Markus Meißgeier aus Zollgrün sagt nach über 15 Jahren dem Leistungssport Tschüss

Leichtathletik: Im Gespräch mit Markus Meißgeier , der mit einem Sieg beim Park- und Seelauf in Hof im Oktober seine Laufbahn als Leistungssportler beendete.

Markus Meißgeier – extra fürs Pressefoto hängte er vor wenigen Wochen seine Laufschuhe an den symbolischen Nagel. Der Zollgrüner war über 15 Jahren als Leistungssportler läuferisch auf einem sehr hohen Niveau unterwegs. Seit Oktober ist nun offiziell Schluss damit. Seiner großen Lauf-Leidenschaft frönt er jetzt nur noch im Hobby-Bereich. Foto: Uwe Lange

Markus Meißgeier – extra fürs Pressefoto hängte er vor wenigen Wochen seine Laufschuhe an den symbolischen Nagel. Der Zollgrüner war über 15 Jahren als Leistungssportler läuferisch auf einem sehr hohen Niveau unterwegs. Seit Oktober ist nun offiziell Schluss damit. Seiner großen Lauf-Leidenschaft frönt er jetzt nur noch im Hobby-Bereich. Foto: Uwe Lange

Foto: zgt

Hängen Ihre Laufschuhe jetzt wirklich an diesem berühmten Nagel?

So ist es! Aber man sollte nie nie sagen, dass es wieder mal losgeht – vielleicht in einigen Jahren, wenn unsere Kinder etwas größer sind. Eine Rückkehr in die Laufszene wäre dann aber wirklich nur noch im Hobby-Bereich möglich.

Über 15 Jahre Leistungssport sind eine lange Zeit. Plagen Sie möglicherweise schon Entzugserscheinungen?

Momentan ist das noch nicht so der Fall. Aber man möchte schon jeden Tag Laufen gehen. Ich versuche die Woche über bei der Bundeswehr fünfmal zu trainieren und am Wochenende für die Familie da zu sein. Das ist eigentlich jetzt so das Ziel. Aber auf diesem Niveau kann man eben nicht erfolgreich sein.

Wenn Sie jetzt die Laufschuhe nur noch zum Vergnügen schnüren, wird man Sie vielleicht aber trotzdem beim Silvesterlauf 2015 in Tanna sehen? Schließlich waren Sie dort ja im vergangenen Jahr bereits zum 10. Mal erfolgreich.

Ich werden am 31. Dezember sicher in Tanna sein. Aber die Entscheidung über einen Start lasse ich mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch offen.

Sie waren läuferisch auf einem sehr hohen Niveau unterwegs. Muss man da jetzt abtrainieren?

Natürlich, auf jeden Fall. Ich gehe wie gesagt in der Woche so drei- bis fünfmal Laufen, immer so ungefähr zehn bis 15 Kilometern. Schließlich will man sich ja weiter fit halten, sollte das Sportlerherz – zwar nicht mehr auf dem Level wie früher – auch weiterhin gefordert werden.

Wie und vielleicht auch durch wen sind Sie einst zum Laufen gekommen?

Erinnern kann ich mich an einen Schulcross wohl um das Jahr 1993 in der Seng in Schleiz, bei dem ich den 1. Platz in meiner Altersklasse belegt hatte. Hinterher fragte mich Andreas Hoppe, ob ich denn nicht mal zum Training kommen möchte.

Was waren die ersten Stationen Ihrer Karriere?

In die Schule gegangen bin ich in Tanna. Meine Eltern fuhren mich zweimal in der Woche zum Lauftraining nach Schleiz. So bin ich beim VfB in der Kreisstadt gelandet.

Wer war Ihr erster Trainer? Haben Sie noch Kontakt?

