FC Carl Zeiss Jena: Zeitsprung zurück bei Uluc-Vertrag

Jena  Fußball Der nun alleinige Geschäftsführer beim FC Carl Zeiss hält die Vertragsverlängerung des Trainers für unwirksam und unterbreitet dem Coach ein Angebot: Wir haben Volkan Uluc dazu befragt.

Training nach der Aussprache: Volkan Uluc schickt die Mannschaft zum Konditionstanken auf die Laufbahn. Foto: Tino Zippel

Training nach der Aussprache: Volkan Uluc schickt die Mannschaft zum Konditionstanken auf die Laufbahn. Foto: Tino Zippel

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Die Spieler drehen auf der Tartanbahn des Jenaer Stadions ihre Runden, müssen mehrere Kilometer im hohen Tempo abspulen. Nachdenklich steht Volkan Uluc mit der Stoppuhr in der Hand vor der Tribüne und beobachtet die Läufe.

Anderthalb Stunden zuvor war er zum Gespräch bei Geschäftsführer Chris Förster geladen, der seit Montagabend die FC Carl Zeiss Jena Fußball Spielbetriebs GmbH allein führt. Jenen Förster hatte Uluc in der vorigen Woche verbal angegriffen.

Nach Drohung durch Investor: Existenzielle Krise für den FC Carl Zeiss Jena

Der Streitpunkt ist klar: Mit Rückendeckung von Präsidium und Aufsichtsrat hatte Lutz Lindemann als zweiter Geschäftsführer der Spielbetriebsgesellschaft den Vertrag mit Uluc um ein Jahr verlängert . Anteils­eigner Roland Duchatelet em­pfahl hingegen, die sportliche Entwicklung abzuwarten und im April über einen neuen Vertrag zu reden – deshalb unterschrieb nur Lindemann und nicht Förster das Arbeitspapier von Uluc. Dabei ist ein Geschäftsführer nicht allein vertretungsberechtigt, wenn es mehrere Geschäftsführer in der Spielbetriebsgesellschaft gibt.

Förster geht davon aus, dass die Verlängerung deshalb nicht rechtswirksam ist. Demnach läuft der bisherige Vertrag bis zum Saisonende. „Im Mai unterhalten wir uns über eine Vertragsverlängerung – das ist unser Angebot.“

Als konstruktiv bezeichnet Förster das Gespräch, in dem Uluc um Bedenkzeit bis zum kommenden Montag bat.

Volkan Uluc hat weiter Lust, für den Verein zu arbeiten

„Ich habe weiter Lust auf den Verein und die Aufgabe und will meiner Verantwortung der Mannschaft gegenüber nachkommen“, sagt Uluc, möchte aber die neue Entwicklung von seinem Berater prüfen lassen. Jener habe den Vertrag ausgehandelt – auf dessen Empfehlung habe er unterschrieben. „Die Gremien hatten entschieden. Ich habe mit der Unterschrift kein Verbrechen begangen.“

Uluc und Förster räumten ein, dass es Kommunikationsprobleme gegeben habe – vielleicht war die Aussprache der erste Schritt in eine nicht mehr für möglich gehaltene, gemeinsame Zukunft. Uluc jedenfalls machte nicht den Eindruck, dass er den Job wie einst beim BFC Dynamo hinwerfen will.

Am Montagabend hatte die Gesellschafterversammlung getagt. Die Ausgangslage war klar: Sollte Lutz Lindemann nicht als Geschäftsführer und Sport­direktor zurücktreten, drohte Duchatelet mit einer Kündigung des Kooperationsvertrages und der Darlehen – ein Insolvenz­antrag lag im Bereich des Möglichen. Doch auch in den Gremien kursierten wilde Gedankenspiele: Nach der Trennung vom Investor wollten einige den Zwangsabstieg nach einem Insolvenz­verfahren riskieren und in der Oberliga neu beginnen. Doch da die Spielrechte aktuell in der Spielbetriebs GmbH liegen, hätte womöglich ein Absturz in die Kreisklasse gedroht.

Lutz Lindemann machte schließlich den Weg frei , trat als Geschäftsführer und Sport­direktor zurück. Ob und wer auf diesen Positionen folgt, ist offen.

Vorerst führt Förster die Spielbetriebsgesellschaft ehrenamtlich allein. „Unser Ziel muss es sein, die Spielbetriebsgesellschaft so aufzustellen, dass wir kein Darlehen aufnehmen müssen, um den Stillstand in der Regionalliga zu finanzieren. Das bringt uns in eine Abhängigkeit, die zu Recht von Fans kritisiert wird“, sagt Förster. Jedoch halte er es für sinnvoll, Darlehen zum Beispiel für eine Anschubfinanzierung aufzunehmen, um künftig das Catering bei Heimspielen und die Fanartikel-Vermarktung selbst zu übernehmen.

Rein sportlich nennt Förster den Thüringenpokal als Ziel für diese Saison. „Wir wollen die Mannschaft stabilisieren. Für die neue Saison steht zeitig ein Grundgerüst, das wir im Sommer um Nachwuchsspieler und externe Verpflichtungen ergänzen wollen, um eine ordentliche Rolle zu spielen“, sagt Förster. Obwohl der Anspruch sein müsse, mittelfristig in die dritte Liga zu kommen, nannte er keinen Zeitplan für dieses Vorhaben. Getreu der Ansage des belgischen Investor Duchatelet, das Wort Aufstieg vorerst aus dem Vokabular zu streichen.

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