„In zwei oder drei Jahren kommen wir zurück“

Gera  Interview Die BSG Wismut Gera verabschiedet sich am Pfingstsonntag um 14 Uhr gegen Chemie Leipzig aus der Fußball-Oberliga

Wismut-Präsident Frank Neuhaus stehen weitere arbeitsreiche Wochen bevor.

Foto: Jens Lohse

Wismut-Präsident Frank Neuhaus hat derzeit viel zu tun. Hinter den Kulissen wird an der Mannschaft für die nächste Saison gearbeitet, die nach dem Rückzug aus der Oberliga in der Verbandsliga spielen wird.

Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation bei Wismut?

Der Rückzug aus der Oberliga ist natürlich sehr schmerzhaft, erfolgte aber wohl überlegt. Deshalb habe ich für manch negative Äußerungen aus dem Umfeld des Vereins auch kein Verständnis. Es ist doch ehrlicher und verantwortungsvoller diesen Weg zu gehen, wenn er aus finanziellen Gründen erforderlich ist.

Im Vorstand wird angepackt?

Ja, natürlich. Besonders lobenswert ist der Zusammenhalt. Wir sprechen eine Sprache. Es geht um den Verein, nicht um einzelne Personen. Wir arbeiten an der Zukunft. Aus dem Vorstand trägt keiner Schuld an der derzeitigen Lage. In zwei oder drei Jahren wollen wir wieder in der Oberliga sein. Wir basteln fleißig an der neuen Mannschaft, führen viele Gespräche. Jeden Tag sind drei, vier Spieler da.

Wonach wählen Sie aus?

Wir wollen, dass die Spieler wieder verstärkt einen Bezug zu Gera haben. Das Gros des Kaders steht bereits. Zwar sind weniger Spieler aus dem Oberliga-Team geblieben als gedacht. Entwicklungsfähige Kicker aus der zweiten Mannschaft wie Tom Präger oder Maximilian Weiß werden sich versuchen. Hinzu kommen ein paar A-Junioren wie Jonas Scherzer, Maximilian Cherouny, Lionel Kirstein, Niklas Rauh und Leon Stein.

Wer hat nach derzeitigem Stand noch unterschrieben?

Dimitri Puhan, Chris Söllner, Phillip Roy, Felix Richter, Florian Schubert und Raphael Börner werden auch im neuen Spieljahr für Wismut auflaufen. Vom VFC Plauen kommt mit Benjamin Keller ein 22-jähriger Mittelfeldspieler. Als sportlichen Leiter konnten wir Martin Dolecek gewinnen. Der Tscheche stand einst im Tor des BFC Dynamo und des 1. FC Lok Leipzig. Er hat viele Kontakte und ist heiß auf den Job.

Wie sieht es mit einer Rückkehr von Rico Heuschkel aus?

Er hat am Mittwoch endgültig zugesagt, wird zu Wismut Gera zurückkehren.

Der Verein scheint gewappnet für die Thüringenliga?

Ja, die neue Saison wird interessant. Wir gratulieren Westvororte zum Aufstieg, Weida zum Klassenerhalt. Weitere Derbys gibt es gegen Ehrenhain und Eisenberg. Gern würden wir gleich das Auftaktspiel gegen Westvororte bestreiten. Unser Ziel ist es, eine neue Mannschaft zu formen und die Finanzen zu ordnen. Wir ziehen noch ein paar Schulden hinter uns her, die es loszuwerden gilt.

Die Sponsoren ziehen mit?

Ja, erst letzten Mittwoch hat Trikotsponsor Wolf sein Engagement bei uns im gleichen Umfang für ein weiteres Jahr verlängert. Am Sonntag vor dem Spiel gegen Chemie Leipzig wird zudem ein Ausrüstervertrag für die neue Saison mit dem Fansportshop Winkler unterzeichnet.

Mit den letzten Ergebnissen in der Oberliga können Sie nicht zufrieden sein.

Nein, das kann ich nicht. Auf der einen Seite kann ich die Spieler verstehen, dass die allerletzte Motivation verloren geht, wenn ein Verein vor Saisonende seinen Rückzug bekanntgibt. Aber andererseits müssen sich die Spieler mit ihren Leistungen bei anderen Vereinen empfehlen und dann liefern einige wie in Halle unterirdische Leistungen ab. Bis jetzt ist nur klar, dass Christopher Lehmann nach Ehrenhain und Joseph Gröschke nach Spremberg wechseln. Da haben sich die aufnehmenden Vereine auch schon gemeldet.

Wer wird am Pfingstsonntag vor dem Spiel gegen den BSG Chemie Leipzig alles verabschiedet?

Jegor Jagupov, Stefan Raßmann, Nicolas Kriebel, Philipp Katzenberger, Marcel Nolde, Marco Pusch und Timo Slawik verlassen den Verein. Wir lassen auch Spieler ziehen, bei denen wir aufgrund der vertraglichen Situation nicht hätten einwilligen müssen. Aber wir wollen niemanden in seiner Entwicklung im Wege stehen.

Was gibt es für die Zuschauer zu beachten?

Die Geraer Anhänger müssen wieder über das Elsterufer ins Stadion der Freundschaft. Die Haupttribüne ist immer noch gesperrt. Wir empfehlen den einheimischen Zuschauern die öffentlichen Verkehrsmitteln zu benutzen oder das Auto in Heinrichsgrün am Kunstrasen zu parken. Wir bitten um Verständnis, dass wir den Eintritt um einen Euro erhöhen mussten, weil gegen Chemie Leipzig besondere Sicherheitsvorgaben erfüllt werden müssen, die für uns einen beträchtlichen Mehraufwand bedeuten.

Wann nimmt der neue Trainer Marcus Dörfer seine Arbeit bei Wismut Gera auf?

Nach dem letzten Landesklasse-Punktspiel am 15. Juni geht es für ihn hier los. Trainingsauftakt soll der 9. Juli sein. Am 14. Juli steht im Rahmen eines kleinen Trainingslagers das erste Testspiel in Silbitz auf dem Programm.

Wie geht es sonst weiter im Verein?

Die zweite Mannschaft wird weiterhin von Roy Beck und Nico Engelstädter trainiert, verfügt über einen 19er Kader und eine gute Mischung aus Jung und Alt. Die dritte Mannschaft wird aufgelöst und kehrt zum SV Aga zurück. Im Nachwuchsbereich nehmen unsere D-Junioren an der Talenteliga teil. Die B-Junioren sind sportlich aus der Verbandsliga abgestiegen, doch könnte es sein, dass die Zahl der Aufsteiger nicht ausreicht, so dass uns die Verbandsliga erhalten bleiben könnte. Das entscheidet sich noch.

Zwei weitere Höhepunkte stehen noch an?

Am Pfingstsonnabend sind wir der Gastgeber für den Kreispokal-Finaltag des KFA Ostthüringen. Nacheinander finden alle sechs Kreispokalendspiele von den F- bis zu den A-Junioren am Steg statt. Da haben wir schon im Vorjahr viel Lob erhalten. Am 15. Juni steigt dann unser Spiel- und Bewegungsfest mit dem letzten Punktspiel der Kreisoberliga-Elf gegen Rüdersdorf. Dazu sind alle Mitglieder und Interessenten eingeladen.

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