Sportler Luca Kirsche hat Startrecht auf Lebenszeit

Waltersdorf.  Luca Kirsche lebt mit dem Down-Syndrom, doch das hält den 18-Jährigen nicht ab, sich sportliche Ziele zu setzen

Rico und Luca Kirsche kämpften beim Weidatal-Cross gemeinsam gegen den Schlamm und die Hindernisse.

Rico und Luca Kirsche kämpften beim Weidatal-Cross gemeinsam gegen den Schlamm und die Hindernisse.

Foto: Max Lenke

Luca Kirsche hat einen Startplatz auf Lebenszeit. Wer kann das schon vorweisen? Vielleicht noch René Enders. Der Bahnrad-Weltmeister aus Auma hat den Weidatal-Cross maßgeblich mit angeschoben – zum Erfolg gemacht. Und Luca Kirsche? Der 18-Jährige hat ein Handicap, er hat das Down-Syndrom, doch das hält den Waltersdorfer nicht ab, sich sportliche Ziele zu setzen.

„Es wird ja viel über Inklusion geredet, doch im Sport wird sie gelebt. Wir sind Torsten Jung und Rene Enders sehr dankbar, dass sie uns den Startplatz kostenlos zur Verfügung stellen. Vor allem zeigen sie Luca damit, dass er jederzeit willkommen ist“, sagt Vater Rico Kirsche, inzwischen selbst begeisterter Hindernisläufer und Radsportler.

Zwillingsbruder Nico betrieb einige Jahre Radsport beim SSV Gera, gewann vor zwei Jahren das Nachwuchsrennen bei der Aprés Tour Gera. Und seine Bruder Luca fand über die Rad-AG des Vereins Gefallen am Radfahren. „Ohne Lucas Schädlich und die Rad-AG hätte Luca vielleicht nie sicher Radfahren gelernt“, sagt der Vater. Auch wenn es dem 46-Jährigen nicht ganz einerlei war: Luca ist von Waltersdorf nach Gera allein mit dem Rad zur AG gefahren.

Der Sport in der Gemeinschaftgibt Luca Selbstvertrauen

Wer mit dem Down-Syndrom lebt, neigt dazu ein paar Pfunde zu viel anzusetzen, weil der Stoffwechsel verlangsamt und der Muskeltonus schwächer ausgeprägt ist. „Der Sport baut ihn auf, nicht nur körperlich, er gibt ihm Selbstvertrauen – und das ist ganz wichtig.“ Und als die Geraer Radsportler wie jedes Jahr um Ostern nach Kroatien ins Trainingslager fuhren, war Familie Kirsche mit dabei. „Die Radsportler haben uns klasse aufgenommen, sich Zeit für Luca gelassen.“ Er hat es ihnen mit seinen coolen Sprüchen und seiner Herzlichkeit wieder gegeben.

Anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages vor zwei Jahren fand in Fürth wieder der ING-Marathon statt. „Das Konzept ist ziemlich einfach und doch genau auf die Sportler mit Handicap abgestimmt.“ So gibt es einen Rundkurs von 1,309 Kilometern, jeder läuft, was er schafft. Das Besondere, alle kommen auf ihrer Runde durch die grüne Halle, über den roten Teppich und am Publikum vorbei. Für Stimmung sorgen neben den Zuschauern die Life Band „Swinging Lions“, so dass die Läufer ständig motiviert, angefeuert und abgeklatscht wurden.

Am Ende lief der damals 16-Jährige in zwei Stunden und drei Minuten neun Runden, die zwölf Kilometer ergaben. Doch das sollte es nicht gewesen sein. Torsten Jung und Rene Enders, der Luca im Camp in Kroatien kennengelernt hatte, luden Luca zum Bootcamp, dem Testlauf für den Weidatal-Cross nach Weißendorf ein.

Anfangs hatte er keine rechte Lust, sich an den Hindernissen zu versuchen, fuhr zunächst mit dem Pickup mit, schaute, was sich abspielte – doch dann kam er auf den Dreh. Die Idee entstand: „Ich starte beim Weidatal-Cross. Ich schaffe das.“ Zweimal die Woche joggt er, alles geschieht langsam und gleichmäßig und gern steht er auf dem Crosstrainer, „weil ich die Filme anschauen und Musik hören kann“.

Und dann kam der große Tag. Groß die Vorfreude. Groß die Aufregung. Gemeinsam mit den Startern des Schüler-Cross ging es beim Weidatal-Cross mit dem Motto „Schlamm, Berge, Wasser“ auf die Strecke. Nach und nach überholten die Crosser das Team Kirsche.

„Jeder hat mich aufgemuntert, das hat mir gut gefallen“, sagt Luca – und nach elf Kilometern und 2:38 Stunden war er im Ziel und haute noch einen raus. Als der Vater seinem Sohn übers letzte Hindernis geholfen hatte, sprintete der Junge los, riss die Arme in die Höhe. Geschafft! Geschafft!

Dass Luca Kirsche auch beim Weidatal-Cross 2021 mit dabei sei will, keine Frage. Auch den Lauf zur Grubenlampe in Ronneburg hat er geschafft und Luca wäre nicht Luca, würde er sich nicht ein großes Ziel setzen: „In Rudolstadt, beim Getting Tough, da mach‘ ich mit.“ Noch hat er einen weiten Weg vor sich, doch der Ehrgeiz hat den 18-Jährigen gepackt.