Sergio Casanova: In Eisenach zum gestandenen Spieler gereift

Jena.  Von 1999 bis 2004 spielte HBV-Trainer Sergio Casanova für den ThSV Eisenach, der am Sonnabend bei der Handball-Arena in Jena gastiert.

Der junge Sergio Casanova während seiner Tage beim ThSV Eisenach.

Der junge Sergio Casanova während seiner Tage beim ThSV Eisenach.

Foto: Norman Meißner (Archiv)

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Die Autotür öffnete sich nicht. Sie war schlichtweg eingefroren. Sergio Casanova staunte nicht schlecht, wie hart der Winter am Fuße der Wartburg zuschlagen kann. Für den damaligen Handball-Profi, der in jenen Tagen für den ThSV Eisenach in der Bundesliga spielte, war es damals der erste Kontakt mit knackigen Minusgraden im zweistelligen Bereich. „Bis dahin wusste ich nicht, dass es so kalt werden kann in Europa“, sagt der Spanier, der in Valencia das Licht der Welt erblickte und derzeit Manager und auch Trainer des HBV Jena 90 ist.

Der ThSV Eisenach wiederum genießt in der Sport-Vita von Casanova einen ganz besonderen Stellenwert. „Bis ich nach Eisenach kam, war ich ein Jugendspieler, aber dort bin ich schließlich zu einem gestandenen Spieler gereift“, betont der 42-Jährige, für den die Stadt, in der Bach und auch Luther wirkten, die erste Station in Sachen Profi-Handball war. Fünf Jahre lief er für die Westthüringer auf, spielte danach noch für Tusem Essen und BM Aragón (Saragossa). Aufgrund einer Schulterverletzung musste er 2013 seine Karriere beenden, lebt seit 2014 mit seiner Familie in Jena.

Eisenach wollte gegen ausländisches Team spielen

Am Sonnabend nun wird Casanova im Rahmen der Handball-Arena in Jena seinen ehemaligen Verein empfangen, der im Sportkomplex Lobeda-West gegen Dukla Prag spielen wird. „Das ist super, dass sie nach Jena kommen“, sagt der HBV-Coach über das bevorstehende Wiedersehen. Doch der Manager und Trainer, der an der Außenlinie für sein feuriges Temperament berühmt-berüchtigt ist, hat auch eine Aktie daran, dass sich die Handballer aus der hunderttürmigen Stadt am Sonnabend die Ehre an der Saale geben werden, schließlich handelt es sich bei Dukla-Co-Trainer Václav Vraný um einen ehemaligen Teamkollegen von Casanova während seiner Tage in Essen. „Eisenach wollte gegen ein Team aus dem Ausland spielen, worauf ich Kontakt mit Prag aufnahm, die sofort zusagten.“ Dukla Prag wiederum wurde in seiner Geschichte 28-mal tschechoslowakischer Meister und viermal tschechischer Meister – zuletzt 2017. Außerdem triumphierten die Handballer aus der Geburtsstadt von Franz Kafka dreimal beim Europapokal der Landesmeister: 1957, 1963, 1984.

Darüber hinaus würde die 3. Mannschaft des HBV Jena Jahr für Jahr an einem Handball-Turnier in Prag teilnehmen, bei dem Dukla Prag der gastgebende Verein ist. „Die Männer von der 3. Mannschaft fahren jedes Jahr nach Prag. Sie lieben die Stadt und auch das Bier“, sagt Casanova und lacht herzhaft. Einmal war auch er mit von der Partie beim Stelldichein an der Moldau. Es mangelte also nicht an Verbindungen.

„Eisenacher Publikum heiß auf Handball“

Es sei eine schöne Zeit in Eisenach gewesen. „Das Publikum ist einfach nur heiß auf Handball“, sagt Casanova und schwärmt von der Kulisse. Manchmal seien bis zu 3000 Zuschauer zugegen gewesen. Von 1999 bis 2004 spielte er für den ThSV Eisenach, räumt jedoch auch ein, dass man in den meisten Spielzeiten gegen den Abstieg gekämpft habe. „Es war immer eng.“ Das wiederum ist eine Situation, in der sich Casanova auch aktuell mit seinem Jenaer Team befindet. Der HBV Jena rangiert auf dem letzten Tabellenplatz der Mitteldeutschen Oberliga, trennte sich Anfang des Jahres von Trainer Pierre Liebelt-Passarge. Am Sonnabend wiederum gastiert bei der Handball-Arena Spitzenreiter HC Burgenland für eine reguläre Liga-Partie gegen Jena. „Ich traue meinem Team zu, dass es gewinnen kann“, gibt sich Casanova zuversichtlich. Er beschwört den Underdog-Faktor und die Kulisse. Sein Team fiebere dem Termin entgegen.

Der einstige Rückraumspieler Casanova wusste vor seinem Engagement in Deutschland nicht sonderlich viel über Thüringen und Eisenach. Das Leben eines Handballers in Eisenach sei recht beschaulich. „Eisenach ist keine Stadt, in der es ein florierendes Nachtleben oder dergleichen gibt. Von daher konnte man sich auf den Sport konzentrieren – und auch Geld sparen“, resümiert Casanova, der auch darauf verweist, dass Eisenach und Handball zwei Seiten ein und derselben Medaille seien, würden schlichtweg zusammengehören. Auch heute noch würde er das Geschehen rund um seinen ehemaligen Verein aus der Ferne verfolgen. „Sie haben einen sehr guten Start in die Saison hingelegt, hatten sich am Anfang oben festgesetzt, was stark für ein Team ist, das gerade erst in die 2. Liga aufgestiegen ist. Mittlerweile stehen sind sie aber wieder in das Mittelfeld abgerutscht“, sagt Casanova über den Zehntplatzierten der 2. Handball-Bundesliga.

Ach ja, seine Teamkollegen aus Russland und Osteuropa hätten sich über ihn damals lustig gemacht. Für sie sei er stets die Frostbeule aus Spanien gewesen, berichtet Sergio Casanova, der sich mittlerweile an den Winter in Deutschland nach all den Jahren gewöhnt hat.

Handball-Arena Jena: Sonnabend, 18. Januar, Sportkomplex Lobeda-West, Einlass 17 Uhr, Beginn 18 Uhr: ThSV Eisenach – Dukla Prag, 20 Uhr: HBV Jena 90 – HC Burgenland

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