Geraer Speedskaterin beendet internationale Laufbahn und wird Trainerin

Gera.  Dreimal Weltmeisterin und 15-Mal Europameisterin: Speedskaterin Sabine Berg beendet nun ihre internationale Laufbahn. Als Trainerin bleibt die Geraerin aber ihrem Sport treu

Abschied mit Bronze: Sabine Berg freut sich über Marathon-Bronze bei den World Roller Games 2019 in Barcelona..

Abschied mit Bronze: Sabine Berg freut sich über Marathon-Bronze bei den World Roller Games 2019 in Barcelona..

Foto: Jens Lohse

Mit Sabine Berg, dreimal Weltmeisterin und 15-Mal Europameisterin, beendet eine Große des Speedskatings ihre Laufbahn. Doch in die Ecke stellt die 30-jährige Geraerin die Inliner längst nicht.

Die Inliner sind Ihnen quasi in die Wiege gelegt worden, oder?

Nicht ganz. Damals hätten es auch noch Rollschuhe sein müssen. Aber ganz überraschend kommt es natürlich nicht, dass ich Speedskaterin geworden bin.

Ihre Mutter Katharina war 49 Mal DDR-Meisterin, meisterte den Umstieg von den Rollschuhen zu den Inlinern und schaffte nach der Wende auch den Sprung in die gesamtdeutsche Auswahl. Was haben Sie von ihr lernen können?

Die Liebe zum Sport. Zielstrebigkeit, Fleiß.

Wann standen Sie denn das erste Mal auf Rollen?

So mit eineinhalb Jahren bin ich mit meinen ersten Rollschuhen durchs Wohnzimmer gerollt und wenig später, das haben mir meine Eltern erzählt, durfte ich an den Händen der Geraer Sportler ein paar Runden auf der Rollschnelllaufbahn drehen.

Der Anfang war gemacht. Was fasziniert Sie am Inline-Speedskating?

Einfach alles. Die Geschwindigkeit, die Technik und die Taktik, die eine immer größere Rolle auf den langen Strecken spielt.

Und nun das Ende Ihrer Laufbahn?

Ja, zumindest, was die Nationalmannschaft anbelangt. Kleinere Wettkämpfe in der Region werde ich noch bestreiten, dafür mache ich das viel zu gerne.

Der Entschluss ist länger gereift?

Ja, schon. Zum einen habe ich viel erreicht und zum anderen komme ich nicht mehr so zum Trainieren, wie ich es müsste, um international vorn mit dabei sein zu können. Ich habe Familie, unser Sohn ist dreieinhalb Jahre alt. Um Ihrer Frage zuvor zu kommen. Wenn er nicht Speedskater wird, geht die Welt auch nicht unter (Lacht!).

Der Beruf fordert Sie?

Ja, ich arbeite als Polizistin im Schichtdienst, die Prioritäten haben sich verschoben. Der Sport steht nicht mehr an Nummer eins. Vielleicht hätte ich mit einem Start bei den Europameisterschaften meinen Abschied vom internationalen Sport gegeben. Aber Corona hat den Sport ja fast zum Erliegen gebracht.

Sie wären auf der Marathonstrecke an den Start gerollt?

Genau. Die Ausdauer habe ich, was vielleicht fehlt, ist die Spritzigkeit, um jede Attacke mitgehen zu können. Aber ich hätte schon noch mithalten können.

Auf der langen Distanz sind Sie nach Ihrer Babypause im vergangenen Jahr noch einmal WM-Dritte geworden und haben viele damit überrascht.

Auch mich hat es überrascht, dass ich nach so kurzer Zeit intensiven Trainings wieder vorn dabei sein kann. Eigentlich bin ich ohne den ganz großen Plan nach Barcelona geflogen. Die Familie war mit, der Marathon mein einziger Start. Im Rennen sind alle zusammen geblieben und es ging dann in der Innenstadt auf die Zielgeraden. Und anders als bei etlichen Starts zuvor, hatte ich auch mal das Glück, nicht eingebaut zu sein, konnte mit sprinten und am Ende Dritte werden. Diese Medaille hat einen Ehrenplatz in unserer Vitrine im Flur.

Gibt es noch ein Rennen, das Sie hervorheben würden?

Ja, die WM 2009 werde ich nie vergessen, da habe ich meine drei Titel geholt. Gold über 20.000-Meter- Ausscheidungsfahren, mit der Staffel und im Marathon an. Und an den Marathon bei meiner letzten Junioren-EM in Heerde kann ich mich auch noch gut entsinnen. Schnell hatte sich eine Spitzengruppe mit sechs Italienerinnen und mir gebildet. Ständig musste ich einen Ausreißversuch vereiteln, ein Loch zulaufen – immer eine andere zog davon. Ich dachte schon, das schaffst du nicht. Und dann habe ich den Zielsprint gewonnen.

Sie haben so viel erreicht und so viele Erfahrungen gesammelt in Ihrem Sport. Das geht doch hoffentlich nicht alles verloren?

Vom Verband kam schon die Anfrage, ob ich als Trainerin der deutschen Juniorenauswahl mitarbeiten möchte. Da musste ich nicht überlegen, habe mich über die Offerte gefreut, bin dabei meine B-Lizenz als Trainerin zu machen. Praktische Erfahrungen konnte ich schon bei uns im Verein sammeln können und in Lehrgängen haben wir schon das Projekt Sportler trainieren Sportler gefahren. Der Perspektivwechsel ist nicht ohne. Ich finde die Aufgabe sehr spannend und freue ich auf die ersten Lehrgänge und Wettkämpfe mit der Juniorenauswahl.