Klein, aber fein: Anja Rücker gründet den Bad Lobensteiner Track Club

Andreas Rabel
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Anja Rücker hat den Bad Lobensteiner Track Club gegründet. Foto: Peter Poser

Anja Rücker hat den Bad Lobensteiner Track Club gegründet. Foto: Peter Poser

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Anja Rücker ist bei sich zu Hause im doppelten Sinn. Die 40-Jährige gründet in Bad Lobenstein in ihrem Heimatort ist sie Ehrenbürgerin einen Leichtathletik-Club. Mit dem Bad Lobensteiner Track Club kehrt sie zu ihren Wurzeln zurück.

"Mit der Leichtathletik, insbesondere den Hürden und dem 400 m- Sprint geht es hierzulande bergab", sagt sie. Das liegt daran, dass längst nicht alles in den richtigen Bahnen verläuft. Also, warum sich über andere ärgern, dann doch lieber etwas Eigenes auf die Beine stellen. Mit ihrem Konzept ist sie in Bad Lobenstein mit offenen Armen empfangen worden. Noch steckt der Track Club für Sprint, 400 m und Hürdensprint in den Kinderschuhen. "Wir sind am Anfang, sind noch klein." Doch klein, dafür fein, soll er auch bleiben, der Track Club. Wenigen Ausgewählten soll der Weg in die internationale Spitze geebnet werden. Anja Rücker, WM-Zweite über 400 m von 1999 in Sevilla, hat den Vorsitz übernommen. Das Training leitet Falk Balzer, EM-Zweiter im Hürdensprint 1998 – seine Mutter Karin, in Tokio 1964 Olympiasiegerin im Hürdensprint, steht beratend zur Seite.

Trainiert wird im neuen Bad Lobensteiner Stadion. Doch allein beim fleißigen Üben soll es nicht bleiben. "Unser Ansatz ist komplexer, ganzheitlicher", sagt Anja Rücker. Eine Zusammenarbeit mit dem örtlichen Gymnasium, das zwei Sekunden vom Stadion entfernt ist, gibt es bereits, die medizinische Versorgung ist abgesichert. Für die Regeneration der Athleten ist in den Thermen gesorgt. Firmen aus der Region kooperieren mit dem Track Club, um bei dem beruflichen Werdegang zu unterstützen. "Die Möglichkeiten einer dualen Ausbildung sind bei uns breit gefächert." Im Bad Lobensteiner Track Club gehe es um Profisport. "Aber ich war auch nie nur Leichtathletin", sagt Anja Rücker. Und auch wie Karin Balzer, ihre damalige Trainerin es handhabte, soll im Bad Lobensteiner TC einmal am Tag, mit hoher Intensität, trainiert werden. "Wir schnüren für die Sportler ein Rundumpaket", sagt sie. "Dafür verlangen wir aber Disziplin und Leistungsorientierung. Das kann man für zwei Stunden am Tag erwarten." In erster Line kommt die Schule, dann der Sport und danach die Party. "Wir haben alle gelernt, uns weiterentwickelt. Und wir wissen, wie es geht und auch in welche Fettnäpfchen man nicht mehr treten sollte."

Es sei ein herrliches Gefühl gewesen, in der Weltspitze mitzulaufen und dort mitzumischen. Doch der Weg dahin ist lang und steinig. "Uninteressante Jugendmeistertitel haben wir unseren Sponsoren und Fördern nicht versprochen. Mein Konzept ist langfristig angelegt." Die Sportler vom Track Club sollen bei den Erwachsenen ihre großen Erfolge feiern.

Karl-Heinz Balzer hat in den 50er Jahren die moderne Hürdentechnik maßgeblich mitentwickelt und seinem Sohn Falk all sein Wissen mitgegeben. Im Sprint oder im Hürdensprint gehe es darum, "natürliche Bewegungsabläufe zu perfektionieren". Dieses visuelle Können hat Falk von seinem Vater mitbekommen, "was für mein Konzept ein Vorteil ist, um dementsprechende Athleten vorab herausfiltern zu können". In der Freiluftsaison soll der Track Club erstmals in Erscheinung treten. Alle Formalitäten sind geklärt. Der Track Club steht dank der Unterstützung der Stadt und den Sponsoren auf einer soliden Grundlage. Es kann losgehen. Bislang startet die Geraerin Lisa Balster (16) für den Bad Lobensteiner Track Club. Ende Januar beginnt mit der 13-jährigen Marie Christ die erste Bad Lobensteinerin das Training. "Einzig über die Clubfarben herrscht noch keine Einigkeit." Es verstehe sich von selber, das solch ein Konzept nicht im allüblichen Einheitsbrei dargestellt wird.