So will Tobias Werner den FC Carl Zeiss Jena besser machen

Jena.  Im Interview spricht der neue Sportdirektor über Herausforderung beim FCC und seinen Plan, wie er Talente nach Jena locken möchte.

Sportdirektor Tobias Werner (34) krempelt beim FC Carl Zeiss Jena die Ärmel hoch. Im Interview mit unserer Zeitung erläutert der neue Sportchef, wie er die schwierige Aufgabe beim Drittligisten anpacken will.

Haben Sie nach Ihrer Rückkehr nach zwölf Jahren viele Änderungen im Jenaer Stadion bemerkt?

Infrastrukturell kaum. In Jena gibt es gemessen an der Liga tolle Voraussetzungen sowohl für den Nachwuchs als auch die Profis.

Sie kommen vom Bundesliga-Verein FC Augsburg, der allein in seiner Presseabteilung so viele Mitarbeiter hat wie der FC Carl Zeiss in der gesamten Verwaltung. Sind Sie sich im Klaren, dass hier jeder einzelne mehr gefragt ist?

Natürlich weiß ich, dass die Herausforderung groß ist und die Bedingungen anders sind. Aber Jena hat für einen Drittligisten gute Voraussetzungen. Dieses Potenzial gilt es, noch besser auszuschöpfen, auch wenn das nur Schritt für Schritt gelingt. Ich habe keine Angst zu scheitern, will all‘ meine Energie in die Aufgabe stecken.

Sie möchten Jena zu einem sympathischen, demütigen Verein machen. Sind das Tugenden, die man in Augsburg eingeimpft bekommt?

Bescheidenheit, klar und familiär sein – da spielen viele Attribute eine Rolle. Attribute, die ich auch aus meiner Zeit in Jena kenne. Wir werden analysieren, was gut und was nicht gut läuft, und nachhaltige Entscheidungen treffen, um besser zu werden.

Bei den Nachwuchsleistungszentren geht die Schere zwischen den Bundesligisten und Drittligisten weiter auseinander. Die besten Spieler werden schon mit 14 Jahren weggeholt. Wie wollen Sie die besten Spieler in Jena halten?

Wir können uns in der Nachwuchsarbeit nicht mit Werder Bremen, dem Hamburger SV oder RB Leipzig vergleichen, die mit großen Scoutingabteilungen Spieler schon früh binden. Wir müssen einen Weg finden, Spieler an den Verein zu binden und eine Perspektive aufzuzeigen, die sie überzeugt, in Jena den nächsten Schritt zu gehen.

Wie gelingt das, wenn die erste Mannschaft nicht in der Bundesliga spielt?

Der Vorteil gegenüber den Bundesliga-Nachwuchszentren ist: Dort stehen die Spieler schon in jungen Jahren viel stärker unter Druck, weil früh ausgetauscht wird, wenn die Leistung nicht stimmt. Wir wollen junge Spieler schützen und ihnen eine Perspektive bieten, dass sie wirklich im Profikader eingesetzt werden.

Wie wollen Sie es schaffen, dass mehr Nachwuchsspieler oben ankommen?

Es braucht eine gute Ausbildung und eine sehr enge Zusammenarbeit mit dem Nachwuchsleistungszentrum und einem Trainer, der den Talenten vertraut, sie einsetzt und weiterentwickelt. All das geht nicht von heute auf morgen, das benötigt Zeit. Aber wir werden auf dieses Thema den Fokus richten und den jungen Spielern das nötige Vertrauen geben.

Sie haben selbst in Jena den Sprung in den Männerfußball geschafft. War es Glück, dass ein Trainer wie Heiko Weber gleich sechs A-Junioren befördert hat?

Eine Mischung aus Glück, Qualität und dem richtigen Zeitpunkt. Den Durchbruch habe ich Heiko Weber, der damaligen Mannschaft, aber auch meinem Glauben daran, es zu schaffen, zu verdanken. Ich war nicht der talentierteste Spieler im Nachwuchsleistungszentrum, aber ich habe das Vertrauen bekommen, wurde geschützt und bin nicht nach drei, vier schwachen Spielen weggeschickt worden.

Übertragen Sie das in Ihr Konzept?

Der Kader wird sich verändern, aber es wird auch nicht nur mit jungen Spielern gehen. Sie werden sicher ihre Chance bekommen, werden dabei aber gleichzeitig von erfahreneren Spielern geführt und unterstützt werden müssen.

Haben Sie sich schon einen Überblick über das aktuelle Team verschafft?

Einen Eindruck habe ich. Ich werde in den kommenden Tagen viele Gespräche führen, mich nach dem Befinden erkundigen, aber auch über die Saison hinauszublicken.

Sie haben die erfolgreichste Phase der Nachwendezeit in Jena mitgestaltet. Welches Erlebnis ist Ihnen am stärksten in Erinnerung geblieben?

Der Aufstieg in die zweite Bundesliga in der Saison 2005/06. Wir hatten ein fantastisches Team, ein richtiges Füreinander auf dem Feld, aber auch außerhalb. Die Momente als 19-Jähriger werde ich niemals vergessen. Mit dem damaligen Tag ist es mir gelungen, im Profigeschäft anzukommen.

Wollen Sie mit dem FC Carl Zeiss in die zweite Bundesliga zurück­kehren?

Träumen ist verboten. Wir müssen realistisch sein, jetzt hart und fleißig im Tagesgeschäft arbeiten, um uns einen festen Platz in Liga drei zu erspielen.

Damals im Jahr 2008 trafen Sie für Jena im Pokal-Viertelfinale gegen Stuttgart oder spielten in Dortmund mit. Hat das die Lust geweckt, ganz nach oben zu wollen?

Das waren schöne und unvergessliche Momente. Wir hatten eine tolle DFB-Pokalsaison, die am Ende aber nicht dazu beitrug, die Liga zu halten. Es war ein Traum, in den Stadien zu spielen, hat zu weiterer harter Arbeit motiviert und fest daran zu glauben, es in die Bundesliga zu schaffen.

Was hat Ihre Familie nach der Anfrage aus Jena gesagt?

Das haben wir gemeinsam entschieden, dass es sinnvoll ist, die Chance zu ergreifen. Die Familie steht für mich über allem. Ich bin dankbar, dass sie kein Veto eingelegt hat.

Wann zieht die Familie um?

Unsere Tochter und meine Frau als Lehrerin müssen das Schuljahr noch abschließen. Deshalb kann die Familie erst im August folgen.

Macht die Rückkehr in die Heimat auch Ihre Familie glücklich?

Ja. Wir brauchten Bedenkzeit. Unsere drei Kinder sind in Augsburg geboren, wir haben uns über zwölf Jahre einen Freundeskreis aufgebaut, haben ein Haus gebaut. Eine solche Entscheidung bricht man nicht übers Knie. Letztlich sind wir gemeinsam zum Schluss gekommen: Ja, wir kehren nach Jena zurück.