ZFC Meuselwitz-Präsident:„Seriöse Aufteilung der fünf Regionalligen nicht möglich“

Meuselwitz  Der Aufstieg in die 3. Fußball-Liga soll reformiert werden. Die Frage ist nur: Wie? Ein Gespräch mit Hubert Wolf, Präsident des ZFC Meuselwitz

Hubert Wolf (50) vertritt die Interessen der Ober- und Regionalligisten im Präsidium des NOFV.

Foto: Imago/opokupix

Hubert Wolf hat den Reformprozess in Deutschlands Regionalligen wie kaum ein Zweiter verfolgt. Der Präsident des ZFC Meuselwitz gehörte als Vereinsvertreter des Nordostdeutschen Fußball-Verbands (NOFV) der adhoc-Kommission an, die nach dem Beschluss des Bundestages des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) einen Vorschlag über eine Reduzierung von bisher fünf auf vier Staffeln unterbreiten sollte. Ziel war es, dass die dann vier Regionalliga-Staffelsieger direkt aufsteigen. Aktuell wird noch eine Relegation gespielt. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt Wolf, warum das nicht umzusetzen war und beleuchtet die Alternativen.

Herr Wolf, eigentlich hieß der Auftrag des DFB-Bundestages doch, aus fünf Regionalligen vier machen. Warum hat das nicht geklappt?

Das Thema war mit zusätzlichen Feinheiten versehen. Da spielen Dinge eine Rolle wie die Fläche eines Regionalverbandes und wie viele Fußballmannschaften einem Verband angehören. Es gibt keine Lösung, die der Prämisse des DFB-Bundestages entspricht. Eine seriöse Aufteilung ist nicht möglich.

In diesem Zusammenhang wurde ja auch von der Quadratur des Kreises gesprochen.

Richtig. Der unsägliche Zustand, den wir in Deutschland haben, ist: Auf etwa 36 Prozent der Fläche sind 52 Prozent aller fußballspielenden Erwachsenenmannschaften verteilt – nämlich im Westen und Südwesten. Und dadurch haben die zwei Verbände mit einer Fläche von 36 Prozent eine Stimm­hoheit im DFB-Bundestag.

Und haben den „Schwarzen Peter“ mit der Aufteilung dem Norden, Nordosten und Bayern zugeschoben.

Naja, es war zumindest abzusehen, dass die beiden Verbände es so eingeteilt hätten, dass das ganze Elend den Norden, Nordosten und Bayern trifft. Deshalb haben wir damals gesagt: Wir müssen sehen, dass wir die Kuh hier vom Eis kriegen. Und wir haben den Vorschlag gemacht, dass der Südwesten und Westen ihre zwei Aufsteiger sicher haben und alles andere regeln der Norden, Nordosten und Bayern unter sich.

Waren Sie sauer, weil der Südwesten und Westen wenig Kompromissbereitschaft in den Gesprächen zeigten?

Die Regionalverbände haben erst einmal grundsätzlich die Interessen ihrer Vereine wahrzunehmen. Es waren aber alles sachliche Gespräche.

Was würde bei einer Aufteilung der Regionalliga Nordost passieren?

24 Vereine, die jetzt noch viertklassig sind, wären auf einmal fünftklassig. Und die Fahrtkosten in einer Regionalliga, die sich über 35 bis 40 Prozent der deutschen Fläche erstreckt, wären für normale Vereine kaum realisierbar.

Also wurde nach Alternativen gesucht.

Genau. Die Verbände haben ihre Vereine befragt. Und bei allen herrschte eine große Mehrheit, dass die drei Regionalligen in ihrer bisherigen Struktur erhalten bleiben müssen.

Also auch in Bayern und im Norden.

Ja, das wurde in München bei einem gemeinsamen Gespräch deutlich. Wir wollen nicht zerlegt werden. Und aus Bayern will auch keiner nach Leipzig oder Bautzen fahren. Die Regionalliga ist die Champions League für Arme. Da ist es erstrebenswert, Fahrtstrecken zu den Auswärtsspielen hinzubekommen, wo man nicht zwingend übernachten muss.

Was muss passieren, damit alle fünf Regionalligen bestehen bleiben können?

In München hat zum ersten Mal Reenald Koch, früher Präsident des FC St. Pauli, heute von Eintracht Norderstedt, den Vorschlag gemacht, die 3. Liga in zwei Staffeln aufzuteilen.

Was scheinbar auf wenig Gegenliebe gestoßen ist, denn der neue Vorschlag, der beim erneuten Treffen vor Kurzem in Peißen gemacht wurde, heißt ja, die 3. Liga auf 22 Mannschaften aufzustocken.

