FCC kritisiert RB Leipzig wegen aggressivem Kampf um Talente

Der FC Carl Zeiss Jena kritisiert die harten Bandagen, mit denen der nächste Fußball-Regionalliga-Gegner RB Leipzig um Nachwuchsspieler kämpft. Der Verein werbe bewusst von anderen Leistungszentren die Talente ab, sagt der Jenaer Nachwuchsleiter Hans-Jürgen Backhaus.

Hans-Jürgen Backhaus leitet das DFB-Nachwuchsleistungszentrum des FC Carl Zeiss Jena und verweist auf eine erfolgreiche Zertifizierung. Foto: Tino Zippel

Hans-Jürgen Backhaus leitet das DFB-Nachwuchsleistungszentrum des FC Carl Zeiss Jena und verweist auf eine erfolgreiche Zertifizierung. Foto: Tino Zippel

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Jena. Der Sportdirektor der Sachsen, Ralf Rangnick, hatte in einem Interview angekündigt, dass es zu den Hauptaufgaben in Leipzig gehöre, in einem Umkreis von 150 bis 200 Kilometer die jeweils Besten im Jahrgang in den Verein zu holen. "Wir müssen aufpassen, dass die abgebenden Vereine nicht auf der Strecke bleiben", warnt Jenas Cheftrainer Petrik Sander. "Delegierungspraxis vom Umland nach Berlin hatten wir zu DDR-Zeiten."

Der FC Carl Zeiss verzeichnet bereits erste Abgänge. "Von uns haben sie im Sommer Justin Schau, den talentiertesten Spieler des Jahrganges 1998, verpflichtet", sagt Backhaus. RB locke mit materiellen Dingen wie der "Einkleidung von A bis Z, Auslandsreisen und 600 bis 800 Euro für 15- bis 16-jährige Spieler". Dem FC Carl Zeiss blieb in diesem Fall gerade eine Ausbildungsentschädigung von 1600 Euro. "Und sie sind an weiteren Spielern dran. Gerichtsfeste Verträge können wir erst mit Spielern ab dem zweiten B-Junioren-Jahrgang schließen. Wohlwissend haben wir mehr Junioren unter Vertrag genommen", sagt Backhaus. Aktuell seien 17 Talente der A- und B-Junioren gebunden, die nach den DFB-Richtlinien monatlich mindestens 250 Euro erhalten. Durch diese Verträge profitieren abgebende Vereine bei einem Wechsel finanziell stärker.

Der einfache Zugriff auf jüngere Spieler sei aber möglich, obwohl er ab 1. Januar 2013 vom Deutschen Fußball-Bund unterbunden wird. Ein Vertrag mit allen Leistungszentren sieht vor, dass untereinander keine Talente abgeworben werden. Für RB gelte das nicht: "Sie sind noch kein offiziell anerkanntes DFB-Leistungszentrum."

Die Leipziger arbeiten äußerst professionell in der Sichtung. "Sie beobachten alle Altersklassen und legen Wert darauf, die Talente im direkten Leistungsvergleich zu inspizieren", berichtet Backhaus. So frage RB häufig an, ob Jena nicht Zusatzspiele unter der Woche vereinbaren wolle.

Backhaus räumt ein, dass es normal sei, wenn größere Clubs Spieler von kleineren Vereinen verpflichten und weiter ausbilden. "Aber es ist sehr fragwürdig, wenn nicht gar unlauter, sich bei Leistungszentren zu bedienen. Die Spieler sind in Jena genausogut aufgehoben. Die Infrastruktur kann mithalten, wir haben sehr gute Bedingungen und dank der gewachsenen Strukturen eine bessere schulische Ausbildung als in Leipzig."

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