JC Jena: Besonders stolz auf die Goldmädchen

Jena.  Beim 24. Internationalen Sparkassen-Pokal des JC Jena überzeugt insbesondere der weibliche Nachwuchs von der Saale

Lothar Gwosdz gratuliert der Siegerin Marie Jochum vom JC Jena.

Lothar Gwosdz gratuliert der Siegerin Marie Jochum vom JC Jena.

Foto: Peter Poser / OTZ

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Lothar Gwosdz war auf Effektivität getrimmt. Der Trainer des JC Jena sinnierte bei den Siegerehrungen des 24. Internationalen Sparkassen-Pokals nicht sonderlich herum, schließlich gab es dergleichen viele am Wochenende im Sportforum in Jena, wo sich über 700 Athleten aus ganz Deutschland, Österreich, Tschechien und Polen bei dem renommierten Nachwuchsturnier die Ehre gaben. Gwosdz hatte bei den Auszeichnungen stets das Kommando am Mikrofon inne, benannte ohne großes Wenn und Aber die erfolgreichsten Akteure, bat sie aufs Treppchen, um sie mit ihren Medaillen und Urkunden auszustatten. Schnell noch ein Foto, kollektive Verbeugung und schließlich noch eine Verabschiedung. Bei den quasi letzten Worten, die der JC-Haudegen an die diversen Vereinsmitglieder und Honorierten richtete, handelte es ich dann in schöner Regelmäßigkeit um Stilblüten der Marke „tschüssikowski“ und „bis baldski“. Erstere soll ja angeblich aus aus der Serie „Die 2“ (1970 bis 1971) um Roger Moore und Tony Curtis stammen. Ob nun Lothar Gwosdz jene Serie einst konsumierte, ist indes nicht bekannt.

Doch es gab auch am Wochenende den einen oder anderen Moment, an dem der quasi Laudator kurz innehielt, weil er sich über ein Ergebnis besonders freute. Meistens dann, wenn ein JC-Protagonist erfolgreich war, womöglich auch noch ganz oben auf dem Treppchen für ein paar flüchtige Momente verweilen durfte. So handhabte er es beispielsweise am ersten Wettkampftag, als Marie Jochum in der U18 triumphierte. Da schwang bei Gwosdz reichlich Stolz mit.

Die 16-jährige Jenenserin, die sich seit ihrem fünften Lebensjahr dem Judo-Sport widmet, ging zuversichtlich auf die Matten, auch wenn es in den Vorjahren nicht ganz so gut für sie lief. „Ich bin schon ein bisschen stolz“, sagte Jochum nach der Siegerehrung durch und durch bescheiden. Drei Kämpfe bestritt sie am Sonnabend, die von ihrem Verlauf her nicht unterschiedlicher hätten sein können. Dauerte der erste Kampf lediglich zehn Sekunden, erstreckte sich das zweite Duell über zehn Minuten. Letztlich konnte sie denn zweiten Kampf für sich entscheiden, da ihr Gegenüber zu passiv agierte, was wiederum mit drei Verwarnungen geahndet wurde. „Das war alles sehr aufreibend, zehn Minuten sind wirklich sehr lang“, resümierte Jochum. Das Finale erstreckte sich für die Jenenserin dann über lediglich vier Minuten. In der letzten Sekunde gelang ihr schließlich noch ein Wurf, der ihr den Sieg über Pia Hegel aus Halle sicherte.

Das Turnier als solches besitzt für Marie Jochum eine große Bedeutung. Zwar konnte sie nicht exakt beziffern, wie oft sie schon mit von der Partie war, doch es mangle nicht an Teilnahmen ihrerseits. Und die Athletin hat ein Ziel, möchte sie sich doch unbedingt für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren. Damit es jedoch nicht bei reinem Wunschdenken bleibt, wird der Schützling von Landestrainer Jan Schneider am 1. Februar erst einmal an den Landesmeisterschaften in Schmalkalden teilnehmen, wo sie einen der ersten fünf Plätze erreichen muss. „Das sollte machbar sein“, sagte Jochum. Danach müsste sie sich dann bei den Mitteldeutschen Meisterschaften behaupten.

Das Besondere am Judo sei indes, dass man irgendwann in den Untiefen eines Kampfes einfach so kaputt sei, dass man nicht mehr über jede Bewegung und jedes Manöver nachdenken würde. „Da ist man dann im Tunnel, alles kommt intuitiv“, erläuterte die 16-Jährige. Außerdem könne man sich beim Judo auch so richtig auspowern, führte Jochum weiter aus, die den braunen Gürtel ihr Eigen nennen darf, jedoch mit einem blauen antrat. Sie habe schlichtweg noch keine Zeit gehabt, sich einen brauen zu kaufen.

Bei der Endabrechnung sprangen für den Judo Club Jena insgesamt 22 Medaillen heraus. „Das ist eine starke Bilanz und auch ein Beleg für unsere gute Kinder- und Jugendarbeit“, sagte JC-Trainerin Kassandra Walluks, die insbesondere auf ihre „Goldmädchen“ stolz war, konnten doch neben Marie Jochum auch noch Iman Madeava (U11/-25,2 kg) und Lina Sporbert (U11/-34,2 kg) triumphieren. Darüber hinaus zeigte sich Walluks auch mit den Ergebnissen in der Altersklasse U13 sehr zufrieden. „Ich war in der U13 von zwei bis drei Medaillen ausgegangen, aber am Ende waren es sogar fünf. Dazu gesellten sich noch zwei 5. Plätze, was wiederum beachtlich ist für ein wirklich gut besetztes Ranglistenturnier.“

Für Lotta Zeier, die für den TSV Germania 1887 Neustadt antrat, mutierte der Pokal indes zu einer echten Bewährungsprobe, musste sie sich doch zum ersten Mal in der U15 behaupten – und traf umgehend auf die Landesmeisterinnen aus Thüringen und Sachsen. „Sie ging mutig in die Kämpfe, verfügte aber mit ihren zwölf Jahren noch nicht über die Erfahrung ihrer Kontrahentinnen“, resümierte Abteilungsleiter Udo Kiuntke. Einzig und allein im dritten Kampf konnte Lotta Zeier ihre Stärken demonstrieren und beendete den Kampf vorzeitig nach 40 Sekunden mit ganzem Wertungspunkt – und damit sprang für sie ein dritter Platz heraus.

Und Lothar Gwosdz? Dem JC-Haudegen schmerzte nach dem Pokal am Sonntag die Hand, was wiederum nicht weiter verwunderlich war, hatte er doch mehrere hundert Urkunden beschriftet. Er zweifelte am Ende sogar daran, ob dergleichen noch zeitgemäß sei. Kurzerhand hörte er sich diesbezüglich um – und siehe da, die jungen Athleten gaben ihm zu verstehen, dass sie die Urkunden durchaus schätzen würden. Nicht wenige würden sie sich sogar als quasi Erinnerung an die Wand hängen. Gwosdz staunte. Ein kleiner Triumph des Analogen im digitalen Zeitalter. Oder wie heißt es doch so schön in der Studierzimmer-Szene von Goethes „Faust“: Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.

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