Nachwuchssport der Verlierer

Gera.  Umfrage unter den Sportvereinen der Region zu den Beschlüssen der Bundesregierung

Solche Bilder wie  in der Fußball-Thüringenliga zwischen Wismut Gera und Westvororte werden in den Stadien geraume Zeit passé sein.

Solche Bilder wie in der Fußball-Thüringenliga zwischen Wismut Gera und Westvororte werden in den Stadien geraume Zeit passé sein.

Foto: Jens Lohse

Am Montag steht der kleine Sport still. Wir haben uns bei den Vereinen der Region umgehört und Meinungen zum Lockdown im regionalen Sport eingeholt:

Katharina Berg, Trainerin Speedskating, RSV Blau-Weiß Gera: Keine Frage, die Gesundheit geht vor. Wir schießen nicht quer, halten uns an die Vorgaben, wie wir es in der ganzen Zeit der Corona-Pandemie gemacht haben. Doch wir hätten es besser gefunden, wenn den Vereinen noch ein gewisser Spielraum eingeräumt worden wäre und nicht alles und alle über einen Kamm geschoren werden. Wir haben nach dem Lockdown das Training mit zwei Sportlern begonnen, dann zu dritt und zu fünft. Warum soll Training mit Abstand an freier Luft nicht möglich sein? Ab Montag wird auch bei uns die Sportstätte geschlossen sein. Wie schon im März werden wir unsere Sportler mit Trainingsplänen versorgen – trainiert wird individuell.

Frank Neuhaus, Präsident der BSG Wismut Gera: Als Getränkefachhändler und als Vereinspräsident bin ich gleich doppelt von den verschärften Corona-Maßnahmen der Regierung im November betroffen. Mir muss jemand erklären, wenn es heißt, dass das Virus im Freien wesentlich ungefährlicher ist, warum wir dann die Kinder vom Sportplatz wieder nach Hause in ihre Zimmer schicken, wo die Ansteckungsgefahr viel größer ist? Wenn wir wenigstens trainieren könnten. Was ich auch nicht verstehen kann, warum ein Unterschied zwischen Profis und Amateuren gemacht wird. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass wir im Dezember wieder in den Wettkampfbetrieb zurückkehren. Jetzt muss ich erst einmal meine Übungsleiter aufrichten. Einige lassen nämlich den Kopf hängen, stellen alles in Frage.

Stefan Zeiss, Rollhockey-Trainer und Vorstandsmitglied RSC Gera: Das ist schade, dass wir wieder nicht trainieren können. Wir warten die offizielle Information seitens der Stadt ab und beraten uns, wie wir mit der Situation umgehen. Die erste und zweite Bundesliga haben ihren Spielbetrieb eingestellt, das finde ich richtig. Wir können schlecht in eine „rote Zone“ fahren und spielen oder trainieren. Wir müssen unsere Sportler schützen, so gut es geht. Sicherlich werden wir wieder mit Hometraining beginnen – ähnlich wie wir es im März organisiert haben.

Steffen Hadlich, Präsident JFC Gera: Die Maßnahmen sind eine Katastrophe für den Sport. Gut finde ich, dass man in ganz Deutschland eine einheitliche Lösung gefunden hat. Warum man aber nicht zwischen Hallen- und Freiluft-Sportarten unterscheidet, kann ich nicht verstehen. Draußen besteht keine Gefahr der Ansteckung. Die Kinder können Bommelmützen beim Training aufsetzen. Frische Luft ist immer gut. Ich sehe große Probleme auf den Sport zukommen, bis hin zum Vereinssterben. Dass der Großteil der Mitglieder Beitragszahlungen nochmals in Spenden umwandelt, glaube ich nicht. Also kommen Rückzahlungen auf die Vereine zu, die vielleicht auch noch andere Verbindlichkeiten oder Kredite zu bedienen haben.

Heike Schramm, Radsporttrainerin SSV Gera: Wir finden das sehr schade, dass der Kinder- und Jugendsport wieder heruntergefahren wird. Die Kinder brauchen doch die Bewegung an der frischen Luft, um gesund zu bleiben, um sich abzuhärten. Mir ist nicht bekannt, dass der Sport einmal ein riesiger Infektionsherd gewesen ist. Wir haben als SSV Gera bundesweit als eine der ersten Vereine wieder Wettkämpfe organisiert – mit einem entsprechenden Abstands- und Hygienekonzept. Das hat funktioniert. Nun werden die Nachwuchssportler wieder jeder für sich trainieren müssen oder mit Online-Programm.

Tino Hempel, Ringertrainer beim RSV Rotation Greiz: Das sieht bestimmt jeder so: Die Gesundheit geht vor, aber dass in Berlin, München oder in Greiz alles runter gefahren wird: Schwer vermittelbar, da muss es doch regionale Regelungen geben. Und es trifft wieder den Nachwuchssport. Wir setzen uns zusammen und beraten, was wir machen können. Wahrscheinlich werden wir in kleinen Gruppen im Freien trainieren, sofern wir noch in die Halle dürfen und eine Hantel oder eine Matte herausholen und benutzen können.