Sogar Carl Zeiss AG fördert Jenaer Fußballstiftung

Eine unabhängige Stiftung in Jena kümmert sich fortan um den Nachwuchs und öffnet so das Portmonee des Konzerns. Sie will Kinder an den Fußball heranführen und Trainer fördern, um mehr Spitzentalente zu finden.

Bilden den Vorstand der neuen Jenaer Stiftung, die den Kinder- und Jugendfußball unterstützt: Hartmut Beyer (links) und Stefan Treitl. Foto: Tino Zippel

Bilden den Vorstand der neuen Jenaer Stiftung, die den Kinder- und Jugendfußball unterstützt: Hartmut Beyer (links) und Stefan Treitl. Foto: Tino Zippel

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Jena. »Nur über mehr Breite werden wir wieder mehr Spitzentalente finden«, sagt Stefan Treitl. Der Lehrer des Jenaer Sportgymnasiums steht der neuen »Kinder und Jugendfußballstiftung Jena« vor. Gemeinsam mit dem ehemaligen Präsidenten des FC Carl Zeiss Jena, Hartmut Beyer, will er sich darum kümmern, Gelder für die Nachwuchsförderung einzuwerben.

Die Idee entstand schon, als Beyer beim Fußballverein noch in Amt und Würden war. »Wir stehen heute unter dem Zwang, schon in der Jugend Talente aus anderen Regionen anzuwerben, um im Nachwuchsbereich konkurrenzfähig zu bleiben«, sagt Treitl. »Dem wollten wir durch eine bessere Ausbildung in unserer Region entgegenwirken«, fügt der frühere Fußballer an, der zugleich beim FC Carl Zeiss Jena engagiert ist. Die Stiftung, darauf weist er ausdrücklich hin, sei aber unabhängig vom Fußball-Regionalligisten. Alle Vereine mit Nachwuchsarbeit in der Saalestadt und Umgebung profitieren von den eingeworbenen Geldern.

Das Stiftungskapital beträgt 45 000 Euro. Selbst wenn das Geld dauerhaft mit vier Prozent Zinsen angelegt wird, kann die Stiftung mit diesen Erlösen keine großen Sprünge machen. »Deshalb sind wir auf der Suche nach Spendern«, sagt Hartmut Beyer. Besonders stolz ist er, bereits einen großen Förderer gefunden zu haben. Die Carl Zeiss AG zahlte aus ihrem Regionalfonds 20 000 Euro und das, obwohl sie den nach ihr benannten Fußballverein bislang jede Förderung verwehrte. Hintergrund ist das breitensportlich angelegte Engagement der Stiftung.

Das wird beim Blick auf die Projekte deutlich. Zum einen schließt die Stiftung Patenschaften mit Sportvereinen, zunächst aus dem Jenaer Stadtgebiet, unter anderem mit dem SV Schott Jena oder dem FF USV Jena. Sie erhalten Zuschüsse für den Materialeinkauf, um in Kindergärten und Schulen Fußball-Arbeitsgemeinschaften anzubieten. »Außerdem beteiligen wir uns an den Aufwandsentschädigungen für die Leiter der Arbeitsgemeinschaften«, sagt Beyer.

Weiterer Ansatzpunkt ist die Ausbildung der Nachwuchstrainer. Sie sollen regelmäßig an Seminaren teilnehmen können. »Die Qualität der Ausbildung ist noch nicht in allen Vereinen so gut, wie sie sein könnte«, schätzt Treitl ein. Ein erster Kurs zum Thema Ballbeherrschung sei bereits sehr gut angenommen worden. Drei weitere sollen in diesem Jahr folgen.

Über Patenschaften setzt die Stiftung aber auch bei konkreten Projekten an. So hilft sie einem Trainer des FC Carl Zeiss, der im Nachwuchsbereich arbeitet, bei der Finanzierung der A-Lizenz. Aber auch Talente kommen in den Genuss einer Unterstützung. Wer durch gute Leistungen auffällt, kann eine Patenschaft erhalten, mit der eine monatliche Förderung von bis zu 100 Euro verbunden ist. Wer in den Genuss kommt, ist noch nicht entschieden. Berücksichtigung sollen auch Kinder sozialschwacher Familien finden, die beispielweise Probleme haben, den Vereinsbetrag aufzubringen.

Nächste Woche will die Stiftung die ersten Nachwuchsspieler auszeichnen, die durch gute fußballerische Leistungen, aber auch durch ihr Engagement innerhalb der Mannschaft auffallen. »Und ihr Notenschnitt muss besser als 2,5 sein«, nennt Treitl eine weitere Bedingung für die Ehrung.

Die Zahl der unterstützten Projekte richtet sich nach der Höhe der Spenden. »Wir wollen kein Geldautomat für die Vereine sein, sondern gezielt helfen und einen Beitrag leisten, dass Kinder und Jugendliche in Bewegung bleiben«, sagt Beyer und zückt ein Taschenbuch. »Die Kunst des Bettelns« heißt der Ratgeber mit 100 Tipps zum Spendensammeln.

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