VfR Bad Lobenstein: Heiko Becker nimmt Team in die Pflicht

Bad Lobenstein/Teistungen.  Als Top-Favorit gestartet strauchelte der VfR in der Hinrunde gewaltig. Im Interview erklärt der Trainer, dass er die vergessen machen will.

Hoch die Beine: Unter den fachkundigen Augen von VfR-Coach Heiko Becker wurden von Bad Lobensteins Kickern im Trainingslager in Teistungen nicht nur fußballspezifische Übungen absolviert.

Hoch die Beine: Unter den fachkundigen Augen von VfR-Coach Heiko Becker wurden von Bad Lobensteins Kickern im Trainingslager in Teistungen nicht nur fußballspezifische Übungen absolviert.

Foto: Bernd Schneider

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Und so reisten die Fußballer des VfR Bad Lobenstein, die als zweimaliger Vizemeister und vermeintlicher Top-Favorit auf die Meisterschaft der Landesklasse eine mäßige Hinrunde spielten, in ein dreitätiges Trainingslager nach Teistungen im Eichsfeld. Im Interview gewährt VfR-Trainer Heiko Becker einige Einblicke, erklärt warum man nie zufrieden sein sollte und spricht über eine Schuldigkeit seiner Mannschaft.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass sich der VfR Bad Lobenstein ins Trainingslager aufmachte. War es eine Reaktion auf die mäßige Hinrunde?

Auch. Allein schon dieser schlechte, ja katastrophale Saisonstart machte es notwendig, mal für drei Tage ins Trainingslager zu fahren, um den Teamgeist richtig zu stärken und das eine oder andere, gerade im Abwehrverhalten, abzuarbeiten.

Der Fokus liegt also weniger auf fußballerischen bzw. athletischen Aspekten, sondern vor allem auf dem sogenannten Teambuilding?

Das Teambuilding allgemein steht an erster Stelle. Der Zusammenhalt, dass jeder für jeden da ist und für den anderen in die Bresche springt sind wichtige Punkte. Auch dass jeder einzelne mehr Verantwortung übernimmt.

Teistungen liegt zwar in Thüringen, ist aber nicht gerade um die Ecke. Wie fiel die Wahl darauf?

Vor neun Jahren waren wir schon einmal dort und damals hat einfach alles gepasst. Es sind Top-Bedingungen. Allein wenn man hört und liest, dass auch einige Bundesligisten ihr Trainingslager dort abhalten, weiß man: Es ist alles vom Feinsten.

Wie läuft denn ein Trainingslager beim VfR Bad Lobenstein ab?

Wir hatten einen strukturierten Ablaufplan. Freitagmittag sind wir losgefahren, 16 Uhr stand die erste Trainingseinheit an. Danach gab es ein leichtes Abendessen vor dem ersten Testspiel. Samstag ging es 7 Uhr mit einer Lauf- und 9 Uhr mit einer Trainereinheit weiter. 13 Uhr war schon wieder Anstoß in Bad Langensalza und abends war Wellness bzw. ein Teamabend angesetzt. Sonntag gab es 7 Uhr nochmal eine gute Laufeinheit und danach das Abschlusstraining. Alle haben gut mitgemacht und da kann ich der Truppe einfach Respekt zollen.

Zum Pensum gehörten auch zwei Testspiele. Wie zufrieden waren Sie damit?

Mit der Zufriedenheit ist das immer so eine Geschichte. Es ist ein Ausdruck, der gefährlich ist. Wenn du zufrieden bist, bleibst du in der Entwicklung irgendwo stehen. Das Spiel gegen Wüstheuterode war okay. Sicherlich hätten wir noch höher als 3:2 gewinnen können. Gegen Bad Langensalza hat sich der eine oder andere verletzungsbedingt abgemeldet und der Fokus lag, wie auch gegen Wüstheuterode, darauf, möglichst vielen Spielen ihre Einsatzzeit zu geben. Über 65, 70 Minuten war es gegen einen Landesligisten okay.

Und letztlich fielen beim 7:4 satte elf Tore.

Es war eine Umgewöhnung auf einen relativ engen, schmalen Kunstrasen. Viel ging über das Tempo und klar waren irgendwann die Kräfte weg. In den letzten Minuten haben wir sogar in Unterzahl gespielt. Fakt ist eins: Die ersten 65, 70 Minuten haben wir gute Chancen herausgespielt und hatten immer eine Antwort parat.

Mit Juri Hajcenko stand ein Angreifer in beiden Partien in der Startelf, der in der Hinrunde gar keine Rolle spielte. Ist er auch eine Option für die Pflichtspiele?

Jeder – auch von der zweiten Mannschaft – ist eine Option, wenn er sich im Training und den Vorbereitungsspielen anbietet. Wir arbeiten wie andere auch leistungsorientiert und wenn jemand den Willen hat, erste Mannschaft zu spielen, und das Leistungsniveau da ist, bekommt er seine Chance.

Am Trainingslager nahmen auch Martin Wirth und Daniel Dittmar teil, bei den Spielen suchte man sie aber vergeblich im Aufgebot. Wann sieht man sie wieder im VfR-Trikot?

Nicht nur die beiden, auch Richie Steinbach, Tim Gössinger und Nick Wachter sind auf einem guten Weg. Sie machen ein gutes Aufbautraining, aber es ist schwierig da einen Zeitpunkt zu nennen. Wir wollen auch keinen Druck aufbauen. Wir hoffen, dass es bis zum Rückrundenstart klappt und wenn nicht, dann müssen wir uns eben weiter in Geduld üben. Wichtig ist, dass die Verletzungen gut verheilen und sie dann zu 100 Prozent fit sind.

Gibt es denn zur Rückrunde personelle Veränderungen?

Abgänge haben wir nicht, mit Hendrik Röppischer kehrt ein alter Bekannter zurück. Er wäre sicher hier und da eine Option.

Er ist also ein Kandidat für die erste Mannschaft?

Ja sicher. Wenn jemand in der zweiten Mannschaft seine Leistung bringt und sich für höhere Aufgaben, sprich in der Landesklasse, anbietet, hat er auf jeden Fall seine Chance, ins Spiel zu kommen.

In den vergangenen Jahren war Bad Lobenstein in der Rückrunde stets erfolgreicher als in der ersten Saisonhälfte. Können Sie den VfR-Fans versprechen, dass sich das in dieser Saison wiederholt?

Was heißt versprechen? Es geht zunächst darum, zu versuchen, die schlechte Vorrunde vergessen zu machen. Da sind wir einfach irgendwo in der Pflicht. Wenn alle mitziehen und hochmotiviert sind – und das sind sie zur Zeit –, werden wir auf alle Fälle eine gute Rückrunde spielen. Wir wollen versuchen, gerade in den ersten Spielen, den Derbys, die Punkte zu holen, die wir liegen lassen haben. Ausschlaggebend wird es sein, wie wir in die Rückrunde hineinkommen.

Der Rückstand zur Spitzengruppe ist dank des guten Endspurts mit fünf Siegen aus den letzten sechs Punktspielen nicht unendlich hoch. Ist es denkbar, sogar noch vorne anzugreifen?

Wir müssen erst einmal von Spiel zu Spiel sehen, dass wir unsere Leistung bringen. In der Liga kann jeder jeden schlagen. Das hat die Hinrunde gezeigt. Ein Punktepolster kann auch schnell einmal schmelzen oder aus welchen Gründen auch immer eine Negativserie beginnen. Machbar ist alles, Fakt ist aber eins: Du musst permanent deine eigenen Hausaufgaben machen. Wenn du das machst, ist einiges möglich.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren