Regionalliga-Reform könnte für Fußball-Oberliga das Aus bedeuten

Unattraktiv und zu teuer über die Fußball-Regionalligen fällt momentan kaum ein gutes Wort. Die drei Staffeln Nord, West und Süd werden von Fans und Vereinen gleichermaßen kritisch unter die Lupe genommen.

Für eine Reform der Fußball-Regionalliga werden vom Fanverein Darmstadt 98 fleißig Unterschriften gesammelt.

Für eine Reform der Fußball-Regionalliga werden vom Fanverein Darmstadt 98 fleißig Unterschriften gesammelt.

Foto: zgt

Löbichau. Jüngste Opfer der unwirtschaftlichen Ligen sind TeBe Berlin (Staffel Nord), Waldhof Mannheim, Rot-Weiss Essen, Bonner SC (alle West) sowie der 1. FC Einheit Bamberg und der SSV Reutlingen (beide Süd). Alle sechs Mannschaften mussten aus finanziellen Gründen, obwohl sie teilweise den Klassenerhalt geschafft hatten, in der vergangenen Spielzeit zwangsabsteigen. Deswegen hallt der Ruf nach einer Reform durch die Fußball-Stadien, zumal ab der Saison 2012/2013 weitere Einbußen drohen. Die bisher 90 000 Euro an Fernsehgeldern, die jeder Verein pro Saison kassiert (2. Mannschaften sind ausgenommen), fallen dann zu Gunsten der Drittligisten weg.

Jüngst nach vorn geprescht in der Diskussion um eine Regionalliga-Reform sind die Fans des SV Darmstadt 98. Schon über 10 000 Unterschriften sammelte der Fanverein Darmstadt 98 deutschlandweit. Unterstützung gab es auch aus Thüringen. Allen voran die Fans des ZFC Meuselwitz, des einzigen Thüringer Regionalligisten, die allein über 200 Unterschriften beisteuerten.

Besonders die 2. Mannschaften der Profi-Vereine sind den Darmstädtern ein Dorn im Auge. Wettbewerbsverzerrung gebe es, weil immer wieder auch Profi-Spieler zum Einsatz kommen. Außerdem seien Reserve-Teams unattraktive Gegner, die die Fans nicht sehen wollen, was eine Minderung der Zuschauereinnahmen nach sich zieht.

Deswegen die Forderung: Ab der Saison 2012/13 soll es nur noch zwei Regionalliga-Staffeln geben – ohne 2. Mannschaften. Die Staffelsieger sowie der Sieger aus dem Relegationsspiel zwischen den zwei Staffel-Zweiten steigen in die 3. Liga auf.

Die 2. Mannschaften bleiben unter sich in einer eigenen Staffel. Auch hier steigt der Meister dieser Liga in die dritthöchste deutsche Spielklasse auf. Als Absteiger soll dann aber automatisch die schlechteste der dann maximal vier 2. Mannschaften der 3. Liga feststehen.

Ein Modus mit dem sich Hubert Wolf nicht so recht anfreunden kann. Der Präsident des ZFC Meuselwitz hält die Forderung nach einer Regionalliga ohne 2. Mannschaften nicht für umsetzbar. Er befürworte aber, so Wolf, eine Reduzierung der 2. Mannschaften auf maximal vier bis fünf Teams pro Staffel. Neun Reserve-Teams wie derzeit in der Süd-Staffel oder gar zehn wie in der West-Staffel hält er für problematisch.

Ein Gegner des Reformvorschlags der Darmstädter ist Rainer Milkoreit. Der Präsident des Thüringer Fußball-Verbandes gibt zu bedenken, dass die Regionalligisten bei nur zwei Staffeln extrem hohe Fahrtkosten hätten, weil sie zu den Spielen dann durch ganz Deutschland reisen müssten. Angesichts der wegfallenden TV-Gelder ab 2012/13 "kann sich das kaum ein Verein leisten".

Milkoreit selbst plädiert für eine Aufstockung auf fünf oder sechs Regionalliga-Staffeln. Die drei Aufsteiger in die 3. Liga sollen dann in Relegationsspielen zwischen den jeweiligen Staffelsiegern ermittelt werden. Der Auftstockung der Regionalligen würde aber die Fußball-Oberliga zum Opfer fallen. Diese würde nicht mehr benötigt. "Auch die Oberliga ist kaum zu finanzieren", erklärt Milkoreit. In den kommenden Wochen werden die verschiedenen Modelle beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), der die Verantwortung trägt, diskutiert. Eine endgültige Entscheidung fällt auf dem DFB-Bundestag am 21. und 22. Oktober in Essen.