Geschichten vom Schleizer Dreieck: Der mysteriöse Tod von Schleiz

Schleiz  1928 kehrte Willy Henkelmann nicht mehr vom Schleizer Dreieckrennen zurück. Über die Hintergründe gab es wilde Spekulationen.

Willy Henkelmann verstarb 1928 an den Folgen seiner Verletzungen – wohl wegen einem Unfall auf der Heimreise vom Dreieck.

Foto: Archiv Jan Müller

In den Anfangsjahren des Motorsportes war es nur zu üblich, dass die Teilnehmer auf ihrem Motorrad, mit dem sie auch ihr Rennen bestritten, auch anreisten und die Heimreise antraten. Da stellte 1928 auch der amtierende Europameister Willi Henkelmann aus Wanne-Eickel keine Ausnahme dar. Nach einem zweiten Platz in der Viertelliterklasse auf dem Schleizer Dreieck sollte er aber tödlich verunglücken.

Die „Wanne-Eickeler Zeitung“ ließ sich in ihren Meldungen über den Tod des Rennfahrers zu immer abenteuerlicheren Versionen hinreißen. Zunächst sollte Henkelmann bei seiner Ehrenrunde verunfallt sein. Einen Tag später wurde gemeldet, dass der DKW-Fahrer nach seinem Rennen noch als Zuschauer an der Strecke weilte und dabei von einem anderen Fahrzeug erfasst wurde. Mit der nächsten Nachricht wurde ein Telegramm zitiert, nach dem Henkelmann von einem Polizeifahrzeug angefahren sein sollte.

Die letztlich wahrscheinlichste Todesursache von Willi Henkelmann ist bei einem Verkehrsunfall auf der Heimfahrt unmittelbar nach dem Rennen in Schleiz zu suchen. Auf dem Verbindungsweg von Heinrichsruh nach Plauen rammte er einen Telegrafenmast und erlag einen Tag später seinen schweren Verletzungen im Schleizer Krankenhaus. Auf einem Foto, das Henkelmann zeigt, dass aus dem Nachlass des Wanne-Eickelers Sebastian Profittlich stammt – über dessen Café in den 1920-er Jahren der Rennfahrer gelebt hatte –, wurden auf der Rückseite hinweisende Stichpunkte notiert: „Verunglückt beim Überholversuch auf der Rückfahrt von Schleiz. Doppelter Schädelbruch. Im Feld gefunden.“

Der 1899 in Münster geborene Henkelmann kam während des Ersten Weltkrieges, nachdem er bereits 1915 eingezogen wurde, als Mitglied der Motorradabteilung Berlin-Pankwitz zum Einsatz und galt dabei als ein zuverlässiger, aber auch risikoreicher Fahrer. Nach Kriegsende ging Henkelmann nach Wanne-Eickel und arbeitete dort als Motorfeinmechaniker.

Wenig später startete er auch seine Rennfahrerkarriere. Neben unzähligen Siegen und zwei Deutschen Meistertiteln steht noch anfangs erwähnter Europameistertitel in der Klasse bis 175 ccm auf der ausgeprägten Erfolgsliste von Willi Henkelmann. Den konnte er am 2. Juli 1927 auf dem Nürburgring feiern. Auf dem Tag genau ein Jahr später sollte das Leben von Henkelmann in Schleiz ein Ende nehmen.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.