Mein erster Trainer war Andreas Hoppe, zu dem ich bis heute noch einen guten Kontakt habe. Seine Frau ist auch Patin bei unserem Sohn. Wir telefonieren eigentlich regelmäßig. Ich weiß auch, dass er mein läuferisches Vorwärtskommen über all die Jahre aus der Ferne aufmerksam verfolgt hat. Andreas Hoppe hat damals die Grundlagen meiner späteren Leidenschaft für das Laufen gelegt. Er hat mich auch in meiner Einstellung zu dieser Sportart gefestigt. Nur durch einen Erfolg beim Crosslauf allein, bleibt man noch lange nicht dabei.

Haben Sie gleich gemerkt, dass die längeren Strecken Ihr Ding sind oder probierten Sie sich auch auf kürzeren Distanzen aus?

In jungen Jahren muss man kurze Strecken laufen, um schnell zu werden. Man profitiert später über die langen Strecken von der einst erworbenen Grundschnelligkeit. Steigt man im etwas fortgeschritteneren Wettkampfalter gleich über die Langstrecke ein, kann man nie in den Genuss von richtig schnellen Zeiten kommen. So wurde und wird das sicher auch heute noch beim VfB praktiziert. Klar ging dann bei mir die Liebe irgendwann hin zu den 10 000 Metern, zum Halbmarathon oder zum Marathon. Die Grundlagen für die sich hier einstellenden Erfolge, wurde aber auf den kurzen Strecken gelegt.

Haben beziehungsweise hatten Sie eine Lieblingsdistanz? Wenn ja, welche und warum gerade die?

Wenn ich jetzt mal ein Resümee ziehe, war das schon die Marathon-Distanz über 42,195 Kilometer. Die Eindrücke, wenn man zum Beispiel Berlin läuft, die vielen Zuschauer, das ist einfach phänomenal. Es gibt nichts besseres als einen großen Marathon.

Wie war das damals mit Ihrem Wechsel vom VfB Schleiz zur Leichtathletikgemeinschaft Hof?

Das war beruflich bedingt, da ich meine Lehre als Kfz-Mechaniker in Münchberg absolviert habe. Im Rahmen des Untreusee-Laufes, den es damals noch gab, stellte Andreas Hoppe den Kontakt zu Willi Wehner, einem angesehenen und erfahrenen Trainer bei der LG Hof her. Daraus hat sich mein Wechsel nach Hof ergeben. Das war für mich die beste Möglichkeit, auch was meine Trainingsmöglichkeiten anging. Sicher ist es Andreas Hoppe nicht leicht gefallen, mich ziehen zu lassen.

Wer war dort Ihr neuer Trainer? Wie sah so Ihr Trainingsplan die Woche über aus?

Mein neuer Coach war wie gesagt Willi Wehner. Was mein Training dort angeht, bin ich zunächst mit dem Moped S50 montags, mittwochs und freitags nach Hof zum Training gefahren – das bei Wind und Wetter. Manchmal war ich bei minus zwanzig Grad Celsius unterwegs. In der LG Hof gelang mir der richtige Einstieg in den Leistungssport, der schließlich ein tägliches Training erforderte. Wenn man dann noch körperlich arbeitet, war das schon eine echt harte Zeit.

Seit 2004 sind Sie bei der Bundeswehr, mittlerweile Kfz-Meister und im 12. Dienstjahr. Stand dort Lauftraining speziell für Sie im Dienstplan?

Speziell auf dem Dienstplan stand es nicht. Aber mir hat man zeitweise schon die Möglichkeiten eingeräumt, entsprechend zu trainieren. Ich bin ja auch heute noch im CISM-Team, also in einer erweiterten Sportförderung und habe für die Bundeswehr diverse Wettkämpfe auch auf internationaler Ebene bestritten.

Was muss man sich als Außenstehender genauer unter CISM vorstellen?

