Kegeln ist Kopfsache

Zeulenroda  Interview der Woche mit Anna Müller vom SV Pöllwitz, die erstmals für die WM der Aktiven im Kegeln nominiert wurde

Anna Müller wurde 2016 in Kroatien U23-Weltmeisterin.

Anna Müller wurde 2016 in Kroatien U23-Weltmeisterin.

Foto: Privat

Keglerin Anna Müller erlebt vom 17. bis 26. Mai in Rokycany ihre erste WM bei den Aktiven. Mit dem SV Pöllwitz hat die 25-Jährige eine famose Saison gespielt, als Aufsteiger wurde die Mannschaft von Trainer Ronny Hahn Deutscher Vizemeister. Im Interview spricht die Zeulenrodaerin über die Mannschafts-WM in Tschechien, ihre mentale Vorbereitung und warum sie sich in Zeulenroda so wohl fühlt.

Deutschland startet am Freitag als Titelverteidiger in die Mannschafts-WM in Tschechien. Sie sind das erste Mal in dieser Altersklasse dabei. Wie beurteilen Sie die Chancen?

Wir sind Titelverteidiger, alle schauen auf uns. Aber von der Mannschaft, die vor zwei Jahren in Dettenheim den Titel geholt hat, sind nur noch drei Spielerinnen dabei. Im Prinzip sind wir eine neue Mannschaft, die sich erst finden muss. Aber die Stimmung in der Mannschaft ist gut – wir kennen uns ja aus der Bundesliga.

Kommt es für Sie überraschend, dass Sie für die WM aufgestellt wurden?

Ich hatte schon gehofft, dass es klappt. Als U23-Weltmeisterin hatte ich schon einen Fuß in der Tür, und ich habe geliefert, die Ergebnisse in der Bundesliga waren okay, auch wenn ich vor allem auswärts noch ab und an etwas besser spielen sollte.

Die WM in Rokycany ist eine Mannschafts-WM, eine Einzel-WM gibt es erst wieder im nächsten Jahr. Der Modus der Titelkämpfe entspricht also dem der Bundesligavergleiche, es gibt das Duell Frau gegen Frau. Ein Vorteil?

Ja und nein. Du hast natürlich den Druck, das Duell möglichst zu gewinnen, den Mannschaftspunkt zu sichern, darfst aber auch nicht verkrampfen, denn die Holzzahl ist ja genauso wichtig. Aber es ist richtig, ich habe wenige Turniere gespielt, die Bundesligasaison stand im Vordergrund.

Bei den Deutschen Einzel-Meisterschaften vor kurzem waren Sie nicht dabei.

Das war ganz anders gedacht. Der Verband hatte die Deutschen Meisterschaften extra vorverlegt. Die Jahre zuvor waren die Titelkämpfe immer im Juni, also nach der WM und die Nationalspielerinnen waren nach der Saison und der WM ganz schön platt und haben die DM oft ausgelassen. Nun der frühere Termin und ausgerechnet an dem Wochenende fand ein Länderkampf gegen Serbien statt. Die Serben, bei den Männer die weltbeste Mannschaft, konnten nur diesen einen Termin vorschlagen – also haben wir die Länderspiele gespielt.

Das Länderspiel ging verloren, dennoch zufrieden mit der WM-Vorbereitung?

Ja, wir haben viel trainieren können. Wir waren in Bamberg, Werdau und Zwickau. Neben dem Spiel gegen Serbien und gegen Tschechien gab es auch ein Spiel gegen eine gemischte Mannschaft aus Auerbach. Das wurde extra am Abend auf 18.30 Uhr angesetzt.

Am Abend, weil das auch die Zeit ist, wenn Sie bei den Weltmeisterschaften auf die Bahn gehen?

Genau. Wir beginnen bei Meisterschaften meist schon früh um neun, in der Bundesliga geht es meist 13 Uhr los. Sich auf ein Abendspiel vorzubereiten, das ist schon noch einmal etwas anderes – da muss man den Tagesablauf anders ausrichten. Deshalb der Test in Auerbach am Abend.

Kegeln ist ja vor allem Kopfsache. Wie stellen Sie sich auf die Weltmeisterschaften ein?

Es hilft mir schon, wenn ich zur Erwärmung meine Musik höre. Aber Sie haben schon recht, was das Kegeln anbelangt, kann ich momentan nicht mehr so viel herausholen, die Abläufe stimmen. Aber an meiner mentalen Stärke muss ich arbeiten, da gibt es Reserven.

Zum Beispiel?

Läuft es in einem Spiel mal nicht rund, fallen die Kegel nicht wie sie sollen, dann passiert es schon mal, dass man sich runterziehen lässt. Aber genau das darf nicht passieren. Da muss man sich klar machen, dass es weiter gehen muss. Dann muss man im Kopf das Spiel auf Null setzen und wieder loslegen.

Hört sich einfach an.

(Lacht). Ja, wenn es das wäre. Ich habe da für mich auch noch nicht das Richtige gefunden, bin noch auf der Suche. Die Abende vor der WM ziehe ich mir noch paar CDs rein, die sich um das Thema drehen, vielleicht finde ich ja den Dreh.

Acht Spielerinnen sind für die WM nominiert. Wie stehen die Chancen, dass Sie auch eingesetzt werden?

In der Vergangenheit war es immer so, dass alle acht Spielerinnen auch eingesetzt wurden. Davon gehe ich aus. Wir werden sehen, wer wie auf der Bahn zurechtkommt.

Die acht Bahnen für eine WM-Entscheidung sind immer nagelneu, da hat noch keiner einen Wettkampf bestritten.

So ist es. Das bietet Chancengleichheit – und das ist auch der Grund, weshalb nur bei einer Weltmeisterschaft Rekorde anerkannt werden.

Und nach der WM? Was passiert mit den Bahnen?

Die Bahnen werden wieder abgebaut und meistens bei zwei unterschiedlichen Vereinen wieder aufgebaut, die sich zuvor beworben hatten.

Wird es denn auch einen Fanclub geben bei der WM?

Ja, Lars Heinig und seine Truppe werden die komplette Woche vor Ort sein. Gebucht hatten sie bereits schon lange vor der Nominierung– und jetzt habe ich sogar lautstarke Unterstützung.

So wie in der Bundesliga. Ist die Saison noch im Kopf?

Dass wir als Aufsteiger Vizemeister geworden sind, das wird einen immer begleiten. Aber im Moment liegt der Fokus auf der WM. Dann werde ich wohl eine Pause machen. Ja, und dann geht es wieder Richtung Bundesliga und im Oktober starten wir beim Europapokal in Kroatien.

Wird Platz zwei noch einmal möglich sein?

Das wird schwer. Aber wir setzen uns immer hohe Ziele.

Welchen Anteil hat Trainer Ronny Hahn am Erfolg des SV Pöllwitz?

Einen großen. Der Trainer schaut auf das, was auf der Bahn passiert. Gibt es mal Reibereien und Problemchen, dann klären wir acht Weibsen das untereinander. Der Trainer hält sich raus, macht wie gesagt, das Sportliche.

Sie bleiben also dem SV Pöllwitz erhalten?

Ich fühle mich wohl, ich bin von Pausa nach Zeulenroda gezogen, wohne in der Nähe der Kegelbahn. Meine Familie ist hier, ich habe nach meinem dualen BWL-Studium beim Kaufland in Plauen als Abteilungsleiterin angefangen. Meine Chefin bringt sehr viel Verständnis auf für meinen Sport – es passt alles.

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.