Das hat sich aber aus dem ersten Vorschlag entwickelt.

Würden 22 Teams nicht den Spielrahmen sprengen?

Wenn die Landesverbände damit einverstanden wären, dass die Drittligisten erst ab dem Viertelfinale im Landespokal starten, hätten die betroffenen Mannschaften auch nur ein Spiel mehr zu absolvieren. Und der DFB, der gerade eine Akademie für die doppelte der geplanten Summe baut, könnte für die Finanzierung der zwei weiteren Mannschaften sorgen, damit alle Klubs die gleichen Einnahmen haben wie bisher. Es könnte also die finanzielle Ausstattung sowie der Spielplan abgesichert werden.

Und der Wunsch der Fans, dass Meister aufsteigen, wäre erfüllt, weil alle fünf Regionalligen einen Aufsteiger bekommen würden und aus der 3. Liga fünf Teams absteigen.

Genau. Dieser Vorschlag ist auf jeden Fall zu berücksichtigen.

Es gab aber auch noch einen weiteren Vorschlag. Nämlich, dass Nord, Nordost und Bayern weiter eine Relegation spielen. Das würde allerdings dem Ursprungsgedanken widersprechen, dass Meister aufsteigen müssen.

Relegation gab es schon immer. Zum Beispiel im Norden, wo die Oberligisten für den Aufstieg in die Regionalliga seit Menschengedenken durch die Relegation müssen. Auch in anderen Sportarten gibt es sie.

Aber wenn ein Teil der Fans die Relegation nicht will?

Es geht hauptsächlich um die Ultragruppierungen. Die wirtschaftlichen Probleme sind Sache der Vereine, nicht der Fans. Und alle können davon ausgehen, dass sich die Vereine etwas dabei denken, wenn sie so entscheiden.

Am Ende schaut einer der drei Meister aus Norden, Nordosten und Bayern aber in die Röhre.

Als Kompensation könnte der Unterlegene einen festen Startplatz im DFB-Pokal bekommen. Dann hätte er zumindest eine finanzielle Entschädigung.

Wer muss in die Relegation in den drei Regionalligen?

Ein Meister würde fest aufsteigen. Wer das ist, würde weiter nach dem bisherigen System bestimmt. Und die anderen beiden Staffelsieger würden in Hin- und Rückspiel den zweiten Aufsteiger ermitteln.

Welchen Vorschlag präferieren Sie eigentlich?

Ich sag mal so: Vor drei, vier Monaten wäre eine Aufstockung der 3. Liga noch undenkbar gewesen. Jetzt wird darüber sehr intensiv diskutiert. Am Ende muss eine konsensfähige Lösung gefunden werden, mit der alle leben können.

Wann fällt die Entscheidung?

Die Regionalverbände werden, aufbauend auf dem Votum von Peißen, jetzt einen Vorschlag für den DFB-Bundestag im September einreichen. Erst dort wird entschieden.

Kommentar: Der Gordische Reformknoten für die Fußball-Regionalliga

Die drei meist diskutierten Vorschläge zur Reform im Überblick

1 Aufteilung der Regionalliga Nordost

  • Alle Meister (Staffelsieger) der dann vier Regionalligen steigen auf
  • Im Norden, Nordosten und Bayern gäbe es im ersten Jahr nach der Aufteilung insgesamt 24 Teams, die aus der 4. Liga absteigen
  • Höhere Kosten entstehen durch größere Anfahrtswege für die meisten Vereine, weil die beiden neuen Ligen ja eine größere Fläche als bisher abdecken müssen
  • Der Wegfall einiger traditionsreicher Duelle müsste in Kauf genommen werden

2 Relegationsspiel zwischen Nord, Nordost und Bayern

  • Aus den Regionalligen der drei Verbände steigt ein Team fest auf, zwei andere spielen eine Relegation
  • Der feste Aufsteiger wechselt jede Saison
  • Regionalligen bleiben in ihrer jetzigen Form erhalten
  • Ursprungsziel, dass Meister aufsteigen müssen, würde damit nicht erreicht
  • Eine finanzielle Kompensation für den Relegations-Unterlegenen durch einen festen Startplatz im DFB-Pokal ist möglich

3 Die 3. Liga wird auf 22 Teams aufgestockt

  • Die Regionalligen blieben erhalten
  • Durch dann fünf Absteiger in der 3. Liga würden alle Staffelsieger aufsteigen
  • Die mit ohnehin 20 Mannschaften schon große 3. Liga würde noch gigantischer werden
  • Noch mehr Teams müssten sich die Einnahmen teilen
  • Spielplan-Kompensation durch späteren Einstieg der Drittligisten in den Landespokal möglich
  • Finanzielle Kompensation durch DFB nötig

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