HBV Jena 90: 10.000 Kilometer im Kollektiv zurückgelegt

Jena.  10.000 Kilometer legten Handballer des HBV Jena 90 bei einem internen Wettkampf gemeinsam zurück

Jugendwart Oliver Dubnack und Nachwuchstrainerin Fabienne Nicht vom HBV Jena. Beide nahmen an der Challenge teil.

Jugendwart Oliver Dubnack und Nachwuchstrainerin Fabienne Nicht vom HBV Jena. Beide nahmen an der Challenge teil.

Foto: Oliver Dubnack / OTZ

Der Ehrgeiz hatte Oliver Dubnack gepackt. Aber mal so richtig. Und das auch noch an einem Sonntagabend. Der Jugendwart des HBV Jena 90 entschloss sich kurzerhand, zehn Kilometer durch das Jenaer Paradies zu joggen. Das wiederum mag im ersten Moment nicht sonderlich ambitioniert klingen, doch am selben Tag hatte er bereits 100 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Ja, eigentlich wollte er nach der strapaziösen Fahrt rund um Jena nur noch den Sonntag gediegen ausklingen lassen. Das radelnde Unterfangen erstreckte sich in Gänze über zehn Stunden und außerdem hatte er auch noch eine Panne. Jetzt aber Feierabend. „Ich war einfach nur völlig durchgefroren und fertig.“

Dass Dubnack nach der wahrlich ausgiebigen Fahrradtour noch einmal die Laufschuhe schnürte, war in erster Linie der HBV-Challenge geschuldet. Dabei handelte es sich um einen internen Wettkampf des Handballvereins aus Jena, an dem alle Vereinsmitglieder teilnehmen durften, um im Kollektiv 10.000 Kilometer zu absolvieren. Und so brachen Minis, Jugendspieler, die 1. Frauen- und Männermannschaft, Handballer im fortgeschrittenen Alter sowie Vorstandsmitglieder auf, um fleißig Kilometer zu sammeln.

In den vergangenen vier Wochen gingen sie joggen, wandern oder fuhren Rad und präsentierten anschließend mit Hilfe einer Tracking-App ihr kilometerhaltiges Tagwerk in einer Whatsapp-Gruppe.

Dort wiederum standen dann alle Zeichen auf Addition. Gleichzeitig konnte jeder Teilnehmer sehen, was andere so geleistet hatten. So auch Dubnack.

„Ich musste an jenem Sonntagabend feststellen, dass mich bei den Kilometern im Laufen eine Nachwuchsspielerin überholt hatte“, berichtet Dubnack. Daraufhin habe er sich noch einmal von der Couch aufgerafft, um noch eine ausgiebige Runde zurückzulegen. Alles für das kollektive Ziel – zum einen. Zum anderen für den eigenen Ehrgeiz.

Es liegt nun dem 22-jährigen Studenten der Werkstoffwissenschaft wahrlich fern, sich in den Vordergrund zu drängen, doch in seinem Agieren spiegelt sich das eigentliche Anliegen des HBV-Wettkampfs wider: Motivation. Binnen vier Wochen lief er stolze 330 Kilometer.

„Ich laufe gerne, aber ohne die Challenge wäre es deutlich weniger gewesen. Ich war voll motiviert“, sagt der Jugendtrainer. Er verweist jedoch auch darauf, dass sich sein Alltag seit dem Lockdown sehr verändert habe. „Ich war sechsmal in der Woche beim Kinder- und Jugendtraining, hatte dreimal in der Woche selbst Training und am Wochenende Spiele – und jetzt muss man sich halt überlegen, was man mit dem Mehr an Zeit anstellt.“

Dubnack, der für die 2. Mannschaft des HBV Jena spielt, war dann auch federführend bei der Entwicklung der Challenge. Am Vorabend des zweiten Lockdowns setzte sich der Vorstand zusammen. Gemeinsam suchten die Mitglieder einen Anreiz, mit dessen Hilfe man die Handballer und Mitarbeiter des Vereins für sportliche Betätigungen motivieren könne. Doch es ging ihnen nicht allein nur um den Sport während des Lockdowns. Denn in Zeiten der sozialen Distanzierung war es den HBV-Verantwortlichen auch sehr wichtig, dass das „Wir-Gefühl“ aufrechterhalten werde. Ergo: Man benötigte ein gemeinsames Ziel – und das war eben die Geburtsstunde der Challenge.

„Wir mussten uns einfach etwas einfallen lassen. Etwas, bei dem sich alle Altersgruppen einbringen können. Es ist ja nicht gerade einfach in diesen Tagen. Eine gewisse Kreativität war auf jeden Fall vonnöten“, sagt Dubnack.

Magische Grenze erreicht

Am 3. November begann der Wettbewerb, der bis zum 30. November gehen sollte. Einen Tag vor Ablauf der Frist, am vergangenen Sonntag, wurde die magische Grenze von 10.000 zurückgelegten Kilometern schließlich erreicht. Nach einem etwas holprigen Start in der ersten Woche, in der die Marke von 2500 Kilometern nicht geknackt werden konnte, legten die Challenge-Teilnehmer in den beiden folgenden Wochen eine Schippe drauf. Fast 5700 Kilometer kamen da zusammen, so dass in den finalen sieben Tagen „lediglich“ 1800 Kilometer im Kollektiv noch gesammelt werden mussten.

Am Ende einer jeden Woche wurden die besten Einzelakteure ermittelt – und auch da habe man eine deutliche Entwicklung ausmachen können, berichtet Dubnack. Konnte man in der ersten Woche beim Laufen noch mit einer Gesamtstrecke von 45 Kilometern und beim Radeln mit 190 Kilometern gewinnen, waren es in der dritten Woche bereits 85 beziehungsweise 320 Kilometer.

„Das war schön anzusehen. Immer mehr sind der Gruppe beigetreten und haben sich gegenseitig motiviert. Ja, mitunter haben sie sich regelrecht angestachelt“, sagt Dubnack.

Rund 100 HBV-ianer gingen dabei laufen, über 60 griffen bei dem Wettbewerb auf das Fahrrad zurück. Der eine oder andere betätigte sich gar als Läufer und Radsportler – sowie Oliver Dubnack beispielsweise. Doch wie schon gesagt, der Nachwuchstrainer möchte nur bedingt über sich selbst referieren. Umgehend verweist er auf Susi Müller, Leiterin der Geschäftsstelle des HBV Jena 90.

„Sie hat sehr viele Kilometer mit dem Fahrrad beigesteuert, obwohl sie ein kleines Kind hat“, sagt Dubnack. Auch die Frauen um Trainerin Claudia Gresch seien sehr engagiert gewesen. Gleiches würde auch für HBV-Kapitän Kevin Elsässer-Pech oder Nils Nasgowitz von der Männermannschaft gelten, wobei Letzterer notgedrungen auf das Drahtesel zurückgreifen musste, da er sich im letzten Oberliga-Spiel am Fuß verletzt hatte und an Laufen fürs Erste nicht zu denken war.

Außerdem gab es für jeden zurückgelegten Kilometer 20 Cent von einem Online-Ticketshop. Das Geld wiederum soll der Kinder- und Jugendarbeit des Vereins zugutekommen.

Ach ja, nach der Radtour und dem Lauf an jenem Sonntag gönnte sich Oliver Dubnack erst einmal ein zweites Abendbrot. „Ich hatte ein richtiges Hungerloch“, sagt der Jugendwart. Danach gab es noch eine große Portion Eis – obwohl ihm recht kalt war. Da hat jemand tatsächlich Feuer mit Feuer bekämpft.