Der Conseil International du Sport Militaire, kurz CISM, ist eine der größten Sportorganisationen der Welt. Er organisiert weltweit rund 20 Weltmeisterschaften im Jahr für die Soldaten der 133 Mitgliedsstaaten. Durch die sportlichen Begegnungen zwischen den Streitkräften verschiedener Länder sollen Freundschaften geknüpft und dadurch zum friedlichen Miteinander beigetragen werden.

Wo und wann sah man Markus Meißgeier erstmals auf internationaler Ebene laufen?

Eigentlich nur grundsätzlich bei der Bundeswehr. Und das war 2005 in Tunesien zur Militärcross-Weltmeisterschaft. 2007 bei den Militärweltspielen bin ich 10 000 Meter gelaufen. Es folgten 2011 die Weltspiele in Rio de Janeiro. Dieses Jahr war es mir leider aus verschiedenen Gründen verwehrt geblieben, zu den Spielen nach Südkorea zu reisen.

Wann und wo haben Sie Ihren ersten Marathon in Angriff genommen?

Das war am 9. Oktober 2010 zum Göltzschtal-Marathon in Lengenfeld. Im Frühjahr 2011 bin ich dann den Hamburg Marathon gelaufen.

Wie bereitet man sich auf ein solches Laufereignis vor?

Läuferisch ist man ja eigentlich immer unterwegs. Aber auf einen Marathon muss man sich schon mindestens 12 bis 15 Wochen ganz speziell vorbereiten. Jedenfalls für das Niveau, auf dem ich mit 2:25 Stunden gelaufen bin. Also ich spreche hier nicht vom Ankommen als Ziel, sondern schon von einem guten Laufergebnis. Dafür ist ein kontinuierlicher Trainingsaufbau nötig – bei dem man bis kurz vor dem eigentlichen Start in einer Woche schon mal so 200 Kilometer und mehr in den Beinen haben kann.

Welches war Ihre eindrucksvollste Laufveranstaltung, an der Sie in diesen über eineinhalb Jahrzehnten ihrer Laufkarriere teilgenommen haben?

Ich kann es nur wiederholen, der Berlin-Marathon – meiner Meinung nach gibt es nichts besseres. Ich bin dort 2012 und 2013 gelaufen, das waren die schönsten Erlebnisse für mich in all diesen Jahren. Beim ersten Mal noch mit einer hohen 2:25er Zeit, konnte ich diese vor zwei Jahren noch verbessern. Da war 49. im Gesamteinlauf und sechstbester Deutscher.

In all den Jahren sah man Sie bei Wettkämpfen fast immer vorn. Gibt es einen Erfolg, den Sie sportlich als am wertvollsten einstufen? Wenn ja, welchen und warum?

Ich möchte an dieser Stelle zwei nennen. Einmal waren das die Deutschen Crosslaufmeisterschaften in der Jugend, bei denen ich guter Dritter wurde. Und dann war ich 2007 Vierter bei der Deutschen Meisterschaft über 10 000 Meter in Zeulenroda. Damals bin ich eine Zeit von 30:25 Minuten gelaufen, was schon mit mein größter Erfolg war.

Haben Sie auch mal ein Rennen nicht beenden können, sprich: aufgegeben?

Das passiert allen Sportlern irgendwann einmal, sollte aber nicht zur Gewohnheit werden. Ich müsste mal kurz überlegen. Ja, das war 2014 in Frankfurt, als ich bei einem Marathon so etwa am Kilometer 33 oder 34 ausgestiegen bin.

Sie sind jetzt dreifacher Familienvater. Ist vielleicht in einigen Jahren damit zu rechnen, dass der Name Meißgeier in irgendeiner Form wieder erfolgreich in der Läuferszene auftaucht?

Sollten meine Kinder selbst später einmal läuferisch aktiv werden wollen, können sie das gern machen. Ich würde mich jedenfalls freuen, sie aber zu nichts zwingen. Ich werde sie dann auch mit all meinem Wissen und der in vielen Wettkampfjahren gemachten Erfahrung unterstützen. Aber nur, wenn sie es selbst wollen.

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