Wiederauferstehung des Beinlich Racing Team

Pößneck.  Nach einer mäßigen Saison unter dem Dach von Kawasaki geht der Pößnecker Rennstall wieder eigene Wege. Teamchef Knut Beinlich im Interview.

Im zweiradbegeisterten Hause Beinlich wird man 2020 wieder das eigene Ding durchziehen. Das Beinlich Racing Team wird mit Vater Knut (von links) und den Söhnen Troy und Christoph unter der eigenen Bewerbung wieder am Start der IDM zu finden sein.

Im zweiradbegeisterten Hause Beinlich wird man 2020 wieder das eigene Ding durchziehen. Das Beinlich Racing Team wird mit Vater Knut (von links) und den Söhnen Troy und Christoph unter der eigenen Bewerbung wieder am Start der IDM zu finden sein.

Foto: Jan Müller

Für die Motorradrennsportsaison 2019 war die Erwartungshaltung im zweiradbegeisterten Hause Beinlich durchaus gesteigert. Erstmals sollten die Brüder Troy (17) und Christoph Beinlich (24) nicht mehr für den väterlichen Rennstall um Knut Beinlich an den Start gehen. Die beiden Pößnecker Rennfahrer, die in unterschiedlichen Klassen der internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) unterwegs sind, wurde Unterstützung von Kawasaki Deutschland zugesagt. Und dennoch lief es trotz der vermeintlich erfolgversprechenden Voraussetzungen nicht wirklich rund.

OTZ betrieb zusammen mit Knut Beinlich Ursachenforschung und wagte einen Ausblick in die anstehende Saison.

Vor genau einem Jahr war die Euphorie bei Ihnen groß. Von Zielen wie regelmäßige Podiumsplätze war die Rede. Worin liegen die Gründe, dass Ihre Söhne bisweilen weit hinter den gesteckten Erwartungen blieben?

Es lief bei beiden leider nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Christoph war in seinem Team oftmals, was die technische Unterstützung betraf, auf sich allein gestellt. Dort zählte vorrangig das Engagement in der prestigeträchtigen Superbike-Klasse. Erst wenn dort alles zur absoluten Zufriedenheit erledigt war, wurde Christoph gehört. Eine Zeit lang wurde er mit stumpfen Waffen auf die Strecke geschickt. Christoph kämpfte sich bei jeden Rennen durch.

Bei Troy war der technische Support das ganze Jahr über gegeben. Leider konnte er das vorhandene Potenzial nicht auf der Strecke umsetzen. Vor allem die schlechten Trainingsergebnisse verbauten ihm ein erfolgreiches Rennen. Dort konnte Troy zwar oftmals ordentlich mithalten, aber es fehlte einfach ein durchschlagendes Ergebnis, was auch für den Kopf für Troy sicher gut gewesen wäre. Immerhin wurde Troy in der IDM Supersport 300 auf Gesamtrang neun zweitbester Deutscher. Am Ende der Saison ereilte uns auch noch das Verletzungspech bei beiden Jungs.

Sie hatten das Beinlich Racing Team 2019 nach 28 Jahren erstmals ruhen lassen. Bereuen Sie diesen Schritt?

Nein. Der Wechsel stellte für beide Jungs eine große Chance dar. Rennfahrer streben nach klaren Fortschritten. Wir wollten nach vorn kommen. Allein die gegebenen technischen Möglichkeiten, wie Personal für das Datarecording, erschienen sehr reizvoll. Beide Jungs wurden von Kawasaki Deutschland gefördert, allerdings nicht in dem Maße, wie wir uns das erhofft hatten.

Nach dem aus Ihrer Sicht ernüchternden Jahr, wie lauten die Pläne für die neue Saison?

Wir stellen wieder alles auf Anfang. Das Beinlich Racing Team wird wiederbelebt und wir machen da weiter, wo wir 2018 aufgehört haben. Das ist auch eine Konsequenz finanzieller Natur, denn das Angebot für Troy, eine weitere Saison für sein letztjähriges Team zu fahren, war für uns nicht zu stemmen.

Diese Entscheidung hat konkret welche sportliche Auswirkung?

Wir werden 2020 also wieder alles selbst in die Hand nehmen. Troy wird wieder mit einer Kawasaki Ninja 400 in der IDM Supersport 300 antreten. Für Christoph bauen wir gerade eine Yamaha R6 im Supersport-Trim auf.

Sie haben die finanzielle Komponente angesprochen. Ein leidiges Thema im Motorradrennsport. Wie gut wird das Beinlich Racing Team diesbezüglich aufgestellt sein?

Wir müssen kleine Brötchen backen. Einige unserer Sponsoren haben ihr Engagement leider beendet. Andere, vor allem unsere lokalen Förderer, dafür forciert. Erfreulicherweise konnten wir die Abteilung Sportmarketing der Medien Gruppe Thüringen für uns gewinnen, von der wir uns in Zukunft fruchtbare Symbiosen versprechen. Aktuell haben wir das Budget für die komplette Saison noch nicht zusammen. Wir wollen mit guten Ergebnissen auf uns aufmerksam machen und damit die Budgetlücke füllen.

Welche sportlichen Ziele haben Sie sich für Ihr kleines Team unter diesen Voraussetzungen gesteckt?

Eines durften wir letztes Jahr mit einer gewissen Genugtuung feststellen: Wir müssen uns keineswegs als kleiner familiärer Rennstall hinter den vermeintlich großen Mannschaften verstecken. Das stärkt unser Selbstvertrauen. Das Niveau aller Klassen innerhalb der IDM wird weiter zunehmen. Wir bauen auf eine gute Vorbereitung. Die Zeit ist dafür aufgrund des späten Beginns der IDM im Mai dieses Jahr gegeben. Technisch sollten wir dank des Supports einiger Spezialhersteller ganz gut aufgestellt sein. Wir wollen uns keinesfalls verstecken. Die Top Ten sollten für beide Jungs machbar sein.