FCC-Kapitän Eckardt: „Wir stehen zu Recht dort, wo wir stehen“

Jena.  René Eckardt, Kapitän des Fußball-Regionalligisten FC Carl Zeiss Jena, spricht im Interview über sein Fußball-Jahr 2020, sportliche Möglichkeiten und eine persönliche Chance.

René Eckardt ist eine Identifikationsfigur beim FC Carl Zeiss Jena.

René Eckardt ist eine Identifikationsfigur beim FC Carl Zeiss Jena.

Foto: Frank Steinhorst

René Eckardt ist eine Identifikationsfigur beim FC Carl Zeiss Jena. Seit seinem achten Lebensjahr kickt der Jenenser für die Thüringer, die er in der Fußball-Regionalliga als Kapitän aufs Feld führt. Wir sprachen mit ihm über ein durchwachsenes Jahr, die Möglichkeiten nach dem Re-Start sowie die Chance, dass er noch auf 400. Pflichtspiele im Zeiss-Trikot kommt.

Wie würden Sie Ihr Fußball-Jahr 2020 zusammenfassen?

Vor einem Jahr sind wir mit hohen Erwartungen gestartet, wollten als Letzter noch etwas reißen, haben es aber nicht geschafft, die Saison zu retten. Leider Gottes sind wir zu Recht aus der dritten Liga abgestiegen. In der Regionalliga ging es schleppend los. Dann hatten wir eine gute Phase, haben viele Spiele gewonnen. Vor der Unterbrechung im November haben zwei Niederlagen diese gute Serie eingerissen. Die Pandemie tat ihr Übriges dazu. Keiner weiß, wie es weiter geht, wann es weiter geht. Am Ende wollen wir unseren Beruf ausüben.

Und Ihre eigene Leistung?

Bei einem Abstieg kann man nicht sagen, dass man zufrieden ist oder gute Leistungen gebracht hat. Ich bin aber froh, dass ich gesund war und viel spielen konnte. In dieser Saison konnte ich trotz der hohen Konkurrenz im Zentrum meistens überzeugen und habe meine Stellung im Team auch gerechtfertigt.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie den Abstieg überwunden hatten?

Das Drumherum ohne Zuschauer hat schon ein bisschen dafür gesorgt, dass die Emotionen nicht zu groß wurden und man sehr lange daran zu knabbern hatte. Es war bitter, weil schon so früh in der Saison feststand, dass wir runter müssen. Da hatten wir leider genug Zeit, um uns mit diesem Szenario auseinanderzusetzen. Es war aber auch Motivation, allen zu zeigen, dass man nicht in die vierte Liga gehört.

Im Sommer haben sich die Verhandlungen über Ihre Vertragsverlängerung lange hingezogen. War ein Vereinswechsel eine Option für Sie?

Natürlich, das habe ich bei den Verhandlungen auch klar gesagt. Ich wollte mich nicht unter Wert verkaufen. Ich habe dann auch sehr viel zurückstecken müssen. Aber ich habe die Entscheidung getroffen zu bleiben und stehe zu einhundert Prozent dahinter, auch wenn es schwierig war. Ich bin froh, weiter in Jena zu sein, weiter für den FC Carl Zeiss zu spielen.

Was hat sich unter den neuen Verantwortlichen wie Sportdirektor Tobias Werner und Cheftrainer Dirk Kunert verändert?

Mit Tobi kam einer in den Verein, der gut reinpasst, sehr viel fußballerischen Sachverstand hat und mit Chris Förster auch die wirtschaftliche Seite im Blick hat. Man merkt, dass er Bock hat, hier etwas auf die Beine zu stellen. Er ist nah an der Mannschaft dran, was es so vorher nicht gab. Der Trainer bringt genauso seine Stärken mit. Er versucht immer, das Maximum aus allen rauszuholen. So etwas brauchen wir in der Liga.

Was bedeutet es Ihnen, dass Sie heute die Kapitänsbinde, die Ihnen Ex-Trainer Lukas Kwasniok in der vorigen Saison abgenommen hatte, wieder tragen?

Wenn ein neues unbefangenes Trainerteam und auch der neue Sportdirektor unabhängig voneinander sagen, dass ich derjenige bin, dem diese Aufgabe übertragen wird, ist das schon eine große Wertschätzung. Dass sie mir damals genommen wurde, habe ich akzeptiert und wollte auch keine Unruhe ins Team bringen. Ich habe immer gesagt: Ich brauche die Binde nicht, um Fußball zu spielen!

Der FC Carl Zeiss liegt zur Unterbrechung auf dem vierten Tabellenplatz. Sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?

Wir stehen zu Recht dort, wo wir stehen. Wir hatten am Anfang vielleicht zu viele individuelle Fehler, die wir nicht korrigieren konnten. Und in den letzten beiden Spielen haben wir es nicht geschafft, gegen gute Mannschaften zu punkten. Da kann man nicht sagen, wir gehören ganz oben hin. Aber wir haben schon in vielen Spielen gezeigt, was in uns steckt. Wir müssen an uns arbeiten, uns verbessern, dann können wir auf jeden Fall noch einige Punkte aufholen.

Weil schon abzusehen ist, dass die Saison wegen der Corona-Pandemie nicht regulär zu Ende gespielt werden kann, werden verschiedene Szenarien diskutiert. Welches bevorzugen Sie?

Ich kenne nicht alle Varianten, aber die Hinrunde sollte zu Ende gespielt werden, das schafft man zeitlich. Dann wäre es aus meiner Sicht natürlich am schönsten, wenn irgendwie eine Play-off-Runde gespielt wird. Es sollte noch einmal Spannung aufkommen durch K.o.-Spiele. Wir, aber vor allem auch die Zuschauer, mussten jetzt auf so viel verzichten, da wäre so etwas gar nicht schlecht. Egal wie es kommt: Wir werden alles versuchen, um noch einmal anzugreifen.

Sie haben im September Ihr 300. Pflichtspiel für den FC Carl Zeiss bestritten. Am Saisonende läuft Ihr Vertrag aus. Wie groß sind die Chancen, dass die Zeiss-Fans auch noch Ihr 400. Pflichtspiel für ihren Herzensclub sehen können?

Ich habe eine Option, dass sich mein Vertrag nach einer gewissen Anzahl an Spielen um ein Jahr verlängert. Da müssen wir mal schauen, ob das noch so funktioniert angesichts der verkürzten Saison. Was danach passiert, kann ich jetzt noch nicht sagen. In den nächsten anderthalb Saisons schaffe ich die 400 sicher nicht. Ich würde mich aber freuen, wenn es noch klappt.

Zur Person

  • Geboren am 22. Februar 1990 in Jena
  • 1998 als Jugendspieler vom SV Lobeda 77 zum FC Carl Zeiss Jena gewechselt
  • Profidebüt mit 18 Jahren im Oktober 2008 im Drittliga-Spiel gegen Dynamo Dresden
  • Von 2013 bis 2014 über ein Jahr verletzungsbedingt pausiert
  • 2016/2017 Kapitän der Jenaer Mannschaft, die in die 3. Liga aufstieg
  • Mittlerweile 304 Pflichtspiele für den FC Carl Zeiss (34 Tore/36 Vorlagen)

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