat Volkan Uluc den FC Carl Zeiss als Trainer übernommen. Im OTZ-Interview spricht er über den Wunsch nach neuen Spielern, Luis Suarez und seinen Aberglauben beim Fußball.

Trainer Volkan Uluc ist seit einem Jahr beim FC Carl Zeiss Jena.

Trainer Volkan Uluc ist seit einem Jahr beim FC Carl Zeiss Jena.

Foto: zgt

Sie sind einer von drei Trainern, die in den vergangenen zehn Jahren ihren ersten Jahrestag beim FC Carl Zeiss gefeiert haben. Sind Sie stolz darauf?

Ja. Vor dem Antritt vor einem Jahr sind viele Informationen, auch von Trainerkollegen auf mich eingestürmt. Der Tenor: Meine Amtszeit wird wahrscheinlich nicht lange dauern. Die Großwetterlage in Jena kann schnell von einem Extrem ins andere umschlagen. Ich bin dankbar für die Rückdeckung durch die Gremien und Lutz Lindemann und möchte das Vertrauen zurückzahlen.

Gab es eine Phase, in der Sie befürchteten, es könnte doch kritisch werden?

Der Knackpunkt war das Pokalfinale in Meuselwitz, das wir knapp gewonnen haben. Es ist schwer, in einer Saison eine Mannschaft zu übernehmen. Viele Spieler hatten zwar eine hohe Qualität, aber von ihrer Leistungsbereitschaft, von ihrer Stressfähigkeit und ihrem Charakter haben sie nicht zusammengepasst. Deshalb habe ich schon zum Beginn gesagt, dass ich nicht von Woche zu Woche Ergebnisse garantieren kann.

Was ist der Unterschied zu dieser Saison?

Als ich voriges Jahr nach Jena gekommen bin, war nach vielen Trainerwechseln die Verunsicherung groß. Damals hatte ich eine Gruppe von Spielern, jetzt habe ich eine Mannschaft.

Sind Sie mit dem bisherigen Verlauf des Jahres 2015 zufrieden?

Wir haben in Summe nur fünfmal verloren. Und das unter schwierigen Voraussetzungen, weil wir mit dem geringsten Etat der vergangenen zehn Jahre spielen. Wir setzen auf eine junge Mannschaft, und die jungen Spieler machen ihre Sache gut.

Die Entwicklung welches Spielers hat Sie am meisten beeindruckt?

Mich beeindruckt, dass sich alle Spieler in den Dienst der Mannschaft gestellt haben. Der Teamgedanke wird unheimlich hochgehalten. Da will ich keinen Spieler herausgreifen.

35 Punkte in der Hinrunde sind ein gutes Resultat. Über welche verlorenen Punkte ärgern Sie sich am meisten?

Wir haben die stärkste Abwehr. Aber mit 22 geschossenen Toren hinken wir den Erwartungen hinterher. Die 0:0-Spiele gegen Bautzen, Schönberg oder Hertha BSC II sind Partien, die wir aufgrund unserer Torchancen gewinnen müssen. Gerade im Zwickau-Spiel schmerzte die schwache Chancenverwertung.

Dank der Abwehrstärke müsste es doch für Ihre Stürmer einfacher sein: Sie wissen, dass oft schon ein Tor zum Sieg reicht.

Das ist richtig. Unsere Torquote stimmt nicht, aber wir schenken den Spielern das Vertrauen. Die Jungs haben die Qualität. Es braucht einen Brustlöser, damit die Tormaschine anspringt. Hoffentlich erarbeiten sie sich das durch Fleiß schon am Sonntag gegen Auerbach.

Oder wollen Sie sich mit einem Stürmer verstärken?

Wir schauen uns um. In unseren Händen liegt viel Verantwortung dank der guten sportlichen Ausgangslage. Wenn wir einen Spieler finden, der uns nicht nur bis zum Sommer, sondern die nächsten zwei, drei Jahre hilft, werden wir den Transfer tätigen.

Wo finden Sie solche Spieler?

Bei U23-Mannschaften gibt es Spieler mit Torjäger-Qualitäten. Einige sitzen auch in der dritten Liga auf der Bank und wollen sich verändern. Wir müssen schauen, was finanziell machbar ist.

Was fehlt Ihrem Team, um wie von Ihnen gefordert auf die Überholspur zu biegen?

Wir müssen uns in der Breite verstärken. Wir sind stolz auf unsere Innenverteidigung mit René Klingbeil und Justin Gerlach, die sehr gut gespielt hat. Aber was passiert, wenn einer von beiden mal ausfällt? Klinge hat allein in der Hinrunde schon über 30 Spiele gemacht, obwohl er in einem Alter ist, in dem man ihm auch mal eine Pause gönnen muss.

Also wollen Sie noch einen Innenverteidiger?

Wir werden maximal zwei Spieler holen, aber mit der Perspektive, dass wir im Sommer das Team kaum verändern müssen und Kontinuität wahren. Ich bin ein bescheidener Mensch, der mit gegebenen Mitteln klar kommt, aber wir sind ehrgeizig.

Was hat Wacker Nordhausen, was Jena nicht hat?

Unsere Branche staunt, wie sie einen so erfahrenen Kader finanzieren. Die Erfahrung von Pfingsten-Reddig hat unsere komplette Mannschaft nicht. Sie haben es in knappen Spielen geschafft, ihre Qualität auszuspielen, und nutzen auch Freistöße und Elfmeter eiskalt aus. Aber ich mache mir wenig Sorgen: Nordhausen muss in der Rückrunde zu allen Spitzenteams fahren. Auch zu uns. Wer die Nase vorn hat, kann sich in der Rückrunde schnell ändern.

Ist der FSV Zwickau der gefährlichere Gegner?

Neben Zwickau sehe ich auch den BFC Dynamo oder den Berliner AK als Kandidaten. Ich bin überzeugt, dass auch Teams wie Viktoria Berlin aufrüsten. Die Hürden werden somit für alle höher.

Warum brauchen Sie ein Trainingslager in der Türkei?

Die Vorbereitung ist kurz. Eine konzentrierte Woche zur Vorbereitung in der Ferne hat deshalb eine große Bedeutung. In der Hinrunde gehörte zu den Erfolgsrezepten, bei vielen Auswärtsspielen schon am Vortag anzureisen. Da kann sich die Mannschaft besser fokussieren.

Sind Sie abergläubisch?

Im Privatleben nicht, aber im Fußball. Ich trage seit Saison­beginn dasselbe T-Shirt zu den Spielen. Keine Sorge, es wird zwischendurch gewaschen. Auch schicke ich vor jedem Spiel ein Gebet hoch zu meinem Vater, der vor vier Jahren gestorben ist und zu dem ich eine sehr enge, intensive Bindung hatte.

Wie verkraften Sie Spiele wie in Halberstadt, in denen es trotz bester Möglichkeiten lange 0:0 steht?

Man leidet an der Seitenlinie. Aber Geduld gehört zum Fußball dazu. Eine Niederlage wird bei Traditionsvereinen gleich als Schwäche oder Inkompetenz ausgelegt. Aber nur mit Siegen entwickelt sich eine Mannschaft nicht weiter, es braucht auch Negativerlebnisse. Erfolg ist eine Vermeidung von Fehlern.

Werden Sie auf der Straße erkannt?

Ja. Die Menschen kommen offen auf mich zu, versuchen einen auch nach einer Niederlage wie gegen Zwickau aufzumuntern. Mich freuen Aussagen von Fans, dass sie nach jahrelanger Abstinenz wieder gern ins Stadion kommen. Mich erfüllt mit Stolz, dass wir der Mannschaft eine Identität gegeben haben und sich unsere Außendarstellung verbessert hat. Überall, wo wir hinkommen, werden wir positiv begrüßt.

Fühlten Sie sich anfangs wegen des Stimmungsboykotts im falschen Film?

Das war ungewohnt. Aber ich verstehe die Fans, dass sie ihren Verein ein Stück weit unabhängig sehen wollen. Vom Stimmungsboykott zu 18 000 Zuschauern im Pokalspiel gegen Stuttgart zeigt wie einzigartig dieser Verein ist. Unsere Heimspiele haben schon 60 000 Fans in der Hinrunde gesehen.

Wie hoch ist die Last für einen Trainer, bei einem Traditionsverein zu arbeiten?

Es hat sich eine Liebe, eine Passion, die pure Identifikation entwickelt. Hier in Jena wird vieles mit der Position als Trainer verbunden. Du musst hier immer funktionieren, Tag und Nacht. Der Job macht mir viel Spaß, aber man ist als Trainer auch ein Stück weit isoliert und einsam. Meine Erfahrungen helfen mir. Wer aber in Jena als Trainer mit wenig Erfahrung anfängt, ist zum Scheitern verurteilt.

Bleiben Sie in Jena?

Wir sind in sehr guten Gesprächen.

Wenn Sie zu Weihnachten einen Wunsch auf dem Transfermarkt weltweit frei hätten: Welchen Spieler würden Sie nehmen?

Luis Suarez vom FC Barcelona. Ich mag ihn wegen seiner ekligen Spielweise. Den würde ich gern holen, aber es wird wahrscheinlich schwer sein (lacht